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München - Bleibt James Rodriguez dem FC Bayern langfristig erhalten oder nicht? SPORT1 erklärt, was für einen Verbleib des Kolumbianers spricht - und was nicht.

Bleibt James Rodriguez dem FC Bayern langfristig erhalten, oder nicht? 

Die Frage um die Zukunft des Kolumbianers ist eine der spannendsten, mit der sich vor allem Sportdirektor Hasan Salihamidzic in den kommenden Monaten auseinandersetzen muss.

Spätestens am 15. Juni 2019 müssen sich die Bayern entscheiden, ob sie den 27 Jahre alten Mittelfeldspieler für rund 42 Millionen Euro fest von Real Madrid verpflichten. Würde man die Kaufoption ziehen, liefe der Vertrag des Linksfußes in München bis zum 30. Juni 2022. 

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SPORT1 wiegt die Vor- und Nachteile einer Verpflichtung ab. 

Müller lobt den Kolumbianer

Die sportlichen Qualitäten von James sind unbestritten. Im Kader der Bayern zählt er, neben Thiago, zu den technisch versiertesten Spielern.

"Er spielt Pässe, die sonst keiner spielt", lobte ihn auch Thomas Müller. Super Auge, scharfe Bälle, starker Torabschluss – im Winter-Trainingslager in Doha ließ James diese Stärken wieder oft aufblitzen, nachdem er seit dem 24. November wegen eines Außenbandteilrisses im linken Knie verletzungsbedingt ausfiel und acht Pflichtspiele verpasste. Im Telekom Cup in Düsseldorf feierte er nun sein Comeback.

FC Bayern Muenchen Doha Training Camp - Day 6
FC Bayern Muenchen Doha Training Camp - Day 6 © Getty Images

Dabei blieb er - abgesehen von einer Kopfballchance - zwar unauffällig, versenkte beim Elfmeterschießen im Finale den ersten Strafstoß aber sicher. Dennoch: James hat Fähigkeiten, auf die der Rekordmeister im Grunde nicht verzichten kann. Eben jene, die er vor allem unter der Regie von Jupp Heynckes oft zeigte, unter Nachfolger Niko Kovac hingegen weniger. In der Hinrunde war er oft nur Teilzeit-Arbeiter (elf Pflichtspiele, drei Tore, zwei Assists). Im Topspiel gegen Borussia Dortmund (2:3) schmorte er 90 Minuten auf der Bank.

Neues System liegt James

Was James nun zugutekommen könnte ist die Tatsache, dass Kovac am 4-2-3-1-System festhalten will und auf einen Spielmacher setzt – seine Parade-Position. Dort jedoch hat Müller derzeit die Nase vorn.

Für einen Verbleib von James könnte ebenso sprechen, dass er für die Münchner auch aus Marketing-Gründen äußerst interessant ist. Grund: Sein Name ist auf der ganzen Welt bekannt. In Südamerika ist er ein Superstar. Über 90 Millionen Follower in den sozialen Medien sprechen für sich.

Passend dazu ließen ihn die Bayern im vergangenen Sommer eigens für Werbetermine aus seinem Urlaub nach Miami ins Trainingslager einfliegen. Präsident Uli Hoeneß sagte damals: "Es ist einfach eine PR-Geschichte, weil er in Florida sehr bekannt ist." Jörg Wacker, Vorstand für Internationalisierung und Strategie beim FC Bayern, betonte: "Unabhängig von James ist es wichtig, dass sich unsere Superstars in diesen Märkten zeigen."

Nach SPORT1-Informationen planen die Münchner daher bereits im kommenden Sommer-Trainingslager erstmals einen Abstecher nach Südamerika.

Übrigens: Auch in Doha war James unter den Zuschauern der gefragteste Bayern-Spieler.

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James fühlt sich in München wohl

James indes gab sich in den vergangenen Tagen schweigsam. Bei einem Fanclub-Besuch Ende des Vorjahres sagte er aber: "Wenn ich gehen muss, weil ich nicht spiele, gehe ich. Aber ich würde gerne bleiben, weil ich die Liebe der Fans und der Bayern-Familie spüre."

Nach SPORT1-Informationen fühlt sich James im Verein tatsächlich wohl, die Stadt München mag er auch. Einen Verbleib beim Rekordmeister schließt er nicht kategorisch aus, dieser ist seitens James aber vor allem von seiner sportlichen Entwicklung in der Rückrunde abhängig.

Eine Option für die Bayern wäre übrigens auch, die Kaufoption zu ziehen, um James dann noch teurer zu verkaufen. An Interessenten würde es nicht mangeln.

Zwar lachte James in Doha viel, machte Späße und Tänze mit Rafinha, Thiago und Javi Martinez. Zwischen dem Kolumbianer und den Verantwortlichen um Kovac und Salihamidzic scheinen die Funken aber nicht so recht zu fliegen. Auffällig war aber, dass der Torschützenkönig der WM 2014 im Training in Doha oft vom Kroaten gelobt wurde. "Si James, muy bien", rief Kovac dann über den Trainingsplatz.

Er erwarte auch von ihm "Top-Leistung", sagte Kovac in Katar. Zutrauen würde er es James, weil er diese bereits in München und bei seinen Vorgängervereinen gezeigt habe. Der Trainer machte auch deutlich, dass es "an jedem selbst" läge, ob er spiele oder nicht.

Explizite Hoffnungen auf einen Stammplatz machte Kovac ihm nicht. Spätestens im Achtelfinale der Champions League wird James aber gewiss gebraucht werden, denn Müller fehlt gegen den FC Liverpool wegen einer Rotsperre

Bayern lässt sich Zeit mit Entscheidung

Auch Salihamidzic äußerte sich zur Causa James. Man habe noch Zeit, um eine Entscheidung zu finden und wolle noch Spiele abwarten, erklärte der Sportdirektor. So richtig überzeugend klang das auch nicht.

Hinzu kommt, dass der Edeltechniker in der Hinrunde vor allem wegen seiner angeblichen Abwanderungsgedanken in den Medien stattfand. Aus Spanien war immer wieder zu hören, dass er wieder nach Madrid zurückkehren wolle. Fraglich ist aber, ob die Madrilenen James überhaupt noch gebrauchen können - und wollen.

Was zudem für einen Abgang von James sprechen könnte, ist das Bayern-Interesse am 19-jährigen Kai Havertz, der ebenfalls am liebsten im offensiven Mittelfeld agiert. Das Supertalent von Bayer Leverkusen hat jedoch einen Vertrag bis 2022 ohne Ausstiegsklausel und dürfte über 60 Millionen Euro kosten. James wäre günstiger.

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