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Hamburg - Offensiv wie nie hat Marco Reus klargemacht, Kai Havertz von einem Wechsel zu Borussia Dortmund zu überzeugen. Ist ein BVB-Transfer überhaupt realistisch?

"Ich werde alles versuchen, ihn nach Dortmund zu lotsen."

Gemeint ist Kai Havertz, der sich fortan darauf einstellen muss, dass ihn Marco Reus von einem Wechsel zu den Schwarz-Gelben überzeugen will. Das  verriet der BVB-Kapitän im Gespräch mit SPORT1.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc wirkte nicht gerade erfreut über die Aussagen seines Kapitäns. "Alle Beteiligten tun gut daran, sich auf die gerade laufende Saison zu konzentrieren", sagte er dem kicker

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Aber ist ein Havertz-Wechsel zu Borussia Dortmund überhaupt realistisch? Wohl kaum.

Bayern mischt im Rennen um Havertz vorne mit

Der FC Bayern soll im Werben um das 20-jährige Supertalent ganz vorne mitmischen und sehr gute Chancen haben. Ein Wechsel-Versprechen an irgendeinen Verein seitens des Spielers und dessen Management gibt es nach SPORT1-Informationen aber noch nicht.

Ein Bayern-Transfer in diesem Sommer scheiterte vor allem am Veto von Leverkusens Boss Rudi Völler, der Gespräche mit den Münchnern bestätigte.

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100 Millionen zu viel für den BVB?

Der nächste Bayern-Angriff auf Havertz wird im kommenden Jahr erfolgen, denn im Sommer 2020 will Havertz den nächsten Schritt gehen – und die Werkself trotz eines Vertrags bis 2022 verlassen. Kostenpunkt: Um die 100 Millionen Euro. Havertz hat keine Ausstiegsklausel.

Viel Geld, das die Münchner - im Gegensatz zu den Dortmundern - in einen Spieler wie Havertz wohl investieren würden.

Bereits bei Leroy Sané wären die Bayern diesen Sommer bereit gewesen, viel Geld auszugeben.

Mit Havertz indes wäre ab kommendem Jahr eines der weltweit größten Talente auf dem Markt - und der wohl beste Spieler seines Jahrgangs. Dazu ein deutscher Nationalspieler, der im Mittelfeld alles spielen kann. Prädestiniert also für die Wunschliste der Bayern – aber auch für Dortmund.

Havertz passt in das System von Niko Kovac

Als spielstarker Achter würde er perfekt in das System von Bayern-Trainer Niko Kovac passen. Neuerdings, durch die Leihe von Philippe Coutinho, gibt es bei den Bayern auch wieder die Position des Zehners - Havertz könnte auch diese Rolle einnehmen. 

Beim BVB hingegen ist ausgerechnet Reus der Spielmacher. Dahinter räumen unter Lucien Favre zwei defensive Mittelfeldspieler ab. Eine Position, die Havertz spielen könnte, aber nicht bevorzugt.

Dass die Dortmunder, die in den vergangenen Jahren hervorragend gewirtschaftet haben, zudem in ähnliche Ablöse-Sphären vordringen wie der deutsche Rekordmeister, ist hingegen unwahrscheinlich.

"Ich weiß nicht, wie weit es ablösesummentechnisch noch in die Höhe geht und es Dortmund vielleicht nicht zu viel ist. Aber ich werde mein Bestes geben. So, wie ich es bei Julian (Brandt, d. Red.) gemacht habe und ich habe mit Julian ja noch einen Verbündeten, der ihn noch sehr gut kennt. Von daher warten wir es mal ab", sagte Reus zu SPORT1.

"BVB-Scout" Reus!

Bereits bei Brandt war der BVB-Kapitän maßgeblich an dessen Wechsel beteiligt. Auf einer Länderspielreise suchte er das Gespräch mit dem damaligen Leverkusener. Dieser schwärmt noch heute davon und verriet, dass es ihm "gut getan" hätte, dass "ein Spieler wie Marco" mit ihm gesprochen habe. Nun will es Reus bei Havertz versuchen.

Einige Argumente jedenfalls hat Reus ganz sicher in der Hand: Eine großartige Fankulisse, ein tolles Stadion, dauerhaft vertreten in der Champions League, Bayern-Rivale im Kampf um die Meisterschaft, gute Gehälter. Ebenso wird auch Havertz nicht entgangen sein, dass Talente wie Jadon Sancho beim BVB reifen und sich zu absoluten Stammkräften entwickeln.

Fakt ist auch, dass der BVB für deutsche Top-Spieler immer interessanter wird. Neben Brandt schloss sich auch Nationalspieler Nico Schulz den Dortmundern an.

Kimmich: "Ein Spieler, der sehr gut zu uns passen würde"

Mit ihm sind es nun drei BVB-Spieler im aktuellen Kader von Bundestrainer Joachim Löw. Dem gegenüber stehen fünf Bayern-Akteure (Manuel Neuer, Niklas Süle, Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Serge Gnabry).

Einer davon versuchte hingegen Havertz schon im vergangenen November einen Wechsel zu den Bayern schmackhaft zu machen. "Ich kann ihn nicht kaufen, aber er ist ein Spieler, der sehr gut zu uns passen würde", sagte Kimmich damals auf SPORT1-Nachfrage.

Ein Satz, der unmittelbar nach Havertz‘ Startelf-Debüt im DFB-Dress fiel. Beim 3:0-Testspielsieg gegen Russland spielte er 65 Minuten. Zuvor zwei Minuten gegen Peru (2:1).

Im März diesen Jahres absolvierte er die erste Halbzeit gegen Serbien (1:1). Die folgenden drei Länderspiele in der EM-Quali blieb Havertz ohne Einsatz. Noch kann er also keinen Pflichtspieleinsatz unter Löw vorweisen.

In der DFB-Zentrale setzte der Bundestrainer zuletzt auf Kimmich, sowie Toni Kroos oder Ilkay Gündogan. Einen Platz für Havertz fand er nicht. Das soll sich bald ändern, denn Havertz will seine Top-Leistungen im Verein nun beim DFB bestätigen.

Auch internationale Top-Klubs sind in der Verlosung

Havertz-Fan Reus hat keine Zweifel an ihm: "Der Junge hat enormes Potenzial. Wenn er stabil bleibt und ein gutes Umfeld hat, spricht nichts dagegen, bald einer der Größten zu werden". Reus weiter: "Er ist ein sensationeller Spieler, den man natürlich gerne selbst in den eigenen Reihen hätte."

Allerdings: An Havertz sind nicht nur die Bayern dran. Auch Top-Vereine wie Real Madrid und der FC Barcelona haben nach SPORT1-Informationen ihr Interesse an Havertz hinterlegt. Zudem kann er sich bei der EM 2020 mit Top-Leistungen noch interessanter für andere Vereine machen.

Angesprochen auf seine Zukunft sagte Havertz zu Beginn der Länderspiel-Woche: "Was im nächsten Sommer passiert, werden wir dann erfahren."

Damit aus Reus‘ Wunsch also Realität wird, muss er fortan viel Überzeugungsarbeit leisten.

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