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München - DFL-Geschäftsführer Christian Seifert nennt im exklusiven SPORT1-Interview die Hintergründe zum Bundesliga-Stopp bis 30. April.

Die Bundesliga pausiert weiterhin, jetzt bis mindestens zum 30. April. 

Das ist das Ergebnis der außergewöhnlichen Video-Sitzung des DFL-Präsidiums, bei dem die 36 Profiklubs über die umtitelbare Zukunft des deutschen Profifußballs abstimmten. 

Im exklusiven SPORT1-Interview spricht DFL-Geschäftsführer Christian Seifert über die aktuelle Situation der Bundesliga und den Umgang mit der Coronakrise.

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Seifert über...

einen möglichen Saisonabbruch:

Einen Schlussstrich zu ziehen, klingt erstmal gut, wirft aber eine ganze Menge anderer Fragen auf. Angefangen bei einem erheblichen Risiko für eine Vielzahl von Klubs. Darüber hinaus ergeben sich sehr viele Fragen im sportlichen Bereich, die unter Umständen auch juristische Fragen nach sich ziehen. Wenn es zum Beispiel um Aufstieg, Abstieg oder die Teilnahme für europäische Wettbewerbe geht. In letzter Konsequenz ist es erst einmal der Anspruch jeder Liga, die sportlichen Entscheidungen tatsächlich auf dem Platz auszutragen - gezwungenermaßen für eine Zeit ohne Zuschauer. Das geht nicht anders, das wünscht sich zwar niemand, aber da kommen wir nicht umhin. Aber jetzt einfach abzubrechen, das wäre - auch aus Sicht der Klubs - nicht die richtige Entscheidung.

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die wirtschaftlichen Nöte vieler Bundesligavereine: 

Ich kann keine Auskünfte über den finanziellen Zustand einzelner Klubs geben. Tatsache ist, dass einige Klubs über die letzten zehn Jahre ein gewisses wirtschaftliches Verhalten an den Tag gelegt haben - andere vielleicht ein etwas anderes. Einige Klubs sind auf- und wieder abgestiegen, mit dem Wunsch nach sportlichem Erfolg vielleicht Investitionen getätigt haben und ein wenig versäumt haben, ein finanzielles Polster aufzubauen. Das ist aber in solchen Phasen leicht gesagt. Eine Corona-Pandemie hat weltweit niemand vorausgesehen. Es beschäftigen sich derzeit weltweit noch ganz andere Unternehmen damit, zu sehr ungewöhnlichen Maßnahmen zu greifen. Die haben noch deutlich mehr finanzielle Erfolge in der Vergangenheit erzielt und Quartals-Milliardengewinne verkündet. Insofern ist das jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, um mit dem Finger auf einzelne Klubs zu zeigen. Jetzt geht es darum, mit der Situation fertig zu werden.

die Frage, ob die DFL künftig mehr auf die Rücklagen der einzelnen Klubs achten muss: 

Auf solche Katastrophensituationen kann man sich nicht vorbereiten. Ich weiß nicht, ob SPORT1 auf die Corona-Pandemie vorbereitet war, das würde ich bezweifeln. Wir waren es jedenfalls nicht. Wenn ich sehe, dass hundertausende von Unternehmen in dieser Situation Kurzarbeit angemeldet haben, dann hatten es alle nicht. Ich glaube, dies wäre auch der falsche Ansatz. Die Frage, die man stellen muss ist, ob man vielleicht im Nachgang die Ansprüche an das Lizenzierungsverfahren, die ohnehin in Europa am höchsten sind, noch weiter nach oben schraubt. Wir sind in einer Phase, wo wir, aber auch unsere Partner, sehr schwierige Zeiten durchleben. Da muss man versuchen, gemeinsam zu einer Lösung zu kommen. Sollt sich diese Situation bis in den Mai oder Juni verlängern, dann kämen einige Klubs gut damit klar - andere vielleicht etwas weniger. Aber jetzt zeigt sich, ob man da im Kollektiv versucht alle mitzunehmen und durchzubringen. 

Überlegungen, die 50+1-Regel abzuschaffen: 

Ich bin kein Freund davon, in solchen Extremsituationen mit Extrem-Szenarien zu antworten. Wir versuchen erst einmal, uns im Rahmen eines gewissen Rasters durchzusteuern. Jetzt die 50+1-Regel aufzuheben - unabhängig davon, ob das überhaut ginge - weiß ich nicht, ob das in der jetzigen Situation der richtige Ansatz wäre. Aber unabhängig davon müssen sich die Klubs damit befassen, wie man mit der finanziellen Situation umgeht. Aber genau in dieser Phase über Investorenmodelle nachzudenken, das weiß ich nicht, ob das der richtige Ansatz ist.

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