Diese Bundesliga-Kracher sollte man sich merken
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München - Auf Niko Kovac wartet beim FC Bayern eine Herkulesaufgabe. Der neue Trainer ist nach dem WM-Debakel als Psychologe gefragt. Lothar Matthäus traut ihm das zu.

Am Freitag veröffentlichte die DFL den Bundesliga-Spielplan für die kommende Saison.  

Was vom Ligaverband akkurat als Kontrapunkt am freien WM-Tag zwischen Gruppenphase und Achtelfinale geplant war, gilt durch das deutsche Fiasko nun als verfrühter Startschuss in die neue Spielzeit.

Die WM abzuhaken und die Bundesliga in den Fokus zu rücken, dürfte jedoch vor allem an der Säbener Straße schwer fallen. Denn: Das Scheitern in Russland könnte für den FC Bayern negative Auswirkungen auf den Ligabetrieb haben. 

Dass die DFL dem FC Bayern an den ersten vier Spieltagen mit Hoffenheim, Stuttgart, Leverkusen und Schalke ein knackiges Auftaktprogramm vorsetzte, hätte in anderen Jahren wohl keinen Fan des Rekordmeisters sonderlich beunruhigt.

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Mit Rucksack in die Ferien

Diesmal liegen die Dinge anders: Wer Thomas Müllers Tränen, Joshua Kimmichs Verzweiflung und Mats Hummels' Frust nach dem 0:2 gegen Südkorea sah, kann sich ausmalen, in welchem psychischen Zustand sich die Bayern-Vertreter in den dreiwöchigen Urlaub verabschiedeten.

"Dieser Stachel sitzt sehr tief und wird auch noch länger schmerzen", gab Hummels in einem Instagram-Post zu. 

Das, was sonst den Bayern zum Vorteil gereicht, nämlich die Korsettstangen der Nationalelf zu bilden, wird nun zum Bumerang: Auch Manuel Neuer, Jerome Boateng, Niklas Süle, Sebastian Rudy und der Neu-Bayer Leon Goretzka gehen geknickt in die Ferien.

Hinzu kommt, dass Robert Lewandowski, der die WM-Bühne für eine Bewerbung in eigener Sache auserkoren hatte, nach dem Scheitern mit Polen ebenfalls völlig desillusioniert nach Hause fuhr. 

Mit insgesamt neun Sorgenkindern muss Kovac also in seine erste Saisonvorbereitung beim Rekordmeister gehen - klar, dass der neue Trainer vor allem als Seelentröster gefordert ist. 

"Kovac muss die Spieler wieder aufrichten", erklärte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus am Freitag in Moskau. "Sie kommen mit einem dicken Rucksack zurück, dem blamablen Ausscheiden bei der WM. Da ist dann der Trainer als Psychologe gefragt."

"Müller wirkte niedergeschlagen"

Als Sinnbild des Bayern-Dilemmas sieht Matthäus einen, der früher als Strahlemann galt: "Thomas Müller lächelt sonst immer, selbst wenn er von der Bank kommt. Gegen Südkorea wirkte er niedergeschlagen, als er eingewechselt wurde. Er war leer und damit ein Spiegelbild des gesamten Teams."

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Sport-Psychologe und Mentalcoach Matthias Herzog rechnet sogar damit, dass die WM-Enttäuschung ohne fremde Unterstützung nicht verarbeitet werden kann. "Da reichen nicht die drei Wochen Urlaub. Das bleibt in den Köpfen. Da wäre eine Aufarbeitung mit einem Mentaltrainer zeitnah von Vorteil", sagte Herzog in der Bild.

Dass die Rückkehrer nun früher als geplant ins Bayern-Training einsteigen können, wertet Herzog nicht als Vorteil. "Es bringt Kovac gar nichts, wenn seine Spieler zwar körperlich erholt sind, aber eine labile Psyche aufweisen." 

Hohn und Spott für Lewandowski

Das große Problem: Die Bayern-Stars haben nicht nur an der WM-Schmach zu knabbern, sondern mussten zuvor schon zwei Tiefschläge verdauen. Zunächst verpasste man unglücklich gegen Real Madrid das Champions-League-Finale, dann verlor man überraschend das Pokalendspiel gegen Eintracht Frankfurt.

Matthäus glaubt an Kovac 

Drei Wirkungstreffer innerhalb von knapp drei Monaten - damit dürfte jede noch so stabile Fußballerseele in Nöte geraten.

Dass Kovac das Zeug dazu hat, die Rückkehrer wieder aufzurichten, davon geht Matthäus aus. "Niko hat in Frankfurt einen hervorragenden Job gemacht. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb. Er hat eine klare Linie, deswegen bin ich davon überzeugt, dass Kovac die richtige Entscheidung der Bayern-Führung war."

Der Ex-Eintracht-Coach, der kurioserweise mit dem 2:1-Sieg gegen die Bayern in Berlin zum Leid der Münchner beigetragen hatte, kann sogar auf eine persönliche Erfahrung zurückgreifen. Als Nationaltrainer Kroatiens musste er vor vier Jahren eine herbe Enttäuschung verarbeiten, nachdem er in der Gruppenphase der WM in Brasilien gescheitert war.

Und so darf Kovac an der Säbener Straße gleich die ganze Palette seines Könnens zeigen. Die des Fußballlehrers - und die des Therapeuten. Spätestens nach den ersten vier Bundesligaspieltagen wird man sehen, wie erfolgreich er damit war.

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