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München - Robert Lewandowski liefert im Münchner Sturmzentrum wie gewohnt. Doch fällt der Pole aus, steht der FC Bayern vor einem Problem, dessen Lösung womöglich noch ein halbes Jahr braucht.

Der vergangene Sonntag war nicht der Tag des Sandro Wagner.

Der Münchner Angreifer hatte im Finale des Telekom Cups gegen Borussia Mönchengladbach eine seiner inzwischen seltenen Bewährungschancen beim FC Bayern erhalten.

Und dann kam ein Regionalliga-Torhüter namens Moritz Nicolas daher und entschärfte in glänzender Manier zunächst Wagners Kopfball (13. Minute) und zu allem Überfluss auch noch dessen Elfmeter im finalen Shootout.

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Dass das bei allem vorbildlichen Bemühen Wagners auffälligste Szenen in Düsseldorf waren, ist bezeichnend.

Kovac mahnt mehr Durchschlagskraft an

"Wir müssen durchschlagskräftiger werden", monierte Trainer Niko Kovac nach den zwei torlosen Testhalbzeiten gegen Düsseldorf und eben Mönchengladbach, die von Siegen nach Elfmeterschießen geschönt wurden.

Robert Lewandowski wird der Coach mit seiner Kritik wohl nicht gemeint haben. Der Pole liefert in dieser Saison wie gewohnt, liegt mit acht Treffern aktuell vor Lionel Messi an der Spitze der Torjägerliste der Champions League und hat auch in der Bundesliga zehn Treffer auf dem Konto (Bundesliga: TSG Hoffenheim - FC Bayern München, Fr., ab 20.30 Uhr im LIVETICKER).

Doch die bange Frage, die als unschönes Deja-vu fast in jedem Winter nach München zurückkehrt, stellt sich nun wieder: Was passiert, wenn Lewandowski in den entscheidenden Partien der Bundesliga oder - noch schlimmer - Champions League einmal passen muss, oder nicht bei 100 Prozent ist?

Wie im Champions-League-Halbfinale 2014/15, als er nur eine Woche nach einem Nasenbein- und Kieferbruch mit Gehirnerschütterung in Barcelona rein physisch schon auf dem Platz war, beim vorentscheidenden 0:3 aber keinerlei Akzente setzen konnte.

Oder beim Münchner Viertelfinal-K.o. der Königsklasse 2017. Damals fiel Lewandowski im Hinspiel bei Real Madrid mit einer Schulterverletzung aus und war auch im Rückspiel trotz eines Elfmetertreffers nicht er selbst, konnte es auch gar nicht sein.

Wagner unter Heynckes noch gefragt

Für solche Fälle war vor Jahresfrist Wagner - damals noch als Nationalspieler - nach München gewechselt. In der Rückrunde unter Jupp Heynckes hatte er 14 von 17 Ligapartien mitmachen dürfen und dabei acht Treffer und zwei Vorlagen zum souveränen Titelgewinn beigesteuert.

Seit Kovac übernommen hat, wird Wagner immer mehr zur Randfigur. Gerade ein Pflichtspiel hat er über 90 Minuten bestritten. Beim schmalen 2:1 in der zweiten DFB-Pokalrunde beim SV Rödinghausen erzielte er auch seinen einzigen Saisontreffer.

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In der Liga stehen gerade 139 Minuten verteilt auf sieben Einsätze zu Buche, in der Champions League deren 19 - ohne jeden Effekt auf der Anzeigetafel. Und die jüngsten Eindrücke von Düsseldorf versprechen wenig Hoffnung auf Besserung für Wagner, auch wenn er im Training nach wie vor alles gibt und im Mannschaftskreis durchaus geschätzt und beliebt ist.

Müssen die Münchner also für die Angriffsmitte noch nachrüsten, um ihre hohen Ziele zu erreichen? Kaderintern bieten sich nur wenige Alternativen.

Müller und Gnabry bevorzugen andere Positionen

Natürlich kann Thomas Müller in der Spitze aushelfen. Aber er hat sich gerade in der Position dahinter gut eingefunden, die er ungern an James Rodriguez abtreten würde. Und Serge Gnabry, der auch im Sturmzentrum agieren kann, wird nicht zuletzt aufgrund der Unpässlichkeiten von Franck Ribery und Arjen Robben dringend auf dem Flügel gebraucht.

Das Gerücht des englischen Express, dass sich die Münchner angeblich um den spanischen Nationalstürmer Alvaro Morata bemühen, fiel daher in der Medienlandschaft auf fruchtbaren Boden.

Morata, erst 2017 für 66 Millionen Euro von Real Madrid zum FC Chelsea gewechselt, erlebt unter Trainer Maurizio Sarri nicht seine glücklichste Zeit. Der Italiener soll gewillt sein, für die Sturmmitte seinen früheren Napoli-Schützling Gonzalo Higuain an die Stamford Bridge zu lotsen.

Werner und Jovic ernsthafte Kandidaten für den Sommer

Dem Express zufolge möchten die Münchner Morata erst einmal für ein halbes Jahr ausleihen. Doch warum sollte sich der 26-Jährige in München freiwillig in die Rolle des Backups von Lewandowski fügen, zumal er wohl auch bei Atletico Madrid unterkommen könnte?

Denn, um den Polen zu zitieren: "Angreifer dieser Kategorie wollen selbst in den entscheidenden Partien der Saison auf dem Platz stehen." Wahrscheinlicher ist daher, dass die Bayern das Risiko eingehen und in der Rückrunde darauf vertrauen, dass Lewandowski seine starke Form und gute Physis beibehält.

Im Sommer werden die Karten dann neu gemischt. "Es ist gut möglich, dass ich noch sehr lange hierbleibe", hatte Lewandowski jüngst in der Sport Bild gesagt.

Für Wagner gilt das eher nicht. Nach SPORT1-Informationen schließt er einen Wechsel im Sommer nicht aus.

Zumal in Timo Werner und Luka Jovic zwei junge, aufstrebende Angreifer offen ihr Interesse angemeldet haben, für die Bayern aufzulaufen. Und die Münchner dem nicht abgeneigt gegenüberstehen sollen.

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