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Boris Pistorius beschäftigt sich mit Pyrotechnik in Fußball-Stadien © Getty Images
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Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius denkt über kontrolliertes Zünden von Pyrotechnik nach. Zum Stehplatzverbot hat er dagegen eine klare Meinung.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat die Aufhebung des Verbots von Pyrotechnik in deutschen Fußball-Stadien ins Gespräch gebracht. "Wenn einige Ultra-Gruppen ganz viel Wert darauf legen, Pyrotechnik zu zünden, kann man sich darüber unterhalten, dafür bestimmte Bereiche im Stadion zu schaffen - aber nur, wenn sich dann auch daran gehalten wird", sagte Pistorius der Sport Bild.

Allerdings war es am Montag beim DFB-Pokalspiel zwischen Drittligist Hansa Rostock und Bundesligist Hertha BSC (0:2) zu eklatanten Vorkommnissen durch das Abbrennen von Pyrotechnik und das Abfeuern von Leuchtkörper in gegnerische Fanlager gekommen.

Strenge Auflagen erforderlich

Pistorius betonte auch, dass Bengalos Brandsätze seien, "1000 Grad heiß, jede Kunstfaserjacke steht sofort in Flammen. Das ist gefährlich, das kann man nicht einfach mal so abfeuern", sagte der 57-Jährige.

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Die Aufhebung des Pyro-Verbots könne deshalb nur unter strengen Auflagen erfolgen.

"In dem Augenblick, in dem auch nur ein Bengalo anderswo gezündet wird, müsste man das sofort wieder einstellen. Das bedeutet, dass man zu klaren, belastbaren Absprachen mit den Ultras kommen können müsste. Ich wäre dazu bereit, aber dazu bedarf es beiderseitiger Zuverlässigkeit", sagte Pistorius, der für den 11. November einen Fußball-Gipfel mit Fans und Ultras vorbereitet.

GdP kann Vorschlag nicht nachvollziehen

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigt für den Vorschlag kein Verständnis.

"Die Sicherheit der Fußballfans, der Polizistinnen und Polizisten und der Sicherheitskräfte steht für uns absolut im Vordergrund", betonte der Landesvorsitzende Dietmar Schilff. "Die GdP, auch auf Bundesebene, kann nicht nachvollziehen, warum gerade zum jetzigen Zeitpunkt dieser Vorschlag gemacht wird", hieß es in einer Mitteilung.

Pistorius gegen Stehplatzverbot

Ein Stehplatzverbot wie in England lehnt der Minister strikt ab: "Ich hoffe nicht, dass es dazu in deutschen Stadien kommt. Die meiste Stimmung geht von den Stehplatzrängen aus. Bevor man leichtfertig sagt, wir wandeln jetzt die Stehplätze in Sitzplätze um, muss man sich fragen, was man dadurch tatsächlich mehr an Sicherheit gewinnt."

Im Kampf gegen Gewalttäter im Fußball plädiert Pistorius für ein längeres Stadion-Verbot als die bisher vorgesehenen vier Jahre. "Eine Chance kann man ihm nach vier Jahren noch geben, aber wenn er danach ins Stadion geht und wieder etwas passiert, muss es nachhaltig wirken, dann bekommt er eben acht oder zehn Jahre Stadionverbot", betonte er. 

Zu den Kollektivstrafen, die vor allem die Ultra-Gruppierungen ablehnen, sieht Pistorius keine Alternative. "Ich bin kein Freund von Kollektivstrafen, aber wenn immer wieder aus dem gleichen Block die gleichen Dinge geschehen, und man kann die Leute nicht identifizieren (...), muss man darauf angemessen reagieren", sagte der Politiker.

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