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Uli Hoeneß erklärt seine verrücktesten Vertragsverhandlungen beim FC Bayern. Darunter befinden sich Anekdoten mit einem Butler und vollgespritzten Hemden.

Seit 1979 ist Uli Hoeneß beim FC Bayern in der Führungsetage: Zunächst als Manager, mittlerweile als Präsident.

In dieser Zeit hat der 67-Jährige hunderte Transfers abgewickelt - manche erfolgreich, manche weniger. Im Interview mit dem Mitgliedermagazin 51 plauderte Hoeneß nun über seine verrücktesten Verhandlungen.

So bemühten sich die Münchner um Ruud Gullit, der von 1987 bis 1993 beim AC Mailand unter Vertrag stand.

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"Ruud Gullit war ganz verrückt. Erst bin ich mit Franz Beckenbauer nach Mailand geflogen. Als wir morgens um halb zehn bei ihm in die Wohnung kamen, war noch niemand wach - außer der Butler. Er hatte einen Butler! Der bat uns dann in den Salon, wir haben Kaffee getrunken. Schließlich war der Transfer klar und er kam nach München zur Untersuchung bei Dr. Müller-Wohlfahrt", erzählte Hoeneß.

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"Da war immer noch alles klar. Am Abend waren wir gemeinsam essen, er übernachtete bei mir. Da war auch noch alles klar. Am nächsten Morgen hat er gesagt, er müsse nach Mailand und mit seiner Frau sprechen - am Abend hat er dann abgesagt. Warum weiß ich bis heute nicht genau."

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Hoeneß: Crash mit einer Ziege für Madjer

Ähnlich kurios verliefen die Verhandlungen mit dem algerischen Superstar Rabad Madjer, in den achtziger Jahren beim FC Porto aktiv.

"Ich bin extra nach Lissabon geflogen, damit man mich in Porto nicht sieht, und bin mit dem Auto 300 Kilometer über die Dörfer gezuckelt. Ich habe fast ein Huhn überfahren, eine Ziege ist mir ins Auto gelaufen. Wir verhandelten heimlich zuhause bei einem Freund von ihm, es war alles klar", berichtete Hoeneß. "Doch dann gab es ein Riesentamtam mit der Ablöseforderung des FC Porto von mindestens 800.000 Dollar. Am Ende war ich sogar froh, ihn nicht mehr kaufen zu müssen."

Ein paar Jahre später führte den Bayern-Macher der Weg nach La Coruna, in Spanien wollte er einen Deal mit Emil Kostadinov klarmachen. Der Klubpräsident lud Hoeneß und Vorstandskollege Karl-Heinz Rummeniggge an einem Samstag zum Essen bei sich ein - um 23.30 Uhr.

"Das hieß, wir konnten nicht mehr heimfliegen. Wir hatten nicht mal eine Zahnbürste dabei, nichts! Er kam dann erst um halb eins, wir saßen bis drei Uhr zusammen", erinnert sich Hoeneß. "Ich werde nie vergessen: Wir haben Percebes-Muscheln gegessen - die spritzen, wenn man sie aufmacht. Mein Hemd hat danach ausgesehen … Weil tags darauf Sonntag war, konnten wir nicht mal Hemden kaufen. So saßen wir dann im Flieger."

40 Journalisten im Wohnzimmer

Nicht alle verrückten Verhandlungen scheiterten jedoch - 1999 gelang der Transfer des jungen Paraguayers Roque Santa Cruz.

"Da saßen Karl-Heinz Rummenigge und ich beim Vereinspräsidenten im Wohnzimmer mit ungefähr 25 anderen Leuten. Er war völlig nassgeschwitzt, immer wieder ging er raus", sagte Hoeneß. "Unser Angebot betrug zehn Millionen Mark, aber er wollte Dollar. Wir waren schon draußen und haben auf ein Taxi gewartet, da holte er uns wieder zurück. Als wir uns schließlich noch geeinigt haben, waren plötzlich 30, 40 Journalisten mit Kameras im Wohnzimmer, es war ein Tohuwabohu, unglaublich."

Hoeneß bietet Santa Cruz Wohnung an

Letztlich akzeptierte Club Olimpia das Angebot über umgerechnet fünf Millionen Euro, Santa Cruz blieb acht Jahre in München und erzielte 31 Tore in 155 Spielen. Bevor der Stürmer eine Wohnung in München fand, lebte er sogar im Haus von Hoeneß am Tegernsee.

"Es war ja immer so: Wenn ein Spieler nicht gleich eine Wohnung fand, habe ich immer versucht, ihn bei mir unterzubekommen oder bei befreundeten Familien. Ich wollte, dass sich die Spieler wohlfühlen. Roque war ein junger Kerl, ganz allein in einem fremden Land. Damals waren wir noch nicht so gut organisiert, dass wir zwei, drei Leute hatten, die die Sprache konnten und ihn 24 Stunden betreuen konnten."

Bei Hoeneß hatte unter anderem auch Mehmet Scholl einmal gewohnt. Und auch "für Jupp Heynckes war immer ein Zimmer frei."

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