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Leipzig und München - Die ersten 45 Minuten überragen die Bayern unter Niko Kovac. Dann trickst Julian Nagelsmann sein Pendant aus, weil er die Bayern-Schwächen eiskalt ausnutzt.

1:1 bei RB Leipzig - mit nur acht Punkten nach vier Spieltagen hat der FC Bayern somit den schlechtesten Saisonstart seit fünf Jahren hingelegt.

Die ersten 45 Minuten allerdings schien alles auf einen Auswärtssieg hinauszulaufen, denn die Münchner dominierten das Team von Julian Nagelsmann nach Belieben. Niko Kovac sagte später über die erste Hälfte, dass es "das beste Spiel" war, seitdem er Bayern-Trainer ist.

Warum brachten die Bayern den Auswärtssieg nicht unter Dach und Fach? SPORT1 nennt die Gründe.

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Fehlende Kaltschnäuzigkeit

Robert Lewandowski schoss die Bayern mit seinem siebten Saisontor schnell in Führung (3.). Mehrere gute Chancen aber ließen die Münchner später ungenutzt - wie schon oft in der noch jungen Saison. Einen Kopfball von Niklas Süle kratzte RB-Keeper Péter Gulácsi in der Nachspielzeit von der Linie. Einen Vorwurf machte Kovac seiner Elf aber nicht.

"Ich bin mit der Leistung meiner Mannschaft sehr zufrieden. Wir hätten das Spiel gewinnen müssen", so der Trainer. Manuel Neuer war dennoch sauer: "Ich verstehe nicht, warum wir in der zweiten Hälfte das Selbstverständnis nicht hatten, um dieses Spiel für uns zu entscheiden."

SPORT1-Experte Marcel Reif sagte im CHECK24 Doppelpass: "Die Bayern sind im Umbruch und noch nicht so weit, gegen so eine Mannschaft dann den Sack zuzumachen."

Anfällige Außenverteidigung

Nach SPORT1-Informationen analysierte Nagelsmann bereits vor der Partie, dass die Münchner über die Außenbahnen verwundbar sind, weil vor allem die Außenverteidiger in Umschaltmomenten des Gegners häufig zu offen stehen, da sie von Kovac extrem hoch positioniert werden.

Eine Schwäche, welche die Münchner auch am Samstagabend offenbarten. Lucas Hernández spielte erstmals als Linksverteidiger und enttäuschte. Benjamin Pavard auf der rechten Seite wirkte etwas stabiler.

Kovac muss dieses Problem schnellstmöglich lösen. Möglich ist, dass Joshua Kimmich wieder in die Viererkette zurückkehrt. Hernández dürfte vorerst David Alaba ersetzen, der wegen eines Muskelfaserrisses wohl zwei bis drei Wochen ausfallen wird. (Champions League: FC Bayern - Roter Stern Belgrad, Mittwoch, ab 21 Uhr im LIVETICKER)

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"Mit Pavard und Hernández hatten die Bayern eine etwas statische Viererkette. Auf diesem Niveau merkt man das dann. So fehlt den Bayern in der einen oder anderen Szene die Dominanz, um von hinten herauszuspielen", analysierte Ex-Bayern-Star Michael Ballack im CHECK24 Doppelpass.

Thiago oft zu leichtfüßig

Für Kovac ist der Spanier ein Schlüsselspieler und sein verlängerter Arm auf dem Spielfeld. Das Manko Thiagos ist jedoch ein altbekanntes, denn immer noch schwankt er zu oft zwischen Genie und Wahnsinn.

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Gegen Leipzig sorgte er mit Kimmich auf der Doppelsechs anfänglich dafür, dass die Bayern bis zu 90 Prozent Passquote hatten, am Ende 69 Prozent Ballbesitz vorweisen konnten. Zunehmend, auch von anderen Spielern, wurde das Passspiel der Bayern jedoch schlampiger. Ein unnötiger Fehlpass von Thiago in gefährlicher Zone leitete den Foulelfmeter von Leipzig ein, den Emil Forsberg zum 1:1 verwandelte (45.+3).

Wird Kovac im Zentrum Änderungen vornehmen? "Kimmich und Thiago ist mir im Mittelfeld spielerisch zu gut. Javi Martínez wäre die Lösung, aber der ist verletzungsanfällig und wird nicht jünger", sagte Reif.

Taktisch austricksen lassen

Die erste Hälfte ging im Duell Kovac gegen Nagelsmann klar an den Kroaten. Die Bayern zeigten ein starkes Gegenpressing, ließen den Ball laufen, waren präsent in den Zweikämpfen. Nicht nur Thomas Müller stellte fest, dass man den Gegner nach "Strich und Faden" beherrscht habe.

Nach der Halbzeit trickste aber Nagelsmann sein Pendant aus, stellte auf Viererkette um und verstärkte das Mittelfeldzentrum. RB presste, wurde mutiger und die Bayern bekamen weniger Zugriff aufs Spiel.

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"Unser Passspiel und unsere Positionierung waren nach der Umstellung von Julian Nagelsmann nicht mehr so gut wie in der ersten Halbzeit. Darauf haben wir als Mannschaft nicht gut reagiert und haben Fehler gemacht, auch viele Fehlpässe. Wir konnten dem Druck nicht standhalten", meinte Neuer.

Vor Nagelsmanns Taktikkniffen warnte Kovac seine Mannschaft übrigens vor Anpfiff. Geholfen hat es aber wenig, denn die Bayern hatten kaum noch Lösungen parat - auch Kovac nicht.

"Ich würde mir wünschen, dass wir schneller reagieren", sagte Müller anschließend. Als Kritik an Kovac wollte er seine Worte aber nicht verstanden wissen. Danach gefragte antwortete er: "Bitte keine Feuer legen so spät am Abend. Wie bewerten Sie die Arbeit von Ihrem Chef so?" 

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