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Dortmund - Borussia Dortmund kassiert zu viele Gegentore - daran ändert auch das furiose Comeback gegen Augsburg nichts. SPORT1 zeigt auf, wo die Probleme liegen.

Nach dem 5:3-Stolpersieg in Augsburg schlugen die BVB-Bosse Alarm!

"Wir müssen uns in vielen Punkten verbessern", sagte Michael Zorc. "Das Abwehrverhalten insgesamt ist alles andere als gut. Das macht mir - ganz ehrlich - sorgen." Und der Manager wurde sogar noch deutlicher: "So können wir unsere Ziele nicht erreichen!"

Der Rückstand auf Spitzenreiter RB Leipzig bleibt vor dem Heimspiel am Freitag gegen den 1. FC Köln (Bundesliga: Borussia Dortmund - 1.FC Köln, Fr., ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) bei sieben Punkten. Den Titel haben die Dortmunder längst nicht abgehakt.

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Trainer Lucien Favre sagte zuletzt: "Das sind zwei Siege und ein Unentschieden. Alles ist möglich." Aber der Schweizer weiß auch: so wird das nichts! Leisten sich die Schwarz-Gelben weiterhin vor allem in der Abwehr so eklatante Fehler, bleibt die erste Meisterschaft nach 2012 ein Traum.

Deshalb ließ der Trainer am Dienstag im Training die letzten 45 Minuten intensiv das Defensivverhalten trainieren, indem er vier Verteidiger gegen sechs Offensive antreten ließ und die Abwehrspieler lautstark anspornte. "Kommt Jungs, kein Tor ist das Ziel", rief er. "Verschieben! Kommt, sprecht miteinander! Tempo, allez! Positionen halten, Zuordnung."

SPORT1 zeigt die Zahlen der Dortmunder Wackel-Abwehr

Gegen Ende der Hinrunde hatte Favre sein Defensiv-System auf eine Dreierkette umgestellt. Darin gesetzt sind Mats Hummels, Manuel Akanji und Dan-Axel Zagadou, der gegen Augsburg angeschlagen fehlte. 

Unter Dortmunds Innenverteidigern weiß vor allem Zagadou mit 72 Prozent gewonnenen Zweikämpfen zu überzeugen. Ligaweit liegt er unter den Innenverteidigern, die mindestens fünf Saisonspiele bestritten haben, auf Platz fünf. Mit deutlichem Abstand folgen Hummels (62 Prozent) und Akanji (60 Prozent) im Mittelfeld des Rankings.

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Hauptproblem ist aber nicht die Zweikampfquote in der BVB-Abwehr, sondern die vielen haarsträubenden individuellen Böcke. Der Beweis: Die BVB-Spieler leisteten sich in dieser Saison bereits neun (!) individuelle Fehler, die zu gegnerischen Torschüssen führten. Das toppt nur der SC Freiburg (11).

Schlimmer noch: In den letzten drei Bundesliga-Spielen leistete sich die schwarz-gelbe Wackel-Abwehr drei individuelle Fehler vor Gegentoren – zwei gegen Leipzig (3:3) und zuletzt einen beim 5:3 gegen Augsburg. Kein anderes BL-Team kommt in diesem Zeitraum auf mehr als einen Fehler. In den 15 Saisonspielen zuvor war Dortmund noch ohne individuellen Fehler geblieben, der in einen Gegentreffer mündete. 

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Was ebenfalls für mangelnde Konzentration im BVB-Lager spricht: In der Viertelstunde nach der Pause kassierte Dortmund schon acht Gegentreffer (allein zwei davon gegen Augsburg) – das ist Ligahöchstwert zusammen mit Bremen!

Das Problem mit den Außenverteidigern

Favre moserte nach dem Ach-und-Krach-Sieg in Augsburg: "Wir können 5:3 gewinnen, das ist ein gutes Zeichen. Aber wir können nicht immer fünf Tore machen. Ob mit Erling (Haaland) oder ohne." Und weiter: "Wir kassieren zu viele unnötige Tore durch Stellungsfehler oder mangelnde Antizipation."

Durchaus anfällig zeigt sich der BVB auch auf den defensiven Außenbahnen. Vor allem Achraf Hakimi, der Stand jetzt am Saisonende zunächst zu Stammverein Real Madrid zurückkehren wird, gewann in dieser Bundesliga-Saison auf dem rechten Flügel nur 51 Prozent seiner direkten Duelle, Linksverteidiger Nico Schulz sogar nur 46 Prozent. Zum Vergleich: Bayerns Senkrechtstarter Alphonso Davies kommt in dieser Bundesliga-Saison auf starke 61 Prozent gewonnene Zweikämpfe. 

Hakimi hat seine Stärken eindeutig im Offensivspiel (schon acht Scorerpunkte), lässt als vorgezogener Spieler vor der Dreierkette aber durch seien Ausflüge nach vorne viel Raum in seinem Rücken. Auch deshalb sprach ihn Favre im Dienstagstraining immer wieder explizit an: "Komm Achraf. Mitlaufen, verschieben. Enger verteidigen!"

Die rechte Seite ist die Dortmunder Problemzone. Drei der letzten fünf Gegentore fielen über diesen Flügel, wo Lukasz Piszczek bei aller Erfahrung Tempodefizite nicht mehr verbergen kann. Nahezu die Hälfte der gegnerischen Angriffe ging in Augsburg über rechts (48 Prozent), die beiden Tore von Florian Niederlechner wurden über rechts eingeleitet. 

Auch deshalb halten die Dortmunder intensiv Ausschau nach einem defensivstarken Rechtsverteidiger. Weiterhin auf dem Zettel: Nationalspieler Lukas Klostermann. In Leipzig hat der 23-Jährige (Marktwert 35 Mio. Euro), der im Pott 20 Kilometer vor Dortmund aufwuchs, noch Vertrag bis 2021.

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