Das sagt Streich zum Video-Wahnsinn
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München und Mainz - Schiedsrichter Guido Winkmann holt die Mainzer und Freiburger für einen Elfmeter aus der Kabine. Irrwitzig - aber auch irregulär? Fragen und Antworten.

So etwas hat es in der Fußball-Bundesliga noch nie gegeben.

Beim Abstiegs-Gipfel zwischen dem FSV Mainz 05 und dem SC Freiburg (2:0) holten Schiedsrichter Guido Winkmann und Video-Assistentin Bibiana Steinhaus die Spieler in der Halbzeit-Pause aus der Kabine, um einen Videobeweis-Elfmeter nachzuholen.

Eine irrwitzige Szene, die aufgrund der Details ihres Ablaufs zu einem Fall für das DFB-Sportgericht werden könnte, ein Wiederholungsspiel ist denkbar.

SPORT1 hat die Fragen und Antworten zum Video-Wahnsinn.

Was genau ist passiert?

Schiedsrichter Guido Winkmann übersah kurz vor der Pause ein ahndungswürdiges Handspiel von Freiburgs Marc-Oliver Kempf nach einer Flanke des Mainzers Daniel Brosinski im Strafraum. Video-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus griff ein, Winkmann holte die Teams aus der Kabine zurück, Pablo De Blasis verwandelte den Elfmeter zum zwischenzeitlichen 1:0.

War der Ablauf regelkonform?

Prinzipiell: ja. Laut Regel 8.13 der internationalen Fußball-Regelhüter IFAB darf der Videoassistent auch nach dem Halbzeit- oder Schlusspfiff noch eingreifen, solange der Schiedsrichter (und nur er) das Feld noch nicht verlassen hat. Beim DFB wurde die Regel für die Bundesliga abgeändert, nach dem Schlusspfiff darf nichts mehr korrigiert werden.

Da Winkmanns ausgebliebener Pfiff eine klare Fehlentscheidung war, war Steinhaus' Eingriff so weit korrekt. Der springende Punkt in der konkreten Situation ist allerdings: Hat Steinhaus rechtzeitig eingegriffen, bevor Winkmann den Platz verlassen hat?

Borussia Dortmund v FC Bayern Muenchen - Bundesliga
Bibiana Steinhaus war beim Montagsspiel als VAR im Einsatz © Getty Images

Hat Steinhaus rechtzeitig eingegriffen?

Videoaufnahmen des Spiels legten nahe, dass Winkmann das Headset, über das er mit Steinhaus verbunden ist, zum ersten Mal angefasst hat, nachdem er bereits über die Außenlinie getreten war und damit das Spielfeld offiziell verlassen hatte.

Wie die Nachrichtenagentur SID am Dienstagmorgen allerdings vermeldete, belegen Video- und Tonaufnahmen aus dem Kontrollcenter in Köln, dass der entscheidende erste Kontakt erfolgt ist, als Winkmann noch auf dem Platz stand.

Sollte sich das bestätigen, hätte Freiburg kaum eine Handhabe für einen Protest.

Bis wann müsste Freiburg Protest einlegen?

Innerhalb von zwei Tagen muss Freiburg einen Einspruch schriftlich bei der DFB-Zentralverwaltung vorlegen, also spätestens im Laufe des Mittwochs. Bislang hat der Klub noch keine Entscheidung getroffen.

Die vom Ergebnis des Spiels mittelbar betroffenen Abstiegskonkurrenten HSV und Köln sind nicht berechtigt, Protest einzulegen.

War es vermeidbar, die Spieler in die Kabine zu schicken, bevor die Situation geklärt war?

Lutz-Michael Fröhlich, der Videobeweis-Projektleiter des DFB, hätte es in jedem Fall gern vermieden. "Das war keine Werbung, was den Ablauf betrifft", sagte er Eurosport. Auch durch die IFAB-Regeln sind die Schiedsrichter angehalten, die Spieler möglichst schnell zu informieren und eben nicht in die Kabine zu schicken.

Frustriert: Lutz-Michael Fröhlich, DFB-Projektleiter in Sachen Videobeweis
Frustriert: Lutz-Michael Fröhlich, DFB-Projektleiter in Sachen Videobeweis © Getty Images

"Das hat ein ganz großes Geschmäckle, dass das noch mal aufgerollt wird", sagt SPORT1-Schiedsrichter-Experte Bernd Heynemann. "Das ist für alle Beteiligten unverständlich, nicht nur für die Mannschaften, sondern auch für die Zuschauer."

Fröhlich äußerte dennoch Verständnis für Winkmann und Steinhaus: "An der Stelle war es nicht möglich, anders vorzugehen. Wir haben das ganze Spiel sehr viele Trillerpfeifen gehabt, die Verständigung war schwer."

Winkmann selbst erklärte, er habe den Freiburger Spielern, "von denen noch drei oder vier auf dem Platz waren, schon kommuniziert, dass Sie bitte warten mögen, weil jetzt gleich ein Check kommt". Aber es sei "natürlich auch so, "dass, wenn man eventuell von einer Entscheidung betroffen ist, die Leute erst mal weitergehen".

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