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München - Beim FC Bayern ist Jérôme Boateng nur noch Innenverteidiger Nummer vier und soll verkauft werden. Geht der Plan der Bosse auf, oder wird er zum Ladenhüter?

Noch deutlicher hätte man es Jérôme Boateng nicht klarmachen können, dass er beim FC Bayern ab sofort nur noch Innenverteidiger Nummer vier ist.

"Ich glaube, wir sind in der Innenverteidigung mit Lucas (Hernández, d.Red.), Niklas (Süle, d.Red.) und Benjamin Pavard top aufgestellt", sagte Karl-Heinz Rummenigge am Montag, als er auf die Qualität in der Defensive angesprochen wurde. Boateng fehlte in seiner Aufzählung hingegen gänzlich.

Auch, als der Vorstandsboss von sich aus nachlegte, fehlte jedes Wort über ihn: "Wer drei solche Spieler in der Innenverteidigung hat, braucht sich im Verbund mit David Alaba und Joshua Kimmich keine Gedanken machen. Was die Defensive betrifft, sind wir top aufgestellt. Das ist nicht nur für die Bundesliga top, wir sind auch für den europäischen Standard sehr gut aufgestellt."

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Für Boateng müssen sich diese Worte wie blanker Hohn anfühlen. Das erneut klare Zeichen: Er soll wechseln! Bereits nach Saisonende legte ihm Präsident Uli Hoeneß einen Verkauf nahe. Passiert ist bislang nichts.

Wird Boateng für die Bayern zum teuren Ladenhüter?

Noch keine Angebote für Boateng

"Jeder Spieler, der hier einen Vertrag hat, bekommt die gleiche Aufmerksamkeit. Es gibt immer Spieler, die überlegen, wegzugehen. Man muss auch einen Abnehmer finden. Solange die Spieler hier sind, werden sie so behandelt, als ob sie spielen werden und auch können. Ich habe gelernt, dass man niemanden abschreiben darf", sagte Trainer Niko Kovac am Dienstag.

Scheinbar unbeirrt von seiner nicht einfachen Situation, war Boateng zuvor am Montag mit auffälligen, erblondeten Haaren zum Auftakttraining an der Säbener Straße angetreten.

Zum einen, weil er vertraglich noch bis 2021 dazu verpflichtet ist. Zum anderen, weil es nach SPORT1-Informationen schlichtweg noch keine konkreten Angebote für den 30-Jährigen gibt und der Transfermarkt gerade erst ins Rollen kommt. Vergangene Saison scheiterte ein Wechsel zu Paris Saint-Germain bekanntermaßen am Veto der Bayern – und an Kovac, der ihn unbedingt halten wollte.

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Boateng ließ sich auf dem Trainingsplatz davon wenig anmerken. Er lächelte, flachste mit Corentin Tolisso und wirkte konzentriert. Im Abschlussspiel spielte er mal einen Traumpass, aber auch viele Fehlpässe. Blickkontakt mit Trainer Niko Kovac versuchte er hingegen zu vermeiden. Das Verhältnis der beiden wirkt ohnehin seit Wochen unterkühlt. 

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Direkt zum Vorbereitungsbeginn bestätigt sich der Eindruck, dass Boateng bei den Münchnern zwar geduldet, aber nicht erwünscht ist. Ein Spieler, der mit dem Rekordmeister auf Klubebene zigfach Deutscher Meister wurde, 2013 das Triple gewann und im Weltmeister-Jahr 2014 zu den besten seines Fachs weltweit zählte. Danach jedoch ging es für Boateng langsam bergab. 

Immer wieder Verletzungen

Verletzungen machen dem gebürtigen Berliner dabei immer wieder zu schaffen. Anfang 2016 zieht er sich einen Muskelbündel- und Sehnenriss in den linken Adduktoren zu. Im EM-Halbfinale im gleichen Jahr der nächste Schock: Erneut zieht er sich einen folgenschweren Muskelbündelriss zu, diesmal im rechten Oberschenkel. Ende 2016 muss er sich dann einer Schulter-OP unterziehen.

Zudem fällt in dieser Saison das berühmte Rummenigge-Zitat, wonach Boateng aufgrund seines extravaganten Lifestyles 'back to earth' kommen solle. "Es wäre in seinem Sinne und im Sinne des ganzen Klubs", sagte der Vorstands-Boss damals. 

Boateng aus Nationalteam verbannt

Boatengs Misere zieht sich anschließend weiter. Ab Mai 2017 fällt er wegen einer Muskelverletzung im hinteren, rechten Oberschenkel erneut lange aus. Im April 2018 dann der nächste Rückschlag. Gegen Real Madrid erleidet er eine "strukturelle Verletzung der Adduktoren-Muskulatur im linken Oberschenkel", wie der Verein mitteilte. Für Boateng ist die WM in Gefahr, aber er kämpft sich rechtzeitig zurück. Das Ende ist bekannt.

Im März 2019 teilt ihm der Bundestrainer mit, wie auch Mats Hummels und Thomas Müller, sein Ende in der Nationalmannschaft mit. Im weiteren Verlauf der Saison ist er hinter Süle und Hummels nur noch Innenverteidiger Nummer drei. Boateng wirkt frustriert, woraufhin er auch mit Kovac aneinandergeraten sein soll. 

Rummenigge: "Boateng muss sich entscheiden"

Jetzt ist Boateng nur noch Innenverteidiger Nummer vier. Zwar verwies Rummenigge am Montag auch auf die noch verbleibende Vertragsdauer von Boateng als er nach dessen Zukunft gefragt wurde. Er forderte von ihm jedoch, dass er sich nun "positionieren und auch entscheiden" müsse. Für ihn gelte, was für Hummels gegolten hätte, der zu Borussia Dortmund geflüchtet ist: dass Kovac "primär" mit den anderen Innenverteidigern plane. 

Boateng, der von Ex-Bayern-Profi Christian Nerlinger beraten wird und dessen Jahresgehalt im achtstelligen Bereich liegt, dürfte die Bayern noch in diesem Sommer verlassen. Die Frage ist nur wann. Das Transferfenster schließt am 2. September. Nach seiner Karriere möchte er übrigens in den USA leben.

So oder so bahnt sich ein trauriges Ende für einen der erfolgreichsten Verteidiger in der Geschichte des FC Bayern an.

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