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Schalke-Manager Christian Heidel hält nicht viel von einer Super League
Schalke-Manager Christian Heidel hält nicht viel von einer Super League © Getty Images
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München - Ein Bericht über eine neue europäische Superliga mit dem FC Bayern und dem BVB schlägt hohe Wellen. Was denken die anderen Klubs der Bundesliga darüber?

Steigen der FC Bayern und Borussia Dortmund aus der Bundesliga aus, um in einer Europäischen Super League (ESL) anzutreten? Ein Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, basierend auf den sogenannten Football Leaks, über entsprechende Pläne hat am Freitag für Aufsehen in Fußball-Deutschland gesorgt.

Am Samstag reagierten neben Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge und BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auch diverse andere Verantwortliche einiger Klubs auf die vermeintlichen Bestrebungen hinsichtlich einer europäischen Superliga.

SPORT1 hat Reaktionen aus der Bundesliga gesammelt.

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Christian Heidel (Sportvorstand Schalke 04) zu SPORT1: "Ich halte nicht viel davon und ich halte auch nicht viel von dem Spektakel, das deshalb gerade hier veranstaltet wird. Ich weiß das schon ein bisschen länger, weil ich vor vier Wochen damit konfrontiert wurde von einem Fernsehsender. Ich habe damals das gleiche gesagt wie heute: Ich finde es absolut legitim, dass der FC Bayern so etwas prüft und die Entscheidung getroffen hat, dass das für ihn kein Thema ist. Er steht zur Bundesliga und zur Champions League – dann sollte man einen Haken dran machen. Ich glaube nicht, dass der FC Bayern ohne Bundesliga glücklich wird. Der FC Bayern gehört zur Bundesliga dazu. Was ich nicht nachvollziehen kann sind Schlagworte wie Verrat. Ich fühle mich nicht verraten."

...zu den Konsequenzen einer Super League: "Ich glaube, dass die Leute dann irgendwann einschlafen. Die Bundesliga ist das A und O. Die Leute wollen Derbys sehen, die wollen auf die Autobahn, die wollen ihre Schals raushängen lassen, wollen mit Leuten reden. Die Bundesliga ist etwas ganz anderes. Die Belohnung für gute Leistungen soll der internationale Fußball sein. Ich glaube nicht, dass der deutsche Fußballfan auf Dauer annehmen wird, dass man heute in London, morgen gegen Paris und übermorgen gegen Barcelona spielt. Da hängt auf der Fahrt kein Schal mehr raus. Ich bin der Meinung, das dass das der falsche Weg ist. Fußball in Deutschland läuft anders als in Spanien. Dort sind vielleicht zwei VW-Busse mit Gäste-Fans da. Deutschland ist anders, aber das ist ja das schöne hier. Diese Brisanz, diese Emotionen. Das wird man auf Super-League-Ebene nicht erleben."

Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender Bayern München) bei Sky: "Ich bin über die Berichterstattung irritiert. Es ist seit Langem bekannt, dass mehrere europäische Klubs eine Anfrage zur Super League hatten. Fakt ist, dass kein europäischer Klub sich dem Thema Super League jemals genähert hat. Es ist normal, dass man sich damit juristisch auseinandersetzt. Ich sehe daran überhaupt keinen Skandal. Wenn so eine Anfrage kommt, ist es meine Aufgabe, diese zu prüfen und am Ende intern darüber zu diskutieren. Nicht mehr und nicht weniger ist passiert. Wir stehen total zu unserer Mitgliedschaft in der Bundesliga und analog auch zu den UEFA-Wettbewerben. Das haben wir nie infrage gestellt."

Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer Borussia Dortmund) bei Sky: "Ich habe deutlich gesagt, dass Borussia Dortmund für keinen Wettbewerb dieses Planeten die Bundesliga verlassen würde. Die Bundesliga ist mittlerweile deutsches Kulturgut. Wir fühlen uns in der Bundesliga pudelwohl und freuen uns, wenn die restlichen Bundesligavereine das auch so sehen. In die Planungen sind Klubs wie Real Madrid und Barcelona viel mehr involviert".

Manuel Baum (Trainer FC Augsburg) zu SPORT1: "In Augsburg beschäftigt man sich nicht mit der Super League, da beschäftigt man sich mit der Bundesliga. Soweit ich das mitbekommen habe, beschäftigt sich der FC Bayern auch nicht damit. Bayern und wen es auch immer noch betrifft gehören in die Bundesliga. Das ist der wichtigste Wettbewerb. Jeder Verein, der in der Bundesliga ist, muss jeden Spieltag hart kämpfen, um überhaupt Punkte zu holen. Das sieht man an diesem Spieltag ja auch wieder. Das ist sehr hypothetisch. Aber wenn es einen Wettbewerb darüber gebe, wäre es vom Gefühl her schon so, dass die Bundesliga eine Zweite Liga wäre. Deshalb wäre es gut, wenn wir es hinbekommen, dass die Bundesliga das Top-Produkt bleibt."

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Andreas Bornemann (Sportvorstand 1. FC Nürnberg) zu SPORT1: "Das sind Spekulationen und es gab ja auch schon Dementis aus München. Trotzdem weiß man nie, was irgendwo im stillen Kämmerlein vielleicht ausgeheckt wird. Das weichtigste Produkt ist die Bundesliga, das sollte man nicht vergessen. Wenn da jemand nicht mehr mitspielen will, ist das seine Entscheidung. Grundsätzlich würde ich es schade finden, da die Bundesliga etabliert ist und als tolles Format seit vielen Jahren funktioniert. Deshalb braucht es so eine internationale Liga nicht. Ich brauche sie auf jeden Fall nicht."

Peter Fischer (Präsident Eintracht Frankfurt): "Das Thema gibt es seit sechs Jahren, so ein System wird aber nie funktionieren und bleibt eine Luftnummer. Ich bin mir vollkommen sicher, dass es eine Super League nie geben wird. Die Bundesliga ist ein fairer Wettbewerb, um sich international zu qualifizieren. Wir sollten Wurzeln, Tradition und Stimmung nicht verlieren. Wir wissen, wo wir herkommen. Das wird bei der Eintracht nie ein Thema sein."

Wolfgang Holzhäuser (Ex-Geschäftsführer Bayer Leverkusen) zum Deutschlandfunk: "Um was zu bewegen, muss man leider mit gewissen Dingen drohen. Ich glaube aber nicht, dass Bayern auf die Idee kommen könnte, das Brot-und-Butter-Geschäft Bundesliga zu verlassen."

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