Verletzungsmisere und dünner Kader: Bayern vor schweren Wochen
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München - Nach den Verletzungen von Corentin Tolisso und Rafinha gehen dem FC Bayern die Alternativen aus. Fällt den Münchnern ihre Transferpolitik auf die Füße?

Als Niko Kovac seine Verluste nach dem 3:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen zählte, musste er sich so ähnlich gefühlt haben wie König Pyrrhos I im Jahre 279 v. Chr.

Der Regent hatte bei einer erfolgreichen Schlacht gegen die Römer solch erhebliche Verluste hinnehmen müssen, dass seine Armee auf Jahre hinaus geschwächt war. 

Nun spielte sich die Szenerie der Bayern glücklicherweise nur auf dem Fußballplatz ab, doch die Ausfälle fühlten sich auch für die Münchner schmerzhaft an.

Salihamidzic macht sich Sorgen

Dabei versuchte Präsident Uli Hoeneß, die Folgen für den FC Bayern noch kleinzureden, nachdem Corentin Tolisso und Rafinha aus dem Stadion gehumpelt waren. "Wir haben einen Kader, der groß genug ist, um das alles abzufangen", sprach der Präsident, nachdem er Karim Bellarabis Foul an Rafinha zuvor als "geisteskrank" betitelt hatte. (Freiwild? Reif widerspricht Kovac)

"Sind Freiwild!" Kovac stocksauer wegen Verletzten

Die Worte von Sportdirektor Hasan Salihamidzic klangen dagegen schon etwas vorsichtiger, was die Folgen für den Saisonverlauf angeht. "Wir haben noch einige Spieler, aber in dem Tempo darf es nicht mehr weitergehen" - wenngleich auch er hinterherschob: "Wir haben immer noch eine starke Mannschaft." 

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Ein Teil des Problems, das auf die Münchner zukommen könnte, ist jedoch hausgemacht: Das Dilemma liegt nicht nur an den schweren Verletzungen von Tolisso (Halbes Jahr Pause nach Kreuzband- und Außenmeniskusriss im rechten Knie), Rafinha (Drei bis vier Wochen Pause nach Teilriss des Innenbandes im linken Sprunggelenk) und Kingsley Coman (Hinrunden-Aus nach Syndesmoseriss im linken Sprunggelenk).

Es liegt auch daran, dass der Rekordmeister für diese Situation personell nicht gerüstet ist – und nicht vorbereitet.

Bayern dünnt Kader aus

Nach den Verkäufen von Sebastian Rudy (zu Schalke), Juan Bernat (zu Paris) und Arturo Vidal (zu Barcelona) haben die Münchner gemeinsam mit dem VfB Stuttgart mit 23 Spielern den kleinsten Kader aller Bundesligisten, wobei die Schwaben keiner Dreifachbelastung ausgesetzt sind. Zudem ist kein anderer Kader der Liga so alt wie der des FC Bayern (im Schnitt über 27 Jahre).

Youngster Lars Lukas Mai ausgenommen, haben die Bayern derzeit nur noch 16 gesunde Feldspieler zur Verfügung.

Kovac kann weniger rotieren 

Dabei hätten die Klub-Verantwortlichen nur einen Blick in die Statistiken der vergangenen Jahre werfen müssen, um sich der Gefahr bewusst zu sein.

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Seit der Triple-Saison 2012/13 waren in den entscheidenden Partien im Frühjahr immer mindestens zwei Stammspieler verletzt. Der Kader war jedoch immer auf Kante genäht, so dass man nicht adäquat nachlegen konnte. 

Zuletzt fehlten beim Halbfinal-Aus in der Champions League gegen Real Madrid mit Manuel Neuer, David Alaba, Arturo Vidal, Kingsley Coman und Arjen Robben sogar fünf Leistungsträger.

Effenberg über Bellarabis Foul: "Das war link"

Dieses Mal erwischt es die Münchner bereits im Spätsommer, womit das Verletzungspech keine unmittelbaren Folgen auf die Saisonziele haben dürfte. Auch ohne die drei Verletzten sollten die Bayern in der Lage sein, in Liga, Pokal und Königsklasse unbeschadet in die Winterpause zu kommen.

Allerdings wird die Belastung in den kommenden Wochen für die verbliebenen Spieler deutlich größer - auch wegen der geringer werdenden Rotationsmöglichkeiten. 

Salihamidzic: "Werden uns etwas einfallen lassen" 

Das Problem liegt weniger auf der zentralen Mittelfeldposition von Tolisso, denn dort sind die Bayern außergewöhnlich gut besetzt. Schmerzlicher dürfte da schon der Ausfall von Rafinha sein, der beide Seiten als Backup für Joshua Kimmich und David Alaba abdeckte. 

Damit die beiden Stamm-Außenverteidiger in den kommenden Wochen nicht durchspielen müssen, könnten als Notlösung Innenverteidiger Niklas Süle oder Talent Lars Lukas Mai auf der rechten Seite aushelfen. Links wäre der 18-jährige Jonathan Meier eine Alternative. Auch eine Dreierkette ist denkbar. 

"Wir werden uns etwas einfallen lassen, wir haben einige Spieler dafür", kündigte Salihamidzic bereits in der Bild an. Auf der USA-Reise etwa testete Kovac Neuzugang Gnabry als Außenverteidiger.

Bis sich das Lazarett wieder lichtet, müssen die Verantwortlichen und Fans deshalb in erster Linie darauf hoffen, die Zeit ohne weitere Hiobsbotschaften zu überstehen.

Ansonsten könnte es Kovac so ähnlich ergehen wie König Pyrrhos I. Dessen Armee war nach der siegreichen Schlacht so geschwächt, dass sie am Ende den Krieg verlor.

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