Felix Götze exklusiv: Darum ist sein Nachname Fluch und Segen
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Augsburg - Augsburg-Verteidiger Felix Götze erzielt gegen Ex-Klub FC Bayern sein erstes Tor. Im SPORT1-Interview spricht er über den Moment und seinen Nachnamen.

Felix Götze, Bruder von 2014er Weltmeister Mario Götze, ist im Sommer vom FC Bayern zum FC Augsburg gewechselt.

Für Aufsehen sorgte der 20-Jährige mit seinem Treffer gegen den Ex-Klub, der auch die Krise der Münchner einläutete.

Im SPORT1-Interview spricht der Verteidiger über die Gründe nach Augsburg zu gehen, sein Tor in München und seinen berühmten Namen.

SPORT1: Herr Götze, Sie sind im Sommer vom FC Bayern nach Augsburg gewechselt. Wie beurteilen Sie Ihre Entwicklung seither?

Felix Götze: Gut. Ich kam aus der vierten Liga, hatte bisher nur da gespielt. Ich war dankbar dafür, dass ich die Chance bekommen habe, in der Bundesliga zu spielen Dass das so schnell geklappt hat, hat mich selbst überrascht. Es hat für mich gesprochen und für die Leistung, die ich im Training gebracht habe. Ich werde einfach weiter Gas geben und will immer mehr Minuten sammeln.

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SPORT1: Was war der ausschlaggebende Grund, gerade nach Augsburg zu gehen?

Götze: Ich war mir sicher, dass ich hier eine Chance bekommen würde. Es hat für mich als nächster Schritt am meisten Sinn gemacht. Viele würden es vielleicht als Rückschritt sehen, aber bei Bayern ist der Konkurrenzkampf noch einmal ganz anders als hier.

Felix Götze: "Ich habe Augsburg als Chance gesehen"

SPORT1: Bei den Münchnern haben Sie nur in Testspielen mitgewirkt. Zu wenig Perspektive für Sie?

Götze: Für mich gab es bei den Profis nicht wirklich eine Chance, um reinzurücken. Ich habe zwar die meiste Zeit dort mittrainiert, aber sich gegen diese Konkurrenz durchzusetzen, ist eine schwere Aufgabe. Ich habe Augsburg als große Chance gesehen.

SPORT1: Wo liegen die größten Unterschiede zwischen Bayern und Augsburg?

Götze: Bei Bayern wird mehr auf Ballzirkulation gesetzt, hier ist es eher das Pressing und das Konterspiel, das im Fokus steht. Es sind unterschiedliche Philosophien.

SPORT1: Sie waren von der U17 bis zum Profikader bei den Bayern. Wie wichtig war diese Station für Sie?

Götze: Ich fand alle meine Stationen wichtig – auch Dortmund und meinen Jugendverein. Sowohl beim BVB als auch bei Bayern wurde sehr viel Wert auf Technik gelegt, dort konnte ich viel mitnehmen. Es ist wichtig für die Entwicklung, wenn man gegen die Besten Deutschlands oder in der Youth League auch gegen die Besten Europas spielt. Es war nicht immer einfach, aber das bringt einen weiter. Ich habe dort viel gelernt.

"Als Bayern-Trainer ist man unter Druck"

SPORT1: Ihr ehemaliger Teamkollege Niklas Dorsch hat gesagt, dass er sich als junger Spieler beim FC Bayern nicht beachtet gefühlt und keine faire Chance bekommen habe. Teilen Sie die Meinung?

Götze: Nicht zu 100 Prozent. Der Trainer hat 20 Spieler, die alle über 30, 40 Millionen Euro Wert sind. Die draußen zu lassen, ist auch nicht einfach. Wenn man einen jungen Spieler reinschmeißt, macht der auch mal Fehler. Als Bayern-Trainer ist man aber unter dem Druck, jedes Spiel gewinnen zu müssen. Auf der anderen Seite muss ich Niklas zum Teil Recht geben. Vielleicht kann man jungen Spielern etwas öfter eine Chance geben, wie man es früher unter Louis van Gaal gemacht hat. Vielleicht entwickelt sich dann auch mal jemand.

SPORT1: Bei Ihrer Rückkehr nach München haben Sie gleich Ihr erstes Bundesligator erzielt. Inwiefern war das besonders?

Götze: Ich weiß gar nicht, ob Bayern da so eine große Rolle gespielt hat. Natürlich war es eine besondere Konstellation, aber es war einfach schön, mein erstes Tor zu erzielen. Dass es so schnell klappt, ist umso schöner – gerade, weil es auf meiner Position nicht das Wichtigste ist, ein Tor zu erzielen. Es war ein überragender Moment.

SPORT1: Wie waren die Reaktionen auf den Treffer?

Götze: Man bekommt von allen Seiten Nachrichten und wird mit Lob überhäuft. Nicht jeder schießt gegen Bayern ein Tor. Aber es war auch nicht mehr allzu schwer, den reinzumachen. Ich hatte Glück, dass ich richtig stand.

"Der Name hat seine Vor- und Nachteile"

SPORT1: Danach standen Sie Fokus, Ihr Nachname wirkte da verstärkend. Ist der für Sie als junger Spieler eher Fluch oder Segen gewesen?

Götze: Der Name hat seine Vor- und Nachteile. Ich würde aber sagen, dass es mehr Nachteile hat, weil es nicht einfach ist, immer mit Mario verglichen zu werden. Es war nicht einfach, aber man gewöhnt sich mit der Zeit daran. Ich muss damit leben.

SPORT1: Welche negativen Erlebnisse gab es konkret durch die Prominenz ihres Bruders?

Götze: Wir wurden oft verglichen, obwohl wir unterschiedliche Positionen spielen. Wir sind uns vom Spielertyp auch nicht ähnlich. Ich bin größer und besser im Kopfball, bewege mich dafür vielleicht nicht so super wie er.

SPORT1: Mario hat in Dortmund viel zu tun, Sie in Augsburg. Wie ist der Austausch momentan?

Götze: Persönlicher Austausch ist schwierig momentan. Wir haben uns in letzter Zeit sehr selten gesehen, vielleicht zwei-, dreimal in diesem Jahr. Deshalb haben wir aber gesagt, dass wir dieses Jahr gemeinsam in den Urlaub fliegen. Ansonsten kommunizieren wir über das Handy. Wir haben Glück, dass es zur heutigen Zeit Smartphones gibt, auch wenn sie sicher Nachteile haben.

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SPORT1: Wie kann man sich diesen Austausch vorstellen?

Götze: Wir schauen immer, wenn es möglich ist, die Spiele des anderen. Wenn einem dabei etwas auffällt, dann sagt man es dem anderen. Wir versuchen aber, nicht immer über Fußball zu reden. Das ist nicht einfach, aber wir besprechen jegliche Themen.

Felix Götze spricht über Bruder Mario

SPORT1: Mario hat eine Entwicklung vom Wunderkind, der das goldene Tor bei der WM gemacht hat, zum Sündenbock durchgemacht. Auf ihn ist medial einiges eingeprasselt. Wie nimmt man das als Bruder wahr, macht das auch Angst?

Götze: Angst hat es mir nicht gemacht. Ich unterstütze ihn. Denn meiner Meinung nach war die Kritik an ihm nicht immer fair. Es war nicht einfach für ihn, und auch mich hat das manchmal mitgenommen. Aber insgesamt hat es mich eher gepusht, Bundesligaprofi zu werden. Nach meinem Tor gegen die Bayern zu sagen, dass ich ihm das widme, war mir sehr wichtig.

SPORT1: Gibt es im Hinterkopf den Traum, dass Sie nochmal zusammen in einem Team spielen?

Götze: Den gibt es auf jeden Fall. Wir haben uns schon früher überlegt, dass wir gerne mal zusammenspielen würden. Für mich wäre es das Schönste, das es gibt. In München standen wir immerhin schon zusammen auf dem Platz. Das war eine schöne Erfahrung und vielleicht kommt das andere auch noch.

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