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München - Bei Frankreich ist er gesetzt, beim FC Bayern München kommt Corentin Tolisso nach seiner Verletzung weiter nicht in Tritt. Das hat auch mentale Gründe.

Ein kurzer Antritt, das perfekte Timing für den Absprung, Kopfball - drin ist das Ding. Wie Corentin Tolisso Frankreichs Nationalmannschaft am Sonntagabend nach Freistoßflanke von Antoine Griezmann in Albanien nach acht Minuten in Führung brachte, hatte etwas Unwiderstehliches. So entschlossen würden ihn die Verantwortlichen des FC Bayern auch gerne mal wieder erleben.

Rückblende: Im Sommer 2018 kehrt Tolisso als Weltmeister aus Russland wieder. Auch bei den Münchnern hat der damalige Bundesliga-Rekordtransfer (kam für 41,5 Millionen Euro von Olympique Lyon) eine sehr ordentliche Premierensaison im Rücken. In 40 Pflichtspielen hatte Tolisso zehn Tore erzielt und sieben weitere aufgelegt – ein guter Wert für einen Mittelfeldspieler.

Doch dann folgte der Tag, der Tolissos weitere Entwicklung bis heute massiv beeinflusst. Am 3. Spieltag der Saison 2018/19 riss dem Franzosen im Bundesliga-Spiel gegen Bayer Leverkusen das Kreuzband.

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Tolisso bekommt Extralob nach starker Vorbereitung

Die Saison war für den Weltmeister gelaufen, erst im Finale des DFB-Pokals feierte Tolisso sein Comeback. Beim 3:0-Erfolg des Teams von Niko Kovac gegen RB Leipzig wurde er in der Schlussphase eingewechselt.

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Zur neuen Saison wollte der wieder fitte Tolisso wieder voll angreifen. Nach guter Vorbereitung gab es sogar ein Extralob des Trainers. "Heute hat man gesehen, welche Fähigkeiten und welche Ruhe er am Ball hat, dass er ein sehr guter Positionsspieler ist, eine sehr gute Übersicht hat und natürlich auch torgefährlich ist", schwärmte Kovac nach dem 3:1-Testspielsieg gegen Real Madrid auf der USA-Reise.

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So stand Tolisso in den ersten beiden Ligaspielen über die volle Distanz auf dem Rasen. Doch seitdem folgten in der Liga zur noch zwei Startelfeinsätze, der bislang letzte bei der 1:2-Niederlage gegen die TSG 1899 Hoffenheim, bei dem Tolisso wie auch der Rest des Teams ein ganz schwaches Spiel ablieferte.

Und das nur vier Tage, nachdem er mitgeholfen hatte, den diesjährigen Champions-League-Finalisten Tottenham Hotspur in London mit 7:2 zu entzaubern.

Tolisso macht sich Sorgen um sein Knie

Doch trotz der zu Saisonbeginn regelmäßigen Einsatzzeiten fiel auf: Tolisso war zwar fit, ganz der Alte war er allerdings nicht. Von seiner WM-Form ist er bislang ein gutes Stück entfernt.

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Einen Grund dafür lieferte Tolisso vor wenigen Tagen selbst. Im Interview mit Le Parisien gab er zu, dass "Zweifel existieren". Der Mittelfeldspieler macht sich weiterhin sorgen um sein Knie. "Wird mein Knie wieder wie früher? Werde ich wieder so gut wie früher?" Diese mentale Belastung scheint eine Art Handbremse im Spiel des Franzosen zu sein.

Um das volle Vertrauen zurückgewinnen, bedarf es Spielpraxis. Doch die wurde in letzter Zeit weniger. Am Mittelfeld-Duo Joshua Kimmich/Thiago war in den letzten Kovac-Wochen kaum ein Vorbeikommen, in den letzten drei Bundesliga-Spielen unter Kovac reichte es gerade einmal für 14 Einsatzminuten.

Zudem gab es im Oktober neue Aufregung, als sich Tolisso während einer Trainingseinheit ans Herz fasste. Die Bayern gaben allerdings schnell Entwarnung.

Bei Flick draußen - unter Deschamps gesetzt

Der Trainerwechsel schien für Tolisso genau zum richtigen Zeitpunkt zu kommen, zumal Interimstrainer Hansi Flick das Bayern-Mittelfeld nahezu komplett umbaute. Die kreativen Feingeister Thiago und Philippe Coutinho fanden sich in beiden Partien unter Flick auf der Bank wieder, der 54-Jährige setzte stattdessen auf Tugenden der Zweikampfstärke und des Kampfes.

Dennoch war bislang auch unter Flick kein Platz für Tolisso. Das Mittelfeld bestand aus Kimmich und dem genesenen Leon Goretzka, auch Thomas Müller durfte sich erneut beweisen. Vor allem beim 4:0-Sieg gegen den BVB ging der Flick-Plan voll auf. Kein Grund also, das Mittelfeld zu verändern.

Paradox: In der französischen Nationalmannschaft ist Tolisso seit seiner Rückkehr wieder fester Bestandteil, Trainer Didier Deschamps setzt nach wie vor auf den 25-Jährigen. In jedem der sechs EM-Qualifikationsspiele von Les Bleus seit September stand der Bayern-Spieler die komplette Distanz auf dem Platz, so auch am vergangenen Donnerstag beim 2:1-Sieg gegen Moldawien.

Dabei profitierte er allerdings auch von der Verletzung von Paul Pogba. Beim 2:0-Erfolg in Albanien brachte Tolissos frühes Tor den Weltmeister früh auf die Siegerstraße.

Der Mittelfeldmann verfällt trotz der geringen Einsatzzeiten beim Rekordmeister nicht in Panik. Es sei "kein Fußballer glücklich auf der Bank", erklärte er gegenüber Le Parisien. Er bleibe aber gelassen. Der Münchner Kader habe "sehr hohe Qualität", dadurch ergebe sich "auf allen Positionen großer Wettbewerb". Er will geduldig bleiben und verspricht: "Ich komme stärker zurück." Dazu müsste er allerdings auch die mentale Handbremse lösen.

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