Effenberg erklärt seine Liga-Revolution
teilenE-MailKommentare

Mit seinen Plänen zur Bundesligareform hat Stefan Effenberg eine breite Diskussion angestoßen. Die Mehrheit stellt sich dagegen - doch es gibt auch Fürsprecher.

Mit rekordverdächtigen 18 Punkten ist der FC Bayern der Konkurrenz in der Bundesliga enteilt. Dass die Münchner zum sechsten Mal in Folge die Schale überreicht bekommen, ist längst nicht mehr die Frage - sondern nur noch, zu welchem Zeitpunkt dies geschieht.

Einer, der sich Gedanken macht, wie die bayerische Dominanz durchbrochen werden könnte, ist Stefan Effenberg. Der frühere Bayern-Kapitän erläuterte im CHECK24 Doppelpass seine Ideen zu einem neuen Austragungs-Modus in der Bundesliga.

Effenberg möchte die Bundesliga in zwei Gruppen mit jeweils neun Vereinen einteilen. Jeder spielt in seiner Gruppe bis Weihnachten gegen jeden.

Bayern bleibt Favorit

Es gibt ein Hin- und ein Rückspiel. Jede Mannschaft absolviert so 16 Spiele bis Weihnachten. Die Mannschaften auf den Plätzen eins bis vier aus den beiden Gruppen qualifizieren sich ebenso für Gruppe 1 wie der bessere Gruppenfünfte aus Grupppe A und B. In dieser Gruppe werden von Januar bis Mai der Deutsche Meister sowie die Europapokalteilnehmer ausgespielt.

Poulsen mischt den Doppelpass auf

"Dadurch hättest du eine andere Spannung, weil du im Januar wieder mit null Punkten starten würdest", glaubt Effenberg. "Es wäre auch für den FC Bayern ein Vorteil, weil er direkt Vollgas geben müsste. Die Mannschaft wäre ganz anders gefordert. Auch im Hinblick auf die K.o.-Spiele in der Champions League ist es besser für die Bayern, direkt unter Druck zu stehen - als mit 18 Punkten Vorsprung von oben zu grüßen."

Andererseits ist Effenberg davon überzeugt, dass auch unter diesem Modus der Rekordmeister die Nase vorn haben würde. "Dass der FC Bayern sich auch hier durchsetzen wird, ist klar. Aber vielleicht kann man auch mal einer kleiner Mannschaft die Möglichkeit geben, in den Meisterschaftskampf einzugreifen."

Mit seinen Plänen stieß der 49-Jährige in der CHECK24 Doppelpass-Runde allerdings auf wenig Gegenliebe. Gut gemeint - aber nicht zu Ende gedacht, lautete der Tenor.

Draftsystem ist utopisch

So gab Leipzig-Star Yussuf Poulsen zu Bedenken, dass die Abstiegsrunde zu wenig Interesse erzeugen könnte.

Eine ganz andere Idee hatte Doppelpass-Experte Marcel Reif - auch wenn er sie für nicht umsetzbar hält. "Was helfen würde, wäre ein Draftsystem. Dass also der schwächste Klub den besten Spieler kriegen kann. Aber das ist mit europäischem Arbeitsrecht überhaupt nicht denkbar. Das ist ein amerikanisches Modell, wir haben eine völlig andere Philiosophie."

Während Mats Hummels die Pläne komplett ablehnt: ("Davon halte ich nichts. Dafür haben wir die Pokalwettbewerbe"), zeigte sich Thomas Müller zumindest aufgeschlossen.

Heynckes wehrt sich gegen Reformen

"Ich finde es nicht schlecht, wenn man sich Gedanken macht, auch mal zu revolutionieren. Ich finde, man sollte darüber debattieren, was man optimieren kann. Insgesamt geht es ja auch um unser Produkt Bundesliga", erklärte Müller bei SPORT1.

Watzke nennt Diskussion Affenzirkus

Für Schalke-Geschäftsführer Christian Heidel  ("Ich glaube, da wird ein zu großes Drama daraus gemacht") und Frankfurt-Trainer Niko Kovac: ("Die Bundesliga muss in der jetzigen Form erhalten bleiben. Jeder muss gegen jeden spielen") stellt sich die Frage nach einer Modusänderung dagegen nicht.

Mit Haut und Haaren sträubt sich sogar BVB-Boss Hans-Joachim Watzke gegen eine Änderung. Auf die Frage, was er von der aktuellen Diskussion halte, sagte Watzke bei Sky: "Affenzirkus."

"Die Bundesliga ist der mit Abstand ehrlichste Wettbewerb. Wer über 34 Spieltage hinweg die beste Leistung bringt, der hat die Meisterschaft verdient. In Playoffs könnte vielleicht auch mal eine Schiedsrichterentscheidung oder schlechte Tagesform über den Titel entscheiden", gab Watzke zu bedenken.

Und was meint der aktuelle Bayern-Trainer? "Da sollte man sich", meinte Jupp Heynckes, "schon etwas anderes einfallen lassen."

teilenE-MailKommentare