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Nach der Entlassung von Carlo Ancelotti kommen deutsche und internationale Medien zu unterschiedlichen Analysen. Einige geben der Bayern-Führung die Schuld. Pressestimmen.

DEUTSCHLAND

Bild: "Bei der Entlassung von Trainer Ancelotti waren Rummenigge und Hoeneß offensichtlich mal wieder einer Meinung. Und das sollte in Zukunft häufiger der Fall sein. Uli und Kalle sind jetzt genauso gefordert wie die Mannschaft oder der neue Trainer. Sie werden daran gemessen werden, welche Lösungen sie für die Herausforderungen finden werden, die auf den FC Bayern in den nächsten Jahren zukommen. Und die sind so groß wie noch nie..."

Süddeutsche Zeitung: "Gewiss hat das 0:3 in Paris den Klubbossen den letzten Anlass geliefert, um abschließend über diesen Trainer zu Gericht zu sitzen, aber unabhängig von den Van-Gaal-Ego-großen Löchern in der Defensive ist es Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge natürlich nicht entgangen, dass es sich bei Ancelotti um eine recht spezielle Art von Entwicklungstrainer handelte. Ja, er hat die Mannschaft entwickelt. Bloß halt blöderweise rückwärts."

Kicker: "Es gab also viele Irritationen, die Position des ersten leitenden Angestellten im sportlichen Bereich wurde immer schwächer. Deshalb wollte und konnte selbst Karl-Heinz Rummenigge, der lange eisern zu seinem Trainer stand, nicht mehr die schützende Hand über Ancelotti und dessen Crew halten."

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ITALIEN

Gazzetta dello Sport: "Eine Schock-Scheidung. Wo ist die deutsche Ernsthaftigkeit geblieben? Der Klub, der Ancelotti nach nur sechs Spieltagen rauswirft, ist ein Verein, der Planung und Ernsthaftigkeit zu seinem Stil gemacht hatte. Die Tatsache, dass Ancelotti Ende September rausgeworfen wird, wahrscheinlich wegen des Unmuts einiger Spieler, ist ein schlechtes Signal für den europäischen Fußball."

Tuttosport: "Ancelotti rausgeschmissen! Prominente Spieler der Mannschaft haben Ancelottis Rauswurf mitbestimmt. Die Diskussionen um Müllers Leistungen haben das Klima vergiftet. Hinzugekommen sind die schwankenden Leistungen, viel Kritik und die Spannungen unter den Spielern."

Corriere dello Sport: "Eine Verschwörung bei Bayern, Ancelotti verraten und verjagt! Der Trainer wird Opfer einer gespaltenen Mannschaft."

Corriere della Sera: "Ancelottis Fehler im Sommer war es, Bayerns Kader zu überschätzen, eine Mannschaft mit zu vielen müden 30-Jährigen, die einst Spitzenspieler waren, aber jetzt nicht mehr den Unterschied machen. Der Fall Thomas Müller und Manuel Neuers Verletzung haben Bayern besonders stark zugesetzt. Damit ist Ancelottis Abenteuer in München viel früher als erwartet zu Ende gegangen."

La Repubblica: "Endstation für Ancelotti in München. Eine Spielerrevolte wie jene in München ist in Ancelottis Karriere einzigartig. In München haben Carlos Methoden offenkundig nicht funktioniert. Ob Chelsea, Real Madrid, oder München: Ancelottis Beziehungen zu ausländischen Klubs enden immer auf traumatische Weise, nie am Ende des Vertrags."

SPANIEN

Marca: "Ancelotti ist nicht der Schuldige. Zumindest nicht der einzige. Bayern ist nicht mehr das Bayern, das es einmal war. Diese Mannschaft ist viel schlechter als die, die 2013 unter Heynckes das Triple gewann und auch als die, die Guardiola drei Jahre lang führte. Lewandowski hatte mit seiner Kritik an der Transferpolitik des Klubs recht. Der FC Bayern holt keine Superstars mehr. Er konzentrierte sich in den vergangenen Jahren darauf, Dortmund zu schwächen (Hummels, Götze und Lewandowski) und ließ sich stattdessen große Spieler wie Dembele, Gündogan oder De Bruyne entgehen."

AS: "Nachdem Ancelotti schon in der vergangenen Saison angezählt wurde, leitete die heftige Pleite in Paris das Ende des Italieners bei den Bayern ein. Die Kritikpunkte sind das angeblich lasche Training und das gestörte Verhältnis zu einigen Spielern."

ENGLAND

Daily Mail: "Carlo Ancelotti kann beim FC Bayern nicht abliefern. Die Bayern-Bosse entlassen ihn nach der heftigen Pleite gegen PSG. Ancelotti setzte die Bayern-Stars auf die Bank, verlor das Vertrauen von Führungsspielern und konnte nicht an Guardiolas Zeiten anknüpfen."

The Sun: "Die Pleite gegen Paris bringt den FC Bayern zum Beben. Ancelotti zahlt den Preis für seine Gelassenheit. Nach Guardiola schockt sein ruhiger Führungsstil die Spieler und führt zum Streit mit der Mannschaft."

The Times: "Ancelottis Entlassung wirkt wie eine ungewollte Rückkehr zu den Zeiten als der Verein noch 'FC Hollywood' genannt wurde. Ancelotti war alles, was Bayern wollte, aber nicht das, was sie brauchten. Seine Zeit in München hat dem Verein eines gezeigt: Sie brauchen einen wie Guardiola."

The Guardian: "Guardiolas Fußstapfen sind zu groß für Carlo Ancelotti. Der Italiener hat viele Vorzüge, kann das Niveau seines Vorgängers aber nie erreichen."

FRANKREICH

Le Monde: "Carlo Ancelotti - das nächste Opfer von Paris Saint-Germain. Der Aufstellungspoker von Ancelotti hat sich als Niederlage entpuppt."

L'Equipe: "Das Karriereende von Lahm und Alonso, die Verletzung von Manuel Neuer und bizarre Coaching-Entscheidungen: Es gibt viele Gründe für den schlechten Saisonstart der Bayern und die Entlassung von Carlo Ancelotti."

Liberation: "Die Coaching-Methoden von Ancelotti sind friedlich. Sein Know-how besteht darin, dass Superstars in der Kabine gut miteinander auskommen. Dieser Stil ist bei den großen Klubs aber nicht mehr gefragt."

SCHWEIZ

Blick: "Ancelotti geht als Taktikniete, Talentvernichter und Missverständnis! Er war der falsche Mann zur falschen Zeit. Er hatte keinen Plan."

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