Kovac: Daran müssen wir noch arbeiten
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Miami und München - Eine anstrengende (Marketing-) Reise durch die USA liegt hinter dem FC Bayern. SPORT1 fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Rund 12.700 Reise-Kilometer, acht Trainingseinheiten, zwei Test-Pleiten und etliche Marketing-Termine liegen hinter dem FC Bayern.

SPORT1 war auf der Münchner USA-Reise dabei und fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Die erste Station: Philadelphia. Die Vorstandsdelegation um Präsident Uli Hoeneß und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge besuchte mit den eingeflogenen Klublegenden wie Lothar Matthäus und Martin Demichelis die geschichtsträchtige Independence Hall und die Liberty Bell.

Die Spieler schauten sich unter anderem die Treppenstufen an, auf denen sich Film-Held Rocky Balboa einst auf große Kämpfe vorbereitete.

Vor allem aber nutzten die Bosse den Aufenthalt in der Sechs-Millionen-Metropole, um sich mit Vertretern der NFL und der Philadelphia Eagles sowie mit einer Delegation des NBA-Teams Philadelphia 76ers auszutauschen.

Rummenigge nimmt Liga in die Pflicht

"Die NBA und die NFL haben nachgewiesen, dass sie im Professionalismus sehr stark sind", sagte Hoeneß anschließend.

Rummenigge erklärte, die Bundesliga müsse "das Interesse haben, anzugreifen. Das kann nicht nur Bayern alleine leisten. Es war in den Gesprächen mit der NBA und der NFL interessant zu sehen, wie die Dinge hier vermarktet werden."

In Miami nahmen die Kluboberen weitere Marketingtermine wahr, während sich Spieler zu Autogrammstunden unter die Leute begaben. Geschäftskontakte pflegen, die Fanbase erweitern, darum ging es.

"Wir haben unsere Ziele erreicht. Es war eine tolle Tour", sagte Strategie-Vorstand Jörg Wacker abschließend. "Inhaltlich und organisatorisch ist das kaum zu toppen." Künftig wollen die Bayern auch in Latein- und Südamerika vorstellig werden wollen.

Fußball haben die Münchner in den USA auch gespielt, nur weniger erfolgreich. In Philadelphia unterlagen sie Juventus Turin mit 0:2. Auch in Miami wurde es nicht besser. Gegen die No-Name-Truppe von Manchester City verloren die Bayern 2:3. "Das hat uns ein bisschen weniger gefallen", räumte Rummenigge ein.

Bei Bayern-Pleite: Ribery und Robben wie in besten Zeiten

Viel Aussagekraft für den Saisonverlauf der Bayern haben die Test-Pleiten allerdings nicht. Zum einen, weil Kovac in den USA ein enormes Trainings-Pensum abspulte. So setzte er in Philadelphia bei 30 Grad Steigerungsläufe an. Zum anderen, weil die Bayern vor allem in der Defensive wackelten, dort in Ermangelung der WM-Fahrer aber primär mit unerfahrenen Jugendspielern bestückt waren.

"Wir sind im Soll, was die Physis angeht. Nach hinten gefällt es mir noch nicht", bilanzierte Kovac.

Kovac wagt Experimente

Der neue Coach nutzte die Tests zu Experimenten: Gegen City bot er Ribery als eine Art Spielmacher im halblinken, zentralen Mittelfeld auf. Serge Gnabry testete er als Rechtsverteidiger. Beide überzeugten. Taktisch setzt er vorerst auf ein 4-3-3.

Pechvögel der Reise sind Torwart Sven Ulreich (patzte gegen Juventus und ManCity), Javi Martinez (zog sich gegen Juventus eine Muskelquetschung zu und fiel gegen City aus), sowie Juan Bernat, der isoliert wirkt. Auch Sandro Wagner empfahl sich nicht nachhaltig für einen Stammplatz. Toptalent Oliver Batista-Meier kam in den USA überhaupt nicht zum Einsatz.

Dafür blüht das einstige Sorgenkind Renato Sanches auf. Auch der 19 Jahre alte Nobody Paul Will, Neuzugang aus Kaiserslautern, stand in allen drei Testspielen als alleiniger Sechser in der Startelf und spielte solide.

Wagner und Sanches geben "Miami Vice"

Sportlich konnte sich Wagner bei beiden USA-Spielen nicht sonderlich in Szene setzen. Dennoch stand er oft im Mittelpunkt: Etwa, als er mit Renato Sanches die zwei Protagonisten der Kult-Serie "Miami Vice" für ein Hochglanz-Video imitierte und lässig durch Miami schlenderte.

Oder bei einer Autogrammstunde in einem Pub in Miami, als zwei der rund 100 amerikanischen Fans lauthals "Sandro Wagner Fußball-Gott" und "Heiliger Wagner" skandierten - sehr zur Belustigung von Serge Gnabry.

Trotz der zwei Niederlagen zählt Neu-Trainer Niko Kovac zu den Gewinnern der Reise. Er versteht es, seinem Umfeld auf Augenhöhe zu begegnen. Unabhängig davon, ob es sich dabei um Vorgesetzte, Spieler, Fans oder Medienvertreter handelt. 

Für seine Akteure kann Kovac Kumpeltyp, Schleifer und Mahner zugleich sein. "Er hat einen guten Start gehabt. Alle sind happy mit ihm", sagte Rummenigge.

James ist der Superstar

Er trainierte nicht, er spielte nicht, aber James war der heimliche Star auf der Bayern-Reise - zumindest in Miami. Dorthin ließ ihn der Verein extra aus seinem Urlaub einfliegen, um durch ihn die Werbetrommel zu rühren. "Es ist einfach eine PR-Geschichte, weil er in Florida sehr bekannt ist", begründete Hoeneß die Maßnahme.

Besser gesagt: James ist dort ein Superstar. Über 80 Millionen Follower in den sozialen Medien sprechen für sich. Nur Ronaldo, Neymar und Messi haben mehr.

Während der Reise machten die Bayern-Bosse deutlich, dass James nicht zum Verkauf stehe. Der Klub wolle ihn 2019 vielmehr per Klausel für 42 Millionen Euro fest von Real Madrid verpflichten - Stand jetzt. Auch James gab brav zu Protokoll, dass er sich vorstellen könne, "noch lange" in München zu bleiben.

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Kaderplanung stockt

Fakt ist, dass die Bayern im Mittelfeld noch einen bis zwei Spieler abgeben wollen. Angebote, etwa für Arturo Vidal, soll es aber noch nicht geben. Unklar ist weiterhin auch, was mit dem abwanderungswilligen Jerome Boateng passiert. Robert Lewandowski muss bleiben. Die Verpflichtung großer Namen schloss Hoeneß aus.

Stattdessen präsentierten die Bayern aber den 17-jährigen Zugang Alphonso Davies aus Vancouver. Der Stürmer kostet bis zu 19 Millionen Euro Ablöse, gilt als das größte kanadische Talent seit Jahren und wird ab Januar zu den Bayern stoßen.

Rummenigge verspricht Champions-League-Angriff

Nachdem Hoeneß und Rummenigge vor der Reise Mesut Özil bzw. den DFB abgekanzelt hatten, wirkten sie während des Trips entspannt, nahbar und interessiert.

Am Sonntag ließ Rummenigge allerdings noch einmal aufhorchen. "Insbesondere in Miami hat man festgestellt, welchen Stellenwert die Champions League hat", erklärte er da. "Wir werden versuchen, dieses Jahr dort anzugreifen."

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