Wechsel-Dilemma? So sieht Nagelsmann die Situation
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München - Julian Nagelsmann verlässt 2019 die TSG Hoffenheim. Wie schwierig wird die Zeit bis dahin? Bei SPORT1 sprechen ein Ex-Coach und ein früherer TSG-Geschäftsführer.

Beim Blick auf die aktuelle Tabelle vergeht Trainer Julian Nagelsmann die gute Laune.

Am Ende der vergangenen Saison stand für die TSG Hoffenheim die Qualifikation für die Champions League. Nagelsmann setzte den Kraichgau-Klub auf die europäische Fußball-Landkarte.

Nach sieben Spielen der aktuellen Spielzeit belegt der Verein nur Platz 13. Die letzten drei Pflichtspiele wurden zu Hause allesamt verloren.

Klar, den Klub plagen derzeit große Verletzungssorgen, aber die sportliche Situation ist brisant. Und das im letzten Jahr unter Trainer Nagelsmann. Der 31-Jährige wird im Sommer neuer Trainer bei RB Leipzig. Dies wurde bereits im Juni offiziell bekanntgegeben.

Doch wie schwer ist die Situation jetzt für ihn und sein Team? Wie groß ist die Gefahr, dass der Shootingstar der Branche kurz vor seinem feststehenden Abgang an Autorität einbüßt und zur sprichwörtlichen "Lame Duck" mutiert? 

Flick lobt Nagelsmann

"Der Julian kann schon ganz gut beides machen", sagt Hansi Flick bei SPORT1 über Nagelsmanns Spagat zwischen Hoffenheim und Leipzig. "Er ist wahnsinnig erfolgsbesessen und möchte immer gewinnen. Die vergangenen Spiele waren auch nicht wirklich schlecht, es gab Möglichkeiten diese erfolgreich zu gestalten. Es gibt auch viel Verletzungspech; gerade in der Abwehr."

Der 53-Jährige war früher Sportchef beim Deutschen Fußball-Bund und von Juli 2017 bis Februar 2018 Geschäftsführer in Hoffenheim, wo er zwischen 2000 und 2005 auch schon als Trainer tätig war.

Volker Finke kennt so eine Situation aus seiner Zeit als Trainer des SC Freiburg (1991 bis 2007). Damals einigten sich der Verein und er nach einer enttäuschenden Hinserie in der Saison 2006/2007 auch auf die Trennung zum Saisonende.

In der Rückrunde steigerte sich das Team dann aber derart, dass am Ende der Aufstieg in die Bundesliga um ein Haar verpasst wurde. Die Trennung wurde dennoch vollzogen.  

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Probleme in der Zukunftsplanung

Natürlich schaut Finke auch deshalb interessiert nach Hoffenheim. "Wenn es da Probleme geben kann, dann sehe ich das von außen nur in der Zukunftsplanung", sagt der 70-Jährige im Gespräch mit SPORT1. "Generell glaube ich nicht, dass es zum Nachteil für den Klub wird, die Trennung so früh bekanntgegeben zu haben. Alle haben gemeinsam beschlossen, dass sich die Wege trennen", so Finke.

Allerdings fordert er: "Die Hoffenheimer müssen am besten schon in der Winterpause einen neuen Trainer präsentieren. Also nicht, dass er sofort arbeitet, sondern in die Planungen für die kommende Saison ordentlich eingebunden wird."

Flick: "Julian ist stark genug"

Auch Flick will die aktuelle Krise in Hoffenheim nicht überbewerten.

"Jetzt muss man schauen, wie man aus der Situation rauskommt. Julian ist stark genug, ich halte ihn für einen sehr guten Trainer. Er wird das hinkriegen. Er weiß, worauf er sich eingelassen hat und hat das auch früh öffentlich gemacht."

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Nagelsmann stehe "über allen". Die Verantwortlichen würden ihm da auch keinen Druck machen.

Einige Kritiker sehen bei Nagelsmann dennoch schon ein Problem wegen der Vertragssituation. Flick setzt dagegen: "Er hat die Mannschaft im Griff, das ist das Entscheidende. Es gibt gerade auch in dieser Situation für diese Truppe keinen besseren Coach."   

Finke: Umgang mit der Mannschaft okay

Nagelsmanns Umgang mit der Mannschaft sei "okay", findet wiederum Finke und stellt klar: "Dass weniger Erfolg da ist, sehe ich in keinem Zusammenhang mit der Trennung im Sommer."

Dies sei ein Punkt, "bei dem sich alle vorher Gedanken gemacht haben". Es gebe weniger Stress für Nagelsmann, schließlich sei er auch "entlastet bei der Planung für die neue Hoffenheim-Saison mit den Bereichen wie Scouting oder Kennenlern-Gespräche mit neuen Spielern".

Da müsse sich Nagelsmann "nicht mehr auf die Rampe stellen, das machen die Bosse oder sein Nachfolger".

Finke weiter: "Das, was er an zusätzlicher Arbeit für Leipzig hat, weil Rangnick das mit ihm abstimmen wird, kann man so sehen, dass das durch die Nicht-Einbindung in die Arbeit für Hoffenheim kompensiert wird."  

Er hatte damals ein ähnliches Standing wie Nagelsmann in Hoffenheim. "Ich habe in Freiburg jedes Jahr meinen Vertrag per Handschlag verlängert. Da kann es schon mal sein, dass man sich früher trennt, wenn es sportlich nicht so läuft. Man will dann eine vernünftige Lösung finden."

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