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München - Karl-Heinz Rummenigge bezieht am Tag des Trainingsstarts beim FC Bayern deutlich Stellung. SPORT1 analysiert, was hinter seinen wichtigsten Aussagen steckt.

Mit nur acht Profis hat der FC Bayern am Montagnachmittag die Saisonvorbereitung aufgenommen. Auch, weil Neuzugang Lucas Hernández nach einer Knie-OP noch individuell arbeiten muss.

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge höchstpersönlich stand dem Franzosen am Nachmittag zur Seite, als sich dieser in der Allianz Arena erstmals öffentlich vorstellte, bezeichnete den 80-Millionen-Mann sogar als "besten Innenverteidiger der Bundesliga".

Klar, dass auch Rummenigge intensiv befragt wurde zu den aktuellen Themen rund um den FC Bayern. SPORT1 fasst das Wichtigste zusammen und sagt, was sich hinter den Aussagen von Rummenigge verbirgt.

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- Salihamidzic wird bewusst gestärkt

Lucas Hernández beendete gerade seine Erklärung darüber, wie er vor allem mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic im Vorfeld seines Transfers viele Gespräche geführt habe. Rummenigge ergriff danach ungefragt das Wort und betonte ausdrücklich, dass Salihamidzic der "Spiritus Rector" in den Verhandlungen gewesen sei.

Dem Vorstandsboss ist nicht entgangen, wie vor allem sein Sportdirektor seit Wochen hinsichtlich der Transferbemühungen im Fokus der Kritik steht. Kein Tag vergeht, an dem den Bayern nicht irgendein Spieler abgesagt haben soll. Salihamidzic wird dafür maßgeblich verantwortlich gemacht.

Rummenigge trat diesen Vorwürfen nun entgegen und stärkte Salihamidzic auch in weiteren Sätzen demonstrativ den Rücken. Sein klares Zeichen: Salihamidzic hat unsere volle Unterstützung!

- Bayern kauft noch ein

Rummenigge mahnte erneut zu Geduld auf dem Transfermarkt. Man warte auf den ersten fallenden Dominostein.

Soll heißen: Es muss möglicherweise erst ein Topspieler (für die Flügel) wie Neymar (Paris Saint-Germain) wechseln, damit weitere Transfers vollzogen werden können. Allerdings wechselte bereits Eden Hazard für über 100 Millionen Euro vom FC Chelsea zu Real Madrid.

Es scheint, dass die Bayern wohl nicht in das A-Regal greifen, sondern als Profiteure im Hintergrund lauern. Dazu passt, dass Rummenigge erklärte, die Mannschaft vor allem noch in puncto Quantität, also in der Breite, verstärken zu wollen.

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Gesucht wird weiterhin ein Flügelspieler. Das Wunschziel: Leroy Sané. Rummenigge betonte, dass man auf eine Antwort des Nationalspielers warte. Diese sei allein wegen dessen Urlaubs bislang ausgeblieben. Oder doch mangels Interesse?

Keine Priorität hat hingegen die Suche nach einem weiteren Innenverteidiger.

- Boateng kann gehen

"Ich lese immer, dass wir den besten Innenverteidiger Deutschlands abgegeben haben. Aber der beste Innenverteidiger spielt bei Bayern München und übrigens auch in der Nationalmannschaft."

Ein Satz, mit dem Rummenigge aufhorchen ließ. Er sieht nämlich Süle als eben jenen an - und nicht Mats Hummels. Dieser wurde nach seinem Wechsel zu Borussia Dortmund von BVB-Manager Michael Zorc aber mit diesem Prädikat versehen.

Rummenigge ergänzte zudem, dass man mit Hernández, Süle und Pavard "top aufgestellt" sei - national wie international. Wer solche Innenverteidiger habe, brauche sich seiner Meinung nach keine Gedanken machen.

Boateng fehlte in seiner Aufzählung gänzlich. Für diesen gelte vielmehr, was auch Hummels vom Trainer mitgeteilt wurde: Dass die anderen drei in Kovacs Planung eine "primäre" Rolle spielen. Rummenigges Fazit zu Boateng: "Er muss sich positionieren und auch entscheiden."

- Hoeneß-Satz war unnötig

"Wenn Sie wüssten, was wir schon alles sicher haben für die neue Saison ...", verkündete Präsident Uli Hoeneß im Februar im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.

Täglich werden die Bayern an diesem fast schon legendären Satz gemessen - denn passiert ist seither kaum etwas im Profikader.

Rummenigge gab zu, dass intern über diese Äußerungen diskutiert wurde. "Ich glaube, es ist gut, wenn wir in Zukunft etwas weniger in der Öffentlichkeit über unsere Aktivitäten sprechen. Das weckt sonst immer gleich einen Erwartungshorizont, der die Ungeduld nicht kleiner werden lässt", sagte er.

Die Bayern-Verantwortlichen werden sich zukünftig in Personalfragen wohl noch weniger in die Karten schauen lassen. Heißt: Noch mehr Phrasen statt Klartext.

- Neuer soll aus der Schusslinie genommen werden

Für Wirbel sorgten dieser Tage Zitate von Thomas Kroth, der Manuel Neuer berät. In der Süddeutschen Zeitung verkündete er, dass Neuer nochmal die Champions-League gewinnen wolle. Laut kicker "egal wo", allerdings "am liebsten mit den Bayern".

Er stellte zuvor aber fest, dass die Münchner mit ihrem aktuellen Kader noch nicht "konkurrenzfähig" seien. Der naheliegende Verdacht: Kroth agiert als Sprachrohr des unzufriedenen Kapitäns, der sich weniger angreifbar macht, indem er selbst nicht spricht.

Rummenigge teilte mit, am Montag mit Neuer telefoniert zu haben. "Thomas Kroth war nicht sein Sprachrohr, es handelt sich hier um eine rein private Meinung von Kroth. Wir haben das zur Kenntnis genommen, ich fand es aber etwas eigenartig", sagte Rummenigge zu den gefallenen Sätzen.

Dennoch ist es nur schwer vorstellbar, dass Neuer nicht wusste, was Kroth sagen und welche Wellen es schlagen würde.

Obwohl den Bayern die Aussagen missfielen, wollen sie aber vor allem eines: diese Baustelle so schnell wie möglich schließen - und nicht noch eine weitere aufmachen.

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