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Leverkusen - Der FC Bayern sieht sich nach der Gala gegen Leverkusen gerüstet für den Champions-League-Kracher gegen Real Madrid. SPORT1 nennt sechs Gründe für den Höhenflug.

Uli Hoeneß strahlte übers ganze Gesicht. "Klasse setzt sich halt durch", rief er gut gelaunt in den Leverkusener Katakomben, ehe er sich verabschiedete.

Etwas ausführlicher äußerte sich Karl-Heinz Rummenigge wenige Meter daneben, sagte aber im Prinzip das Gleiche.

"Fan vom FC Bayern zu sein, ist im Moment ein Paradies-Zustand", meinte der Vorstandsboss zu der 6:2-Gala im Pokal-Halbfinale bei Bayer Leverkusen.

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"Die Mannschaft hat offenbar die Riesenqualität, alles zu schaffen, was sie sich vornimmt. Nächsten Mittwoch werden wir versuchen, noch weiter zu gehen."

Dann steht der Champions-League-Kracher gegen Real Madrid auf dem Programm (20.45 Uhr im LIVETICKER) und die Zuversicht ist groß beim deutschen Rekordmeister, dass diesmal ein Weiterkommen und danach auch das Triple möglich sind.

"Wenn im Moment einer Real Madrid schlagen kann, dann der FC Bayern", erklärte Rummenigge im Brustton der Überzeugung.

SPORT1 nennt sechs Gründe, warum die Münchner gerüstet sind für das Gigantenduell mit Titelverteidiger.

1. Heynckes lässt nicht nach

Auffällig in den vergangenen Jahren unter Pep Guardiola und Carlo Ancelotti war, dass die Münchner nach dem Gewinn der Meisterschaft die Bundesliga abhakten und auch deshalb bei den entscheidenden Champions-League-Spielen nicht mehr ihre Topform wiederfanden.

Ganz anders unter Jupp Heynckes, der wie in der Triple-Saison 2012/13 die Spannung im Kader hoch hält. "Mein Credo ist: Wenn wir führen, setzen wir trotzdem nach", sagte der Chefcoach.

"Das Geheimnis ist aber, dass wir täglich hart arbeiten. Alle Elemente, die wir im Spiel sehen, sind auf dem Trainingsplatz erarbeitet", erläuterte der Routinier.

Und das setze sein Team derzeit konsequent um: "Wir waren wahnsinnig motiviert und fokussiert auf das Spiel. Ich denke, dass es über weite Strecken eine Fußball-Demonstration war."

2. Der Titelhunger ist zurück

Heynckes' hoher Anspruch ist bei den Spielern offenbar in Fleisch und Blut übergegangen.

"Jupp Heynckes hat es geschafft, dass alle in der Mannschaft gierig sind. Das zeichnet uns aus", sagte Dreifach-Torschütze Thomas Müller.

"Ganz besonders wird es aber erst, wenn wir am Ende auch auf dem Treppchen stehen. Deshalb haben wir noch einiges vor uns. Denn bis auf die Meisterschaft haben wir noch nichts gewonnen."

Und weiter: "Die Euphorie ist noch nicht am Ende, der Hunger ist noch größer geworden und wir wollen den nächsten Schritt machen."

Zumindest die deutschen Gegner kapitulieren bereits. "Die Dominanz, die Effizienz, die totale Gier und Geilheit der Bayern sind beeindruckend", meinte Bayer-Trainer Heiko Herrlich. "Bayern spielt sich dann in einen Rausch und es ist beeindruckend, dass die dann nicht aufhören."

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3. Teamgeist und Teamwork

Auch wenn Heynckes immer wieder Topstars auf die Bank setzen muss – gegen Leverkusen traf es etwas überraschend James Rodriguez – sucht man Stinkstiefel derzeit vergeblich.

"Wir haben eine tolle individuelle Qualität und einen großartigen Teamgeist. Egal wer spielt, es gibt keinen Neid und keine Egoisten. Der Trainer und die Mannschaft machen das großartig", lobte Rummenigge.

Die Spieler pushen sich nicht nur im Training aktuell zu Höchstleistungen, sondern auch während der Begegnungen ist die Unterstützung durch die Reservisten auffällig. Gleiches gilt für das geschlossene Auftreten auf dem Platz.

"Wir haben einen sehr guten Teamspirit. Wir verstehen uns untereinander und jeder ist bereit, sich für den anderen zu opfern", sagte Sven Ulreich. Und Heynckes ergänzte: "Bei uns gibt es keine Ich-AGs, sondern bei uns ist das Teamwork der Schlüssel zum Erfolg."

4. Spieler rechtzeitig in Topform

Es war auch in Leverkusen nicht alles überragend, die Defensive gerät bei schnellen Gegenstößen des Gegners nach wie vor ins Schwimmen.

Doch mit ihrer individuellen Klasse bügelten vor allem die überragenden Javi Martinez und Jerome Boateng solche Fehler aus. Beide sind wie einige andere Akteure (Müller, Rafinha) rechtzeitig zum Saison-Höhepunkt auf dem Weg zur Bestform.

Am beeindruckendsten bewies das der einstige Wackelkandidat Ulreich im Tor, der sich mit mehreren Glanztaten sogar nachdrücklich für die WM empfahl.

"Wir müssen Sven ein Riesenkompliment machen, er hat zwei-, dreimal gerettet. Wie er die Bälle gehalten hat, das war Wahnsinn", sagte Arjen Robben.

5. Breite Brust nach Erfolgsserie

Wenn man zurückdenkt an die verunsicherte und formschwache Bayern-Elf zum Zeitpunkt des Rauswurfs von Ancelotti, dann hat Heynckes für einen kompletten Stimmungsumschwung gesorgt.

In den 35 Pflichtspielen seit dem Comeback gab es 31 Siege bei gerade mal zwei Niederlagen und zwei Unentschieden. Und mit jedem Erfolg steigt das Selbstbewusstsein der Truppe und der Glauben daran, dass die Wiederholung des Triples möglich ist.

"Wir sind gerüstet für Real, aber das ist wieder ein anderes Spiel", erklärte Robben. Und Ulreich meinte: "Wenn wir so auftreten wie in Leverkusen, wird es auch für Real schwer."

6. Offensive trifft und trifft

Zwei Gegentore von Bayer? Kein Problem, dann macht Bayern eben sechs. Doch so torhungrig wie in Leverkusen ist der FCB schon seit Wochen.

Nach dem 0:0 gegen Hertha BSC Ende Februar haben die Roten 26 Tore in den sechs Bundesligaspielen erzielt, also im Schnitt mehr als vier pro Partie. Bleibt das so, könnte sogar die bisherige Rekordmarke von 98 Treffern aus der Triple-Saison überboten werden.

Hinzu kommen zehn Treffer im Achtel- und Viertelfinale der Champions League gegen Besiktas und Sevilla sowie die sechs Treffer gegen Leverkusen.

Beeindruckende Zahlen, die sogar Bayers Kevin Volland zum Schwärmen brachten. "Sie sind einfach gnadenlos effektiv", sagte er. "Bayern ist eine der stärksten Mannschaft weltweit - die nutzen ihre Chancen eiskalt."

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