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München - Uli Hoeneß' angeblicher Rückzug beim FC Bayern wirft viele Fragen auf. Gründe, mögliche Nachfolger, Konsequenzen für die Bayern: SPORT1 liefert Antworten.

Uli Hoeneß will sich im November offenbar nicht mehr als Präsident des FC Bayern zur Wiederwahl stellen. Auch den eigentlich noch bis 2022 laufenden Posten als Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern München AG wolle er abgeben. SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zum Hoeneß-Beben.

Tritt Hoeneß wirklich zurück?

Offiziell bestätigt ist der Rückzug noch nicht, laut Bild ist er aber beschlossene Sache.

Auf SPORT1-Anfrage teilte Hoeneß' Büro mit, Hoeneß wolle den Aufsichtsrat in der nächsten Aufsichtsratssitzung am 29. August über seine Entscheidung informieren: "Bis dahin wird er bezüglich seiner Ämter keine Aussage machen."

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Warum tritt Hoeneß zurück?

Darüber lässt sich nur mutmaßen. Vor allem die herbe Kritik von Vereinsmitglied Johannes Bachmayr und die ihm entgegengebrachten Buhrufe auf der vergangenen Jahreshauptversammlung setzten ihm aber arg zu.

Fortan merkte Hoeneß, dass er nicht mehr die Unterstützung der breiten Masse hatte, wie er es in all den Jahren zuvor gewohnt war.

Hoeneß wird auch nicht entgangen sein, dass es Fanklubs gibt, die sich mit der Initiative #uliout zusammen dafür einsetzen, dass Hoeneß sich noch in diesem Jahr zurückzieht, weil sie sich unter anderem nicht mehr mit seinem Führungsstil identifizieren.

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Er selbst ließ in den vergangenen Monaten bereits des Öfteren erkennen, dass es für ihn nicht in Stein gemeißelt ist, erneut zur Präsidentschaftswahl anzutreten. Nach SPORT1-Informationen war es der Führungsriege des FC Bayern auch schon seit längerem bekannt, dass Hoeneß konkret mit Rücktrittsgedanken spielt. Klar ist auch, dass sich Hoeneß mit seiner Frau Susi auf mehr Freizeit freut.

Welche Posten will Hoeneß wann abgeben?

Der 67-Jährige soll vorhaben, sich auf der im November stattfindenden Mitgliederversammlung nicht mehr zur Wahl des Präsidenten des FC Bayern München e.V. aufstellen zu lassen. Am 25. November 2016 war er in dieses Amt zurückgekehrt.

Seit Februar 2017 ist er zudem Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern München AG. Auch von diesem Posten will er offenbar zurücktreten - trotz Vertragslaufzeit bis 2022. Gibt Hoeneß beide Posten auf, wäre sein Rücktritt ab Ende November gültig.

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Würde Hoeneß trotz Rückzug weiter bei den Bayern mitmischen?

Davon ist auszugehen. Hoeneß' Meinung ist zu gewichtig, als dass die Bayern darauf verzichten würden.

Nach Informationen des kicker wird Hoeneß zwar den Vorsitz, nicht aber seinen Sitz im Aufsichtsrat abgeben, um Oliver Kahn und seinen Wunsch-Nachfolger Herbert Hainer einarbeiten zu können. Er möchte einen geregelten Übergang der Führung gewährleisten.

Möglich ist jedoch, dass er sich mit öffentlichen Statements zurückhält oder gar gänzlich darauf verzichtet, wie er es schon in den vergangenen Wochen immer häufiger tat.

Wahrscheinlich ist zudem, dass Hoeneß, falls er sich nicht mehr aufstellen lässt, zum Ehrenpräsidenten ernannt wird, wodurch seine zukünftige Präsenz im Verein ohnehin gewährleistet wäre.

Was bedeutet der Rückzug für Karl-Heinz Rummenigge?

Hoeneß und Rummenigge haben den Verein seit Jahrzehnten geprägt. Sie sind die Gesichter des Vereins.

Tritt Hoeneß von seinen beiden Ämtern zurück - wie schon einmal im März 2014 wegen seiner damals bevorstehenden Haft - wäre Rummenigge fortan der neue starke Mann des Vereins und Hauptrepräsentant in vorderster Linie. Bereits auf der USA-Reise hatte er diese Rolle inne, da Hoeneß nicht mitgeflogen war.

Rummenigges Vertrag als Vorstandsboss ist noch bis 31. Dezember 2021 gültig. Er verlängerte einst auf expliziten Wunsch von Hoeneß. Unwahrscheinlich, dass er wie Hoeneß zurücktritt. Rummenigge soll ab dem kommenden Jahr Oliver Kahn einarbeiten, weil ihn die Torwart-Legende in zwei Jahren als Vorstandsboss ablösen soll. Spätestens dann will auch Rummenigge aufhören.

Warum Herbert Hainer als Hoeneß-Nachfolger?

Hainer passt perfekt ins Profil. Er verfügt über ein ausgezeichnetes wirtschaftliches Netzwerk und über genügend Erfahrung im Profi-Fußball. Der 65-Jährige stieg innerhalb des Adidas-Konzerns in 14 Jahren zum Vorstandsvorsitzenden auf. Diesen Posten bei der Adidas AG hatte er von 2001 bis 2016 inne.

Aktuell ist er stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG. Hainer und Hoeneß verbindet zudem eine tiefe Freundschaft. In einem Interview mit der FAZ sagte Hoeneß im September 2018: "Wir beide haben so viel gemeinsam durchgestanden, dass klar ist: Unsere Freundschaft hält, uns treibt nichts mehr auseinander."

adidas-Boss Herbert Hainer (r.) gilt als möglicher Nachfolger von Uli Hoeneß beim FC Bayern
adidas-Boss Herbert Hainer (r.) gilt als möglicher Nachfolger von Uli Hoeneß beim FC Bayern © Getty Images

Oder ersetzt ihn einer seiner Stellvertreter?

Der 1. Vizepräsident des FC Bayern München e.V. ist Notar Prof. Dr. Dieter Mayer. Seit Februar 2017 ist er zudem Mitglied des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG und dort Vorsitzender des Prüfungsausschusses.

2. Vizepräsident ist Unternehmer Walter Mennekes, der seit 2009 auch Mitglied des Verwaltungsbeirats ist. Beide gelten als enge Vertraute von Hoeneß und waren auch auf der USA-Reise dabei. Unwahrscheinlich ist - Stand jetzt - dass sich einer der beiden zum Präsidenten wählen lassen will.

Was bedeutet der Rückzug für Niko Kovac?

Zieht sich Hoeneß von seinen Ämtern zurück, ginge Trainer Niko Kovac ein wichtiger Unterstützer verloren. Hoeneß gilt als treibende Kraft dafür, dass Kovac überhaupt Bayern-Trainer wurde. Er unterstützte ihn auch, als er mit der Mannschaft in der Herbstkrise des vergangenen Jahres schwere Zeiten durchlebte.

Rummenigge hingegen sieht Kovac kritischer. Er respektiert seine Arbeit und sieht sein Wirken durch das erreichte Double auch gestärkt.

Des hundertprozentigen Rückhalts Rummenigges kann sich Kovac aber nicht sicher sein.

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