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München und Gelsenkirchen - Die Reform der Handspiel-Regel sollte die Diskussionen beenden - doch schon am 2. Spieltag zeigt sich: Der Ärger bleibt. Vor allem bei Schalke-Trainer David Wagner.

David Wagner war einfach nur ratlos.

"Ich würde es gerne verstehen. Wir hatten eine Schulung vor der Saison und deswegen verstehe ich es nicht", sagte der Trainer des FC Schalke 04 nach der 0:3-Niederlage gegen den FC Bayern bei Sky. Wagners Unverständnis bezog sich auf das leidige Thema: Handspiel oder nicht?

Eigentlich sollte die Reform der Regel die Diskussionen verstummen lassen - doch statt der versprochenen Klarheit herrscht nach dem zweiten Spieltag noch mehr Verwirrung.

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Drei mögliche Handelfmeter für Schalke

Allein die Schalker forderten im Duell mit den Bayern gleich dreimal einen Handelfmeter. Und das durchaus berechtigt. Aber ohne Erfolg.

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Zunächst köpfte Matija Nastasic nach einer Ecke Benjamin Pavard an dessen ausgestreckten linken Arm (54.), dann klärte Ivan Perisic einen Freistoß von Daniel Caligiuri mit dem linken Arm (63.).

Schalke reagierte mit einem provokanten Tweet.

Beide Male blieb ein Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Marco Fritz zum Ärger der Schalker aus - und auch der Video-Assistent Bastian Dankert schritt nicht ein. Nach der Partie erklärte Fritz aber, dass in allen potentiellen Handspielsituationen eine Kommunikation mit Köln stattgefunden habe.

Fritz: "Würde wahrscheinlich anders entschieden"

Noch mehr verwunderte, dass Fritz in beiden Fällen nicht einmal rausgeschickt wurde, um sich die Szenen in der Review-Area nochmals anzuschauen.

Dazu sagte Fritz dem ZDF: "Ich würde es wahrscheinlich anders entscheiden. Ich kann aber nachvollziehen, dass ich nicht rausgeschickt worden bin, da es keine hundertprozentige falsche Entscheidung von mir war."

Auch in einer weiteren Szene, als Perisic im Strafraum eine Flanke von Guido Burgstaller an den angelegten rechten Arm bekam (61.), wurde nicht auf Elfmeter entschieden.

Für Schalke-Trainer Wagner war es das einzige Mal zurecht: "Das ist für mich kein Elfmeter, da hätte ich es lieber gehabt, wenn die anderen zwei kontrolliert worden wären."

Wagner: "Das ist für mich Elfmeter"

Bezüglich Pavards Vergehen hatte der Schalker eine klare Meinung: "Das ist für mich Elfmeter. Der Ball geht aufs Tor, der Arm ist im 90-Grad-Winkel weggestreckt. Ich behaupte nicht, dass es Absicht war, nichtsdestotrotz ist die Körperfläche vergrößert."

Schiedsrichter Fritz beschrieb die Szene ähnlich, kam aber dennoch zu einem anderen Ergebnis: "Die erste Szene ist aus dem Zweikampf heraus. Da ist Pavard im Landeanflug, möchte ich sagen - der Arm ist weit weg vom Körper, aber unabsichtlich."

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Laut Regeln liegt ein strafbares Handspiel vor, wenn ein Spieler den Ball mit der Hand beziehungsweise dem Arm berührt und "seinen Körper aufgrund der Hand-/Armhaltung unnatürlich vergrößert". Ebenfalls strafbar ist es, wenn sich der Arm dabei "über Schulterhöhe befindet".

Pavards Armhaltung war in dieser Hinsicht mindestens grenzwertig, in jedem Fall vergrößerte der Franzose damit aber seine Körperfläche.

Wagner unterstellt Perisic Absicht

Bei Perisic greift laut Wagner sogar das erste Kriterium für ein Vergehen: Absicht.

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"Das ist Vergrößerung der Körperfläche und auch Absicht", sagte der Schalker Coach. "Ich behaupte, man weiß, was man macht, wenn man diese Bewegung macht. Dementsprechend ist das auch ein ganz klarer Elfmeter."

Wagners Tochter Lea, Journalistin und Moderatorin, schrieb bei Instagram: "Wenn der Videoschiedsrichter laut Tim Walter am Freitag in Aue Pausenbrot essen gewesen sei, "war er heute zum 5-Gang-Menü verabredet."

Angesprochen auf die Äußerung seiner Tochter sagte Wagner bei Sky mit einem Lächeln: "Ich würde meiner Tochter nie widersprechen."

Schiedsrichter Fritz teilte nicht die Meinung der Wagner-Familie: "Er (Perisic, Anm. d. Red.) springt hoch in der Mauer, hat die Hand relativ nah am Körper. Natürlich geht der Ball klar an die Hand, aber die Hand war nicht klar abgespreizt, daher ging es mit Eckball weiter."

Bremen hadert mit neuer Hand-Regel

Das Thema Handspiel erhitzte nicht nur auf Schalke die Gemüter, in Sinsheim war sich Übeltäter Niclas Füllkrug keiner Schuld bewusst.

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"Ich habe die Berührung mit der Hand nicht gespürt", sagte der Angreifer von Werder Bremen bei Sky, "aber laut Regelwerk ist das halt kein Tor."

Der Neuzugang der Bremer erzielte im Spiel bei der TSG Hoffenheim in der 71. Minute das vermeintliche Ausgleichstor zum 2:2, doch der Videobeweis überführte den Torschützen, weil er in der Entstehung den Ball an die Hand bekommen hatte – auch wenn er es nach eigener Aussage nicht gemerkt hat.

Füllkrug: "Fußball mehr verschlechtert"

Die Regelhüter des IFAB haben zu dieser Saison einige Regeln überarbeitet, darunter auch die Handspielregel. Eigentlich sollten damit kontroverse Diskussionen der Vergangenheit angehören, doch schon am 2. Bundesliga-Spieltag wird wieder intensiv über das leidige Thema gesprochen.

"Das Regelwerk, wie es auch wieder verändert wurde, ist eine Sache, die den Fußball wieder mehr verschlechtert", meinte Füllkrug.

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Zumindest regeltechnisch haben die Schiedsrichter in diesem Fall aber keinen Handlungsspielraum. Sobald bei einer Torerzielung eine Hand im Spiel ist - egal ob absichtlich oder unbeabsichtigt - zählt der Treffer nicht.

Hand-Aufreger in Paderborn

In Paderborn gab es bei der 1:3-Niederlage des Aufsteigers gegen den SC Freiburg zwei Hand-Szenen im Strafraum. Zunächst gab es einen weitgehend unstrittigen Handelfmeter, nachdem SCP-Kapitän Christian Strohdiek eine Flanke von Christian Günter mit seinem Arm in Kopfhöhe geblockt hatte.

Kurz vor der Pause bekam Strohdiek einen Freistoß von Jerome Gondorf an den leicht ausgestreckten linken Arm. Schiedsrichter Tobias Welz sah sich nach einem Hinweis aus dem Kölner Keller die Szene sogar noch mal in der Review-Area an, entschied aber anschließend nicht auf Elfmeter.

Es war eine vergleichbare Szene wie die von Perisic auf Schalke.

Die größte Fehlentscheidung gab es am Samstag allerdings in der 2. Bundesliga in der Partie Jahn Regensburg gegen Arminia Bielefeld (1:3). Als Sebastian Nachreiner per Hand einen Rückpass auf seinen Torhüter spielte, blieb ein eigentlich fälliger Elfmeterpfiff trotz Rücksprache mit dem Video-Assistenten aus.

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