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Clemens Tönnies äußert sich nach seiner Schalke-Rückkehr noch einmal ausführlicher über den Rassismus-Skandal - und seine Beziehung zu Gerald Asamoah.

Nach seiner Rückkehr auf die Bildfläche des FC Schalke 04 hat Clemens Tönnies noch einmal ausführlicher über die dreimonatige Auszeit wegen seiner rassistischen Aussage Stellung bezogen - und dabei auch neue Details genannt.

Der Aufsichtsratschef berichtete unter anderem über Erkenntnisse aus Unterhaltungen mit afrikanischen Spielern und Mitarbeitern seines Unternehmens zu den Problemen von Migranten. "Der Alltagsrassismus ist viel größer, als ich gedacht habe", sagte Tönnies der Süddeutschen Zeitung. Er hätte Gespräche mit "Fans, Kritikern, Mitarbeitern, Spielern, Afrika-Insidern" geführt. Mit den Spielern hätte er "offen diskutiert, mehrere Stunden lang".

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Die Schilderungen seiner Gesprächspartner hätten sein Bewusstsein für die Thematik weiter geschärft, sagte Tönnies: "Sie machen eigentlich täglich irgendwelche rassistischen Erfahrungen, wenn sie in der Stadt unterwegs sind. Ich habe gesagt: Das glaube ich nicht. Doch, sagten sie. Da ist mir nochmal einiges klar geworden." (Tönnies' Skandal-Aussagen über Afrika im Wortlaut)

Tönnies: Asamoah hat sich "mit Recht" aufgeregt

Ein klärendes Gespräch hätte es auch mit mit Schalke-Urgestein Gerald Asamoah gegeben, der Tönnies' Aussagen scharf kritisiert hatte. "Er hat sich aufgeregt, mit Recht. Wir haben uns ausgesprochen, und ich habe ihm gesagt: Das ist nun mal passiert, es tut mir leid", berichtete Tönnies: "Wir haben eine lange und tiefe Freundschaft, und jetzt sind wir dabei, wieder ein normales Verhältnis zu entwickeln. Ich habe das Gefühl, dass nichts mehr zwischen uns steht."

Kein Thema in dem Interview war der frühere S04-Profi Hans Sarpei, der Tönnies noch heftiger kritisiert hatte.

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Tönnies' Darstellung zufolge hatte er zwischenzeitlich an einen Komplett-Rückzug gedacht, er hätte mit dem Klub bereits abgeschlossen gehabt. Nach der Entscheidung des Ehrenrats für das dreimonatige Tätigkeitsverbot sei er "nach den Erlebnissen der Tage zuvor total platt" gewesen: "Ich bin ins Auto gestiegen und habe in diesem Moment wirklich gedacht, dass ich nie wieder nach Schalke fahre." Der Rückhalt, den er klubintern gespürt hätte, hätte ihn dann aber umgestimmt.

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Tönnies wähnt vor seiner noch nicht genauer geplanten Rückkehr ins Stadion den größten Teil der Schalker Anhängerschaft weiter hinter sich: "Ich glaube, dass das eine große Anzahl ist, der überwiegende Teil derer, die im Stadion sind." Auf Kritiker unter den Fans der Königsblauen ist der Fleischfabrikant allerdings auch eingestellt: "Da gibt's welche. Ich weiß, dass ich nicht jedermanns Freund bin."

Kritik von Nübel "völlig richtig"

Der 63-Jährige bekräftigte mehrfach, dass er seine rassistische Aussage bereue und dass er bei allen, die er beleidigt hätte um Entschuldigung bitte. Nach eigenen Angaben nagen Tönnies' Aussagen auch an ihm selber: "Ich wache seit drei Monaten nachts auf und denke über diesen Satz nach. Afrika und die Menschen in Afrika liegen mir unglaublich am Herzen." Tönnies verwies noch einmal auf seine zahlreichen Reisen nach Afrika, generell sei er "ein Menschenfreund".

Auf eine entsprechende Nachfrage äußerte Tönnies auch keine Kritik an der Heftigkeit der Verurteilungen, die über ihn hereinbrachen: "Ich bin da selbstkritisch. Für mich ging es immer in die Richtung: "Du bist der Verursacher. Wenn du erkennst, dass du einen Fehler gemacht hast, dann musst du den Fehler nicht bei anderen suchen."

Tönnies akzeptierte auch die Kritik von Torwart Alexander Nübel, der Tönnies zwar vor dem Vorwurf, ein Rassist zu sein, in Schutz genommen hatte, aber auch betonte: "Dass man das, was Herr Tönnies gesagt hat, nicht sagen und nicht denken darf, ist in meinen Augen unstrittig." Tönnies' Antwort darauf: "Tipptopp. Was Alex gesagt hat, ist völlig richtig."

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