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München - Die Verpflichtung von Sven Mislintat als Sportdirektor wird als Coup des VfB Stuttgart bezeichnet. Doch der Deal birgt auch Gefahren, bedingt durch Mislintats Rolle.

Thomas Hitzlsperger hat Worten Taten folgen lassen. Kurz nach seinem Amtsantritt als neuer Sportvorstand des VfB Stuttgart kündigte er an, "einen starken Partner" als Sportdirektor an seine Seite holen zu wollen.

Und genau das ist Hitzlsperger auf den ersten Blick mit Sven Mislintat auch gelungen. Von vielen Medien wurde die Verpflichtung des früheren Kaderplaners von Borussia Dortmund als echter "Coup" bezeichnet.

Doch ist sie das wirklich? Oder spielt der VfB damit ein gefährliches Spiel? SPORT1 analysiert Vorteile und Risiken des Mislintat-Deals.

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Mislintat als exzellenter Talentscout

Mislintat hat sich einen exzellenten Ruf erarbeitet – als Talentscout. Die Qualität, die der 46-Jährige dem Meisterkader des BVB unter Jürgen Klopp verliehen hat, wurde hinlänglich wertgeschätzt.

"Sven Mislintat hat sich in seiner langjährigen beruflichen Laufbahn ein hohes Maß an Reputation erarbeitet", schwärmte Hitzlsperger von seinem neuen Kompagnon, der ihm ab 1. Mai mit Rat und Tat unterstützen wird: "Mit seinem Wissen, seinem Netzwerk und seiner Art, Fußball zu denken, passt er perfekt zu uns."

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Dem FC Bayern wurde mehrfach Interesse am als "Diamantenauge" bezeichneten Spielerbeobachter nachgesagt. Der FC Arsenal sorgte für Schlagzeilen, als er 2017 erstmals eine Ablösesumme für einen Funktionär in dieser Position an den BVB überwies.

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BVB-Zeit endet nach Streit mit Tuchel

Doch Mistlintat kennzeichnen auch andere Facetten. Der akribische Arbeiter gilt als Typ, der auch mal aneckt.

Im Herbst 2017 sorgten Differenzen mit Trainer Thomas Tuchel bezüglich der geplanten Verpflichtung des Spielers Oliver Torres für Verstimmungen. "Es ging um Glaubwürdigkeit. Die Sache ist aber gar nicht mal eskaliert. Mir wurde nur irgendwann mitgeteilt, ich solle nicht mehr im Umfeld des Trainerteams und der Mannschaft auftauchen", hatte Mislintat die Sache damals erklärt. Letztlich verließ Mislintat die Borussia nach elf Jahren.

Bei den Gunners hatte Mislintat schließlich bei Trainer Unai Emery und Fußball-Vorstand Raul Sanllehi keinen leichten Stand. Sein Job als Leiter der Scouting-Abteilung endete vorzeitig.

VfB Stuttgart in der Krise

Nun soll Mislintat also beim VfB seinen Beitrag leisten, den Klub aus der sportlichen Tristesse zu befördern und zu altem Glanz zu verhelfen.

Mit einem Vertrag bis 2021 ausgestattet, der auch für die 2. Bundesliga Gültigkeit besitzt, muss Mislintat zusammen mit Hitzlsperger zunächst einmal den Scherbenhaufen beseitigen, den sein Vorgänger Michael Reschke hinterlassen hat.

Die Mannschaft gilt als inhomogen, die Qualität des Kaders als unzureichend. Vieles deutet darauf hin, dass spätestens nach Saisonende auch ein neuer Trainer her muss. (Bundesliga: VfB Stuttgart - Bayer Leverkusen am Samstag um 15.30 Uhr im LIVETICKER)

Weinzierl Weggefährte von Mislintat

Markus Weinzierl, der mit Mislintat 2011 gemeinsam die Fußballlehrer-Lizenz beim DFB erwarb, hat aufgrund des fehlenden sportlichen Erfolgs nicht mehr viele Fürsprecher.

VfB-Streichkandidaten
VfB-Streichkandidaten © Getty Images

Diese Baustellen muss Mislintat in für ihn komplett neuer Rolle beackern. Bislang war er stets der geniale Mann im Hintergrund. Beim BVB bekam er den Titel "Direktor Profifußball", agierte aber stets im Schatten von Michael Zorc.

Auch bei Arsenal waren seine Auftritte vor Pressevertretern rar. Stattdessen kümmerte er sich um Kaderzusammensetzung, Spielersichtung und -akquise.

Mislintat erwarten neue Aufgaben

Doch nun wird sein Aufgabenfeld als Sportdirektor des VfB deutlich anders gestaltet sein. Auch unangenehme Gespräche vor der Kamera und harte Trainerentscheidungen werden in diesen Bereich fallen.

Dabei wünscht man ihm ein glücklicheres Händchen und mehr Finesse als seinem Vorgänger. Auch Reschke war ja vor seiner Zeit in Stuttgart eher der Transferflüsterer im Hintergrund.

Bevor der VfB Reschke im Sommer 2017 als Sportvorstand installierte, wurde auch Mislintat gehandelt. Nun ist er dessen Nachfolger und kann zeigen, dass sich die Verantwortlichen der Schwaben schon damals mehr um ihn hätten bemühen sollen.

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