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BSC Hastedt v Borussia Moenchengladbach - DFB Cup
Dieter Hecking ist mit der Borussia aus den Champions-League-Plätzen gerutscht © Getty Images
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Der Gladbacher Absturz geht rasant weiter. Nach der Derbypleite in Düsseldorf gerät Trainer Dieter Hecking unter Druck. Sogar ein potenzieller Nachfolger wird benannt.

Als Borussia Mönchengladbach Anfang Februar den FC Schalke 04 mit 2:0 besiegte, stand die Frage im Raum, ob die Fohlen noch einmal in den Titelkampf eingreifen würden. Als erster Verfolger von Spitzenreiter BVB lag Gladbach sieben Zähler hinter der anderen Borussia, einen vor den Bayern und hatte zehn Punkte Vorsprung vor einem Nicht-Champions-League-Platz. 

Die taktische Umstellung hin zum 4-3-3, das Cheftrainer Dieter Hecking den Fohlen im Sommer eingeimpft hatte, erwies sich als Schlüssel zum Erfolg. Mit teils begeisterndem Fußball ließ die Borussia ihre Fans vom Comeback in der Königsklasse träumen, ein Rädchen griff ins andere. Kurzum: Der Himmel am Niederrhein hing voller Geigen.

Dann setzte es zwei krachende 0:3-Heimniederlagen gegen Hertha BSC und den VfL Wolfsburg, die von den Verantwortlichen größtenteils mit fehlendem Spielglück erklärt wurden. Das 1:5 gegen die Bayern? Kann passieren, ebenso wie das magere 1:1 im Borussia-Park gegen den SC Freiburg - so der Tenor. 

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Die Ruhe in Gladbach ist vorbei

Hecking mahnte zur Ruhe, stellte weder Personal noch System in Frage. Als die Borussia dann aber am Samstag beim ersatzgeschwächten Lokalrivalen Fortuna Düsseldorf in der ersten Hälfte in Grund und Boden gespielt wurde und schon nach 16 Minuten 0:3 hinten lag, war klar: So kann es nicht weitergehen - nicht nur weil der VfL damit zum ersten Mal seit September aus den Champions-League-Plätzen raus ist.

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Sportdirektor Max Eberl platzte angesichts der desolaten Leistung seiner Elf der Kragen. "Zum Kotzen. Das war bescheiden, extrem enttäuschend. Es fehlte die Bereitschaft. Nach wenigen Minuten haben wir dieses Spiel in die Tonne kloppen können", schimpfte der Manager.

Die Ruhe, die üblicherweise die Arbeit in Mönchengladbach auszeichnet - sie ist mit einem Schlag vorbei. "Wir müssen uns vielleicht hinterfragen ob wir mit den Jungs richtig umgehen. So ein Spiel wie heute, das kann ich als Trainer nicht einfach hinnehmen", kommentierte Hecking die desolate Leistung, die auch nach dem Seitenwechsel trotz des Tores von Denis Zakaria zum 3:1-Endstand nicht merklich besser wurde. 

Wie aber konnte es zu diesem krassen Leistungsabfall innerhalb weniger Wochen kommen? Und läuft Gladbach nun Gefahr, am Ende ganz aus den europäischen Plätzen zu fallen?

Frage eins ist nicht ganz leicht zu beantworten, dürfte aber vornehmlich mit der Einstellung vieler Spieler zu tun haben. Wer gesehen hat, wie sich das Team nahezu wehrlos den Konterangriffen der Fortuna hingab, muss zum Schluss kommen, dass etwas Grundlegendes nicht mehr stimmt.

Ein weiteres Indiz dafür: In den letzten 13 Spielen haben die Gladbacher zwölf Mal eine geringere Laufleistung abgespult als der Gegner, lediglich den indisponierten Schalkern waren sie diesbezüglich überlegen.  

Hazard als Sinnbild des Absturzes

In Düsseldorf nahm Hecking den in der Hinrunde noch überragenden Thorgan Hazard kurz vor der Halbzeitpause runter, weil er seinem Gegenspieler nur hinterhergetrabt war. "Bislang hat er (Hazard, d. Red) eine sehr gute Saison gespielt. Wir hätten auch, bis auf Yann (Sommer), neun andere auswechseln können", sagte Eberl.

Nicht ganz schuldlos dürfte aber auch der Trainer am Dilemma um seine einstigen Himmelsstürmer sein. Das System, mit dem seine Mannschaft die meisten Gegner in der Vorrunde vor unlösbare Aufgaben gestellt hatte, ist ganz offensichtlich entschlüsselt worden. Der Kombinationsfußball, mit dem die Verteidigungsreihen im Herbst noch ausgespielt wurden, ist zunehmend berechenbar - und versandet damit. 

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Heckings Bierruhe, mit der er die Fohlen in ruhigen Zeiten auf Kurs hielt, könnte ihm nun zum Verhängnis werden. Denn: Weder das System noch das Personal wurden bisher hinterfragt. Ein Leistungsprinzip ist damit nicht erkennbar. 

Bereits in der Vorsaison hatte Gladbach die europäischen Plätze in der Rückrunde verspielt - damals jedoch führten die Verantwortlichen die Verletztenmisere als Ursache an. Dieses Mal ist das Lazarett fast leer und taugt somit nicht als Ausrede für Leistungsabfälle.

Die Wut der Fans, die den Champions-League-Traum schon platzen sehen, richtet sich deshalb vor allem gegen den Übungsleiter. Wer dieser Tage die Vereinsforen durchforstet, findet unter der Rubrik des Cheftrainers eine überwältigende Mehrheit an Stimmen, die Heckings Rücktritt fordern.

Gerüchte um Marco Rose 

Nun ist Eberl nicht für Schnellschüsse bekannt - doch die heftige Reaktion des Sportdirektors lässt erkennen, dass es in ihm gärt. So sehr, dass er demnächst seinen Cheftrainer absägt? Der Journalist Tobias Holtkamp sagte bei Sky, Gladbachs Management beschäftige sich mit Konstellationen, die den derzeitigen Salzburg-Coach Marco Rose beträfen.

Dass Hecking derzeit auf der Kippe steht, ist nach jetzigem Stand unwahrscheinlich. Klar ist aber: Die Heftigkeit des Absturzes lässt die Vereinsverantwortlichen die Antennen ausfahren. Alles kommt jetzt auf den Prüfstand, Trainer inklusive.

"Es gibt einige Dinge, die wir uns genauer anschauen müssen. Es sind viele Sachen schief gelaufen, die wir nun schleunigst verbessern müssen", sagte auch Kapitän Lars Stindl einen Tag nach der Derbypleite. Im Heimspiel am kommenden Sonntag gegen die formstarken Bremer wird eine deutliche Antwort erwartet.

Geht der Absturz weiter, könnte es nicht nur mit Europa eng werden - sondern auch für den Trainer.

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