Nach Wutrede: Titz kontert Papadopoulos
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Hamburg - Die Fans rasten aus, die Verantwortlichen und Spieler beschuldigen sich gegenseitig: Nach dem 1:2 gegen Hertha erreicht die Selbstzerstörung des HSV eine neue Dimension.

Es war der Tag der Gegensätze für den HSV - mit dem altbekannten tristen Ausgang.

Vor dem Spiel munterten hunderte Fans mit Sprechchören und Plakaten die Mannschaft auf, als sie mit dem Bus ins Volksparksatdion einfuhr. Der letzte Funken Hoffnung auf das Wunder Klassenerhalt sollte entzündet werden.

Die negative Grundstimmung beim taumelnden Dino schien durch die Aktion der Anhänger zumindest für 45 Minuten vergessen. Denn das, was die Hamburger in Halbzeit 1 dieses neuerlichen "Endspiels" gegen Hertha BSC (1:2) boten, hatte Bundesliga-Niveau.

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Wenn sich Euphorie in Angst verwandelt

Neu-Coach Christian Titz hatte seinem Ruf als ballverliebter Taktikfuchs alle Ehre gemacht und dem HSV durch jugendliche Unbekümmertheit ein neues Gesicht verliehen. Wie selten zuvor in dieser Saison spielte die Mannschaft wirklich Fußball - und hätte sich durchaus mit mehr als nur einem Tor belohnen können. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

"Doch dann", musste Titz später zähneknirschend erkennen, "kam der Knackpunkt: die Halbzeitpause." Und die Hamburger Euphorie verwandelte sich plötzlich in Angst.

Anstatt den Plan von Titz fortzuführen und den Gegner schon in dessen Hälfte unter Druck zu setzen, verschanzte sich die jüngste HSV-Elf seit 1974 ganz im Stile von Markus Gisdol und Bernd Hollerbach im eigenen Sechzehner. Ein Himmelfahrtskommando gegen die gnadenlos effektiven Gäste aus Berlin. 

Valentino Lazaro und Joker Salomon Kalou machten die Führung des HSV durch Douglas Santos innerhalb von acht Minuten zunichte. "Sie hatten etwas zu verlieren", sagte Hertha-Trainer Pal Dardai über den überraschenden Einbruch der Hausherren. 

Nächster Fan-Eklat

Mit "etwas" waren nicht nur drei Punkte gemeint, die in Anbetracht der Niederlage von Konkurrent Mainz 05 bei Eintracht Frankfurt (0:3) Gold wert gewesen wären, sondern vor allem ein Lebenszeichen an den Klub und an die Fans. (Die Tabelle der Bundesliga)

So hieß es nach dem 14. Spiel ohne Sieg am Ende aber wieder nur: Jeder gegen jeden. 

Randale! HSV-Fans wollen Katakomben stürmen

Während Thomas von Heesen, der neue Berater des HSV-Managements, die Spieler öffentlich kritisierte ("Es ist traurig, dass man so ein Spiel herschenkt") und deren "Qualität" und "Überzeugung" hinterfragte, schlugen einige Anhänger das nächste Kapitel in ihrer mittlerweile prall gefüllten Skandal-Akte auf.

Auf den Rängen schubsten sich einige Anhänger gegenseitig um. Fast nur eine Randnotiz im Vergleich zum Plan von etwa 50 vermummten Chaoten, über die Buseinfahrt in die Katakomben des Stadions einzudringen, um den Spielern höchstpersönlich an die Gurgel zu gehen. 

Die Sicherheitskräfte verhinderten mithilfe von Tränengas und Schlagstöcken schlimmere Ausschreitungen.

"Papa" geht auf Titz los

Ruhiger dürfte es nach diesem Abend an der Elbe aber keineswegs werden. Trotz oder gerade wegen des Trainerwechsels nimmt die Selbstzerstörung auch innerhalb der HSV-Mannschaft weiter zu.

Der auf die Bank verbannte Abwehr-Routinier Kyriakos Papadopoulos kritisierte Titz beim Verlassen des Stadions scharf. Es sei "total schade, dass ich nicht spiele und dass manche erfahrene Spieler nicht in der Mannschaft waren. Die Mannschaft braucht diese Spieler", sagte der bisher gesetzte Grieche.

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Titz' Aufstellung sei "nicht die beste Lösung" gewesen. "Ich habe keine Ahnung, warum ich nicht gespielt habe. Der Trainer hat nicht mit mir gesprochen. Ich werde das Gespräch auch nicht suchen", erklärte Papadopoulos angefressen. 

Der Konter von Titz ließ nicht lange auf sich warten: "Wir haben uns mit jedem Spieler in dieser Woche beschäftigt. Aber wir klären das intern." Der Coach sitzt diesbezüglich am längeren Hebel.

"Jeder muss sich fragen, welche Verantwortung er für die Situation trägt. Das ist eine Frage des Respekts", sagte HSV-Vorstand Frank Wettstein am Sonntag. "Ich stehe voll hinter den Maßnahmen vom Trainer."

Titz wird dennoch offenbar in der Länderspielpause die komplette Auflösung der Mannschaft verhindern müssen. (Das Restprogramm des HSV)

Schließlich dürften andere gestandene Profis wie Dennis Diekmeier, Mergim Mavraj, Walace, Andre Hahn oder Sven Schipplock nach ihrer Nicht-Berücksichtigung gegen Hertha kaum besser auf ihn zu sprechen sein. 

Das Restprogramm des Hamburger SV:

28. Spieltag: VfB Stuttgart (A)

29. Spieltag: FC Schalke 04 (H)

30. Spieltag: TSG Hoffenheim (A)

31. Spieltag: SC Freiburg (H)

32. Spieltag: VfL Wolfsburg (A)

33. Spieltag: Eintracht Frankfurt (A)

34. Spieltag: Borussia Mönchengladbach (H)

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