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München - SPORT1-Experte Marcel Reif legt nach dem knappen BVB-Sieg gegen Mainz 05 den Finger in die Wunde. Das 0:5 beim FC Bayern habe eindeutig Spuren hinterlassen.

Hallo Fußball-Freunde,

Borussia Dortmund hat eine Woche nach der Klatsche beim FC Bayern wieder drei Punkte geholt - und trotzdem war dieser 2:1-Sieg des BVB gegen Mainz 05 nicht unbedingt beruhigend, wenn man sich den Einbruch in der zweiten Hälfte anschaut.

In gewisser Weise hat sich da fortgesetzt, was schon gegen Bayern und auch davor zu beobachten war.

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Ich glaube, mit den Dortmundern ist im Wesentlichen das passiert: Sie hatten plötzlich etwas zu verlieren.

Lucien Favre hat ja selbst gestaunt

Über weite Strecken der Saison haben sie über ihre Verhältnisse gespielt, die Unerfahrenheit fiel nicht ins Gewicht, alles hat funktioniert, auch enge Spiele. Das war irre, Lucien Favre hat ja selbst gestaunt.

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Aber irgendwann ist etwas gekippt, sie haben hier ein Pünktchen, da ein Pünktchen verloren, Bayern war auf einmal da und es machte sich bemerkbar.

Gegen Mainz hat sich dieser Saisonverlauf in den zwei Halbzeiten gut widergespiegelt: Erst hat alles gut funktioniert, auf einmal fällt das Gegentor und - ach du Schande.

Du brauchst im Meisterrennen nicht nur einen langen Atem, du brauchst auch gute Nerven - und die fehlen Dortmund am Ende vielleicht.

Klatsche beim FC Bayern hat etwas mit dem BVB gemacht

Was Dortmund gegen Bayern passiert ist, spielt da eine Rolle. So ein 0:5 kannst du nicht einfach wegstecken, da passiert etwas mit dir, wenn du vom direkten Konkurrenten zu Hackfleisch gemacht wirst - gerade als junge Mannschaft.

Und da stellt sich bei allem Lob, das die Dortmunder sich für ihre Einkaufspolitik mehr als verdient haben, schon die Frage, ob da nicht doch noch etwas mehr Mischung aus Talent und Erfahrung her müsste, gerade in der Defensive. Darüber werden sie jetzt nachdenken.

Dass sie zum Beispiel Sokratis wegen seiner limitierten fußballerischen Fähigkeiten weggeschickt haben, verstehe ich einerseits voll und ganz. Andererseits wäre er einer gewesen, der das Spiel gegen Mainz, auch das gegen Bayern, beruhigt hätte. Der gesagt hätte: Jetzt ist mal gut, Jungs, jetzt hört mal auf Papa - im doppelten Sinne.

An Jadon Sancho kannst du das, was mit Dortmund passiert ist, auch gut festmachen: Von dem war gegen Bayern nichts zu sehen, bei allem überbordenden Talent, das er hat. Gegen Bayern wirkte er wie ein verspieltes Kind, das auf die Erwachsenen trifft, die ihm sagen: heute nicht.

Das Positive ist, dass sie das Spiel gegen Mainz dann doch noch gewonnen haben, obwohl es so gelaufen ist. Wenn es ihnen gelingt, sich daran aufzurichten, dann haben sie noch eine Chance im Titelkampf - ansonsten nicht.

Bis demnächst

Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.

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