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München - Stefan Effenberg analysiert in seiner SPORT1-Kolumne das spannende Titelrennen der Bundesliga - und kommentiert außerdem die Schalker Krise um Domenico Tedesco.

Liebe Fußball-Freunde,

Domenico Tedesco ist gerade in einer Situation, wo vieles auf ihn einprasselt. Im letzten Jahr noch Vizemeister, jetzt in einer sportlichen Krise: Es wird wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass Tedesco in wenigen Tagen nicht mehr Trainer beim FC Schalke 04 sein wird.

Allerdings: Er ist ein junger Trainer am Anfang einer hoffentlich noch großen Karriere. Da gehört es auch einmal dazu, dass es sportlich nicht so läuft. Für die Zukunft wird ihm die Erfahrung, solche Situationen zu durchleben, sogar eher guttun.

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Momentan natürlich ist alles schwierig. Aber Tedesco geht voran, er zeigt sich, er stellt sich, er verkriecht sich nicht - das spricht für ihn. Tedesco hätte nach dem Debakel gegen Fortuna Düsseldorf ja auch den Gang in die Kabine antreten können.

Nicht nur der Trainer ist schuld an der Krise, gleiches gilt für das Umfeld mit Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies. Alle Verantwortlichen tragen dazu bei, dass Schalke nicht das spielt, was es kann, selbst wenn der zweite Platz im Vorjahr ein Ausrutscher im positiven Sinn war.

Dass die Stimmung nun kippt bei den Fans, die sich bisher sehr zurückgehalten hatten, ist auf Schalke die größte Gefahr. Denn damit nimmst du den Spielern auch noch das letzte bisschen Rest an Mut und Überzeugung.

Schlimm fand ich, dass Kapitän Benjamin Stambouli nach Abpfiff von den S04-Ultras die Kapitänsbinde weggenommen wurde: Damit verunsicherst du die Spieler doch ungemein und macht on top alles noch viel schwieriger für die nächsten Wochen. Ich frage mich, warum das so passieren muss direkt vor hundert Kameras.

Dennoch: Auch wenn die Bundesliga-Saison für die Schalker schwierig zu Ende gehen dürfte, haben sie mit dem DFB-Pokal noch ein Eisen im Feuer - das sollten sie nicht vergessen.

Spannend wird nun der Bundesliga-Endspurt in Sachen Meisterschaft: Das 5:1 des FC Bayern bei Borussia Mönchengladbach war hochverdient. Für mich war das die beste Saisonleistung der Bayern.

Die Gladbacher, die nun Gefahr laufen, komplett aus den internationalen Plätzen rauszurutschen, hätten auch acht Tore bekommen können - ich habe mir während der Partie echt Sorgen um sie gemacht.

Und Borussia Dortmund spürt nun natürlich den heißen Verfolger-Atem der Bayern, bei denen Thomas Müller nach langer Zeit mal wieder toll für die Mannschaft gearbeitet hat – das war sicherlich eine Befreiung und Genugtuung für ihn.

Der BVB ist angeschlagen, schon das Pokal-Aus gegen Bremen war bezeichnend. Das ist im Kopf hängen geblieben. Ich finde, Dortmund muss auch in der Lage sein, ohne Marco Reus Spiele zu gewinnen. Ich sehe die Bayern deshalb nun im Titelkampf psychologisch im Vorteil.

Was bei Bayern ein Vorstandsengagement von Oliver Kahn angeht: Die Tendenz geht klar dahin, und es wäre eine gute Sache - für ihn und den Verein. Kahn ist eine echte Persönlichkeit. Es ergibt absolut Sinn, das Oliver Kahn bald bei Bayern unterschreibt.

Bis zum nächsten Mal,

Euer
Stefan Effenberg

Stefan Effenberg hat 2001 mit dem FC Bayern die Champions League gewonnen. Mit den Bayern und Borussia Mönchengladbach wurde er zudem mehrmals Deutscher Meister und Pokalsieger. Seit Sommer 2018 bildet der 50-Jährige mit Marcel Reif und Reinhold Beckmann das feste Experten-Team des CHECK24 Doppelpass.

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