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Die deutsche Europapokal-Bilanz in dieser Saison ist erschütternd. Trotzdem findet Rudi Völler die Kritik an den Bundesligisten völlig überzogen.

Kein deutsches Team mehr in der Champions League, viel Grundsatz-Kritik von Experten: Hat der deutsche Fußball einen Tiefpunkt erreicht?

Rudi Völler hat dazu einmal mehr eine andere Meinung: Er findet die Debatte wegen der enttäuschenden Europapokal-Bilanz der Bundesligisten überzogen. Wie einst bei seinem legendären ARD-Interview mit Waldemar Hartmann als DFB-Teamchef ist er von den Gurus und Ex-Gurus genervt.

"Als dem FC Bayern, Dortmund und Schalke 04 der FC Liverpool, Tottenham und Manchester zugelost wurden, war mir sofort klar: Wenn alle drei gegen die Engländer ausscheiden, wird der deutsche Fußball wieder zu Grabe getragen", sagte der Sport-Geschäftsführer von Bayer Leverkusen der Sport Bild, "das ist bei uns so."

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Auch Bayer Leverkusen scheiterte früh

Leverkusen war in der Europa League ebenfalls früh gescheitert, schon in der Runde der letzten 16 kam das Aus gegen FK Krasnodar.

"Wir gehören auch zu denjenigen, die sich viel mehr vorgenommen haben", sagte Völler, der sich seit Jahr und Tag gegen den Vorwurf zur Wehr setzt, dass Bayer zu sehr "Wohlfühloase" sei - und darüber erst im vergangenen Jahr ein Streitgespräch mit SPORT1-Experte Marcel Reif im CHECK24 Doppelpass führte.

Völler verweist auf spanische Klubs

Nun geht es ihm nicht nur um seinen Klub, sondern ums Grundsätzliche: "Den deutschen Fußball jetzt wieder komplett am Boden zu sehen, ist dann doch einen Tick übertrieben", findet er.

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"Was sollen die Spanier sagen?", so Völler. Mit dem FC Barcelona sei dieses Jahr im Gegensatz zu früher auch nur ein Klub im Viertelfinale der Champions League dabei. Und die englische Premier League habe "in Anbetracht ihrer wirtschaftlichen Voraussetzungen in den vergangenen Jahren viel zu wenig gewonnen".

Auch wenn die Nationalmannschaft 2018 "weit unter den Ansprüchen" geblieben sei, sieht Völler viel Positives. "Wir dürfen uns nicht kleiner machen als wir sind. Dafür haben wir immer noch viel zu gute Spieler, allein wenn ich an Leroy Sane, Timo Werner, Julian Brandt, Kai Havertz, Marco Reus, Julian Draxler, Joshua Kimmich oder Leon Goretzka denke."

Völler: Nachfolgende Generation nicht so stark 

"Wir dürfen nicht alles in Schutt und Asche legen, was wir haben. Bis 2017 war alles gut. Warum? Weil wir erfolgreich waren", sagte Völler.

Doch der 58-Jährige sieht auch bedenkliche Tendenzen. "Vor zwei, drei Jahren hatten wir noch ein Überangebot an Topspielern. Das ist in der nachfolgenden Generation nicht mehr so. Da müssen wir aufpassen, nicht in ein Loch zu fallen."

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