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Leverkusen - Kevin Volland hat die Hoffnung auf einen Platz bei Joachim Löw nicht aufgegeben. Bei SPORT1 spricht er über den Umbruch beim DFB, seine Idole und Boszs Einflüsse.

Dass Kevin Volland sein letztes Länderspiel absolviert hat, ist mittlerweile fast zweieinhalb Jahre her. Trotz der enttäuschenden WM 2018 spielt der Angreifer von Bayer Leverkusen derzeit keine Rolle in der deutschen Nationalmannschaft.

Doch Volland hat die Hoffnung nicht aufgegeben, zur DFB-Elf zurückzukehren. Das macht der 26-Jährige im Interview mit SPORT1 klar. Darüber hinaus spricht er über die Veränderungen bei der Werkself unter Peter Bosz, die Unterschiede zwischen Bundesliga und Premier League sowie seine Idole.

SPORT1: Herr Volland, wie ist die Stimmung in der Mannschaft aktuell?

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Kevin Volland: Die Stimmung ist gut, nach einem Sieg ist natürlich jeder immer etwas besser drauf. Wir haben eine gute Reaktion gezeigt, obwohl wir bei der Niederlage in Dortmund auch schon gut gespielt hatten, aber die drei Punkte nicht einfahren konnten.

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SPORT1: Auf Ihrem Konto stehen neun Tore und sieben Vorlagen. Wie schätzen Sie Ihre Leistung aktuell selbst ein?

Volland: Ich bin zurzeit gut drauf. Aber das ist zweitrangig. Wichtig ist, wie wir in der Bundesliga in den letzten Spielen auftreten und wie wir als Mannschaft funktionieren. Das machen wir zurzeit gut. Wir setzen das um, was der Trainer von uns erwartet. Wir sind hungrig, hatten vor dem Dortmund-Spiel in der Bundesliga vier Partien nicht verloren. Klar hatten wir die zwei Ausrutscher in Pokal und Europa League, die uns nicht passieren dürfen. Aber wir sind unseren Zielen wieder ein Stück nähergekommen.

Stil von Bosz passt zu Bayer

SPORT1: Hat sich unter dem neuen Trainer Peter Bosz für Sie etwas verändert?

Volland: Jeder Trainer hat natürlich seinen eigenen Stil. Wir haben auch unter Heiko Herrlich einige gute Spiele gemacht. Unter Bosz läuft es gut für die Mannschaft. Wir haben eine sehr offensive Spielweise, geprägt von sehr viel Ballbesitz. Das passt zu uns und daher können wir diese gut umsetzen. Wenn wir so spielen und den Fokus so halten, wie wir es derzeit tun, können wir am Ende der Saison auch noch einiges erreichen.

SPORT1: Sie sind Ersatzkapitän. Was macht die Kapitänsbinde am Arm mit Ihnen?

Volland: Lars (Bender, Anm. d. Red.) ist natürlich unser erster Kapitän. Wenn er verletzt ist, versuche ich, auf dem Platz Verantwortung zu übernehmen. Ich glaube, nach ihm habe ich die meisten Bundesligaspiele in der Mannschaft. Dazu haben wir mit Baumgartlinger, Aranguiz und Sven Bender eine sehr erfahrene Achse. Auch Tah ist ein wichtiger Spieler, der ebenfalls Verantwortung übernimmt. Außerdem sind Kai Havertz und Julian Brandt auf den beiden Achterpositionen sehr wichtig. Es harmoniert dadurch auch auf dem Platz sehr gut.

SPORT1: Peter Bosz hat sein Büro näher an der Kabine also Heiko Herrlich. Hilft euch die Nähe? Ist er auch vom Menschlichen her näher an der Mannschaft?

Volland: Er ist von der menschlichen Art sehr sachlich, sehr ruhig. Er spricht die Dinge aber ganz klar an, was auch wichtig ist. Er hat eine ganz klare Linie und wir versuchen, immer mitzuziehen. Wenn etwas einmal nicht passt, wird das auch klar und direkt angesprochen. Dadurch weiß jeder, woran er ist. Gleiches gilt auch auf dem Platz. Er fordert von uns viel ein, auch im Detail. Jeder muss sich an den Plan halten, anders funktioniert es im Pressing auch nicht. Jeder ist sich bewusst, dass er seine Aufgabe erfüllen muss. Und wenn es einer nicht macht, gibt es auch mal eine klare Ansprache.

Internationales Geschäft ist das Ziel

SPORT1: Bayer hat nur noch vier Punkte Rückstand auf die Champions-League-Plätze. Ist Ihr Ziel die Champions League oder doch eher Europa League?

Volland: Das Ziel sind die internationalen Plätze, wir waren ja eine Zeit lang auch schon weit weg von den Champions-League-Plätzen. Andererseits sind es nur noch vier Punkte Rückstand auf Gladbach und sechs Punkte auf Leipzig. Wenn wir unsere Spiele gewinnen, können wir noch ein bisschen Druck ausüben. Das sollte unser Ziel sein. Wir sind in der Verfolgerrolle. Das ist oft für den Kopf auch gar nicht so verkehrt. Das wird ein enges Ding am Ende.

SPORT1: Wieviel Nähe zwischen Fans und Spieler findest zu gut?

Volland: Man braucht einen guten Austausch zwischen den Spielern beziehungsweise dem Verein und den Fans. Klar gibt es immer wieder Sachen, die der Mannschaft nicht passen, die den Fans nicht passen. Im Endeffekt hängt es immer von der Leistung ab, die man als Mannschaft bringt. Die Fans vergeben einem auch mal, wenn man Spiele verliert, aber sie sehen, dass man 100 Prozent für den Verein gegeben hat. Aber wenn man behäbig oder Angsthasenfußball spielt, funktioniert das natürlich nicht mehr. Dann ist der Frust nicht nur bei Verein und Mannschaft, sondern auch bei den Fans vorhanden. Dann kommt es zu solchen Situationen wie auf Schalke. Man muss sich dann aussprechen und dann geht es weiter.

SPORT1: Hat die Stimmung auf den Rängen Einfluss auf Ihr Spiel?

Volland: Ich finde schon. Ich finde es unangebracht zu pfeifen, wenn es 0:0 steht und wir unseren Ballbesitzfußball spielen. Aber wenn fünf Minuten später das 1:0 fällt, ist wieder alles in Ordnung. Wir haben aber einen guten Rückhalt von unseren Fans. Vor allem in der Endphase, wenn man schon ein bisschen platt ist, springt der Funke aus der Nordkurve schon über, wenn beispielsweise bei einem Standard für uns Stimmung gemacht wird.

Volland: Das hat die Bundesliga der Premier League voraus

SPORT1: Der Fußball hat sich in den vergangenen Jahren ganz schön verändert. Wie finden Sie das?

Volland: Positiv wie negativ. Es ist das Geschäft. Es ist mehr Geld im Umlauf, dadurch ist das Geschäft sehr gläsern. Für viele junge Spieler ist es nicht so einfach, weil man schnell viel Geld verdient. Damit muss man erst mal umgehen können. Der Hype über die sozialen Medien ist riesig. Es geht schnell nach oben, aber auch schnell wieder nach unten.

SPORT1: Wie nehmen Sie die Bundesliga im Vergleich zu anderen Ligen wahr?

Volland: In der Premier League ist noch mehr Geld im Umlauf. Aufsteiger Huddersfield – ein Kumpel von mir spielt dort – hat 100 Millionen an Fernsehgeldern bekommen. Ich weiß nicht, wie viel Bayern in Deutschland bekommen hat. Vom Geld her ist das schon nochmal eine andere Welt. Ich finde aber, dass auch die Bundesliga eine sehr ausgeglichene und starke Liga ist. Vor allem im taktischen Bereich ist die Bundesliga enorm schwer zu bespielen. Jede Mannschaft hat einen Plan und kann dir das Leben schwer machen. In England gibt es sechs Topteams, da ist die Spanne ein bisschen größer.

Ballack, Ronaldinho und Zidane sind Vollands Vorbilder

SPORT1: Kommen wir zum DFB. Es wird einen Umbruch geben im Nationalteam. Sie sind Stürmer, die werden gesucht.

Volland: Der Umbruch ist aber nicht erst seit jetzt da, er ist beim DFB seit eineinhalb Jahren eingeleitet worden. Ich kann immer nur von mir persönlich reden. Ich habe letztes Jahr eine gute Saison gespielt, dieses Jahr spiele ich auch wieder eine gute Saison. Ich bin froh, dass es im Verein gut für mich läuft.

SPORT1: Trotzdem ist die Hoffnung da?

Volland: Die Hoffnung ist da. Man spielt immer gerne für Deutschland. Aber ich bin auch realistisch genug. Ich gebe immer Gas. Und letztendlich zählt für mich der Erfolg im Verein.

SPORT1: Jeder hat so seine Idole im Sport. Mit wem hätten Sie gerne mal zusammen in einer Mannschaft gespielt?

Volland: Michael Jordan (lacht) oder Michael Ballack zu der Zeit, als er zu Chelsea gegangen ist oder bei Bayern war. Ronaldinho bei Barca. Das waren meine Idole. Auch Zidane gehört dazu.

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