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München - Großveranstaltungen sind bis Ende August untersagt. Die Hoffnungen der Bundesliga ruhen auf Geisterspielen. Dafür muss die Liga aber eine To-Do-Liste abarbeiten.

Schritt für Schritt bereiten sich die Bundesliga-Klubs auf den Tag X vor, doch der Weg zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist wieder ein Stück länger geworden.

Die vagen Hoffnungen auf einen Re-Start der Bundesliga Anfang Mai sind geplatzt, die Bundesliga sei kein Thema in den Beratungen der Politik gewesen, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Mittwoch.

Einen Tag später machte der CSU-Politiker aber Hoffnung, dass zumindest mittelfristig der Ball wieder rollt.

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"Wir werden in den nächsten Wochen gemeinschaftlich diskutieren, ob Geisterspiele möglich sind. Ich halte das aber für denkbar", erklärte Söder in München.

Kubicki: "Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen"

Auch der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki sieht keinen Grund, warum die Bundesliga ihre Saison im Mai nicht mit Geisterspielen fortsetzen sollte. "Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, solange gewährleistet ist, dass wir keine Rudelbildung mit Zuschauern haben werden", sagte Kubicki bei Sky.

Bis zur nächsten Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder am 30. April muss die Liga, die am 23. April ihr nächstes virtuelles Krisentreffen abhält, ein Konzept vorlegen, wie der Ball in der Coronakrise wieder rollen kann.

Fest steht seitens der Politik seit Mittwoch, dass bis Ende August alle Großereignisse untersagt sind. Eine Fortsetzung der Bundesliga ist daher nur in Form von Geisterspielen möglich. Doch auch dafür bedarf es umfangreicher Vorkehrungen. SPORT1 präsentiert die To-Do-Liste:

- Spielplan entwerfen/Spielorte festzurren:

Neun Spieltage stehen in der Bundesliga noch aus. Ausgehend von einem geplanten Start am 9. Mai braucht es zwei Englische Wochen, um die Saison rechtzeitig bis Ende Juni zu Ende zu bringen.

Die Liga muss daher einen Spielplan für die 82 noch ausstehenden Partien - neun Spieltage plus ein Nachholspiel - entwerfen. Da die genaue Definition eines Großereignisses zudem Ländersache ist, kann möglicherweise nicht an jedem Bundesliga-Standort gespielt werden. Hier gilt es, geeignete Spielorte zu finden.

Dabei muss vor allem das Infektionsrisiko der Protagonisten minimiert werden. "Ich glaube, dass es sehr schwer werden würde, die Geisterspiele so zu veranstalten, dass die Gesundheit der Spieler geschützt wäre. Durch den Kontaktsport ist die Übertragung von Viren kaum vermeidbar, wenn jemand infiziert ist", sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.

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- ​Quarantänelager für Teams schaffen

Um die Gesundheit der Spieler zu gewährleisten, wurde zuletzt über die Idee diskutiert, die Teams für die restliche Saison in Hotels einzukasernieren.

Derlei Gedankenspiele stoßen allerdings nicht überall auf Gegenliebe, wie BVB-Keeper Roman Bürki kürzlich betonte: "Wenn es so kommen würde: Klares Nein! Das kann ich mir nicht vorstellen."

​- Regelmäßige Corona-Tests

Der Profifußball benötigt etwa 20.000 Corona-Tests für die ausstehenden Begegnungen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) geht in diesem Zusammenhang von einer deutschlandweiten Testkapazität von mindestens 550.000 pro Woche aus.

Die Argumentation ist klar: Angesichts einer Kapazität von mehreren Millionen über mehrere Wochen hinweg sind 20.000 Tests für den Profifußball in diesem Zeitraum vertretbar.

Wegen der begrenzten Testkapazität bezweifelte SPD-Politiker Lauterbach allerdings eine baldige Fortsetzung des Spielbetriebs. "Ich denke, im Herbst könnte wieder gespielt werden, wenn wir dann genügend Tests haben und keiner das Gefühl hat, hier wird einem etwas weggenommen", sagte er im CHECK24 Doppelpass am Sonntag.

Dem widerspricht Dr. Evangelos Kotsopoulos vom Berufsverband "Akkreditierte Labore in der Medizin" (ALM e.V.) in Deutschland. "Selbst wenn die 36 Vereine ihr Personal alle zwei Tage durchtesten würden mit jeweils 40, 50 Personen, liegen wir unter einem halben Prozent der Testkapazitäten. Das ist in absoluten Zahlen so gering, dass das regional vor Ort einfach so mitgemacht würde. Das sehen wir als vollkommen unproblematisch an", sagte der ALM-Vorsitzende bei Welt und Bild.

Die DFL hatte bei ihrer letzten Sitzung eine "Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb" unter der Leitung von Nationalmannschaftsarzt Prof. Dr. med. Tim Meyer gegründet, die sich in Abstimmung mit externen Experten und Behörden unter anderem mit der Durchführung von Spieltagen befasst.

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​- Thema Sicherheit und Fans

Beim Geisterspiel von Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln kurz vor Unterbrechung des Spielbetriebs feierten trotz des Verbots von Zuschauern im Stadion anschließend hunderte Gladbach-Fans den Derbysieg vor dem Borussia Park.

Solche Szenen sollten sich bei einem Re-Start der Liga nicht wiederholen, stehen sie doch im Widerspruch zu den weiterhin geltenden Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wie etwa Kontaktsperren und Abstandsregelungen. Die Polizei sowie die Sicherheitsdienste der Klubs vor Ort müssten dafür sorgen, dass sich ihre Fans nicht um das Stadion herum versammeln, um ihrem Team "nah" zu sein.

Offen ist in diesem Zusammenhang auch noch, ob die Fans stattdessen die Spiele ihrer Klubs in Fußballkneipen verfolgen können, da die Regierung am Mittwoch die Wiedereröffnung von Gaststätten ebenfalls auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben hat.

​- Finale Konzepte für Durchführung von Geisterspielen

Da beim Geister-Rheinderby zwischen Gladbach und Köln am 11. März noch immer rund 600 Personen im Stadion waren, arbeitet die DFL an einem Plan, diese Zahl zu drücken.

Nach SPORT1-Informationen ist das Bestreben, maximal 300 Personen pro Geisterspiel im Stadion zu haben. Zuletzt war von 239 Personen die Rede, die für den Ablauf eines "Geisterspiels" zugelassen werden sollen.

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​- Zahlung der TV-Gelder

Je länger der Ball ruht, desto bedrohlicher wird die finanzielle Situation für einige Profiklubs, etwa für den FC Schalke 04. Die noch ausstehende Zahlung der letzten Rate der TV-Gelder, die eigentlich schon am 10. April fällig gewesen wäre, ist daher eine Grundvoraussetzung für die Fortsetzung des Spielbetriebs.

Alle aktuellen Meldungen, Entwicklungen und Auswirkungen auf den Sport durch die Covid-19-Krise im Corona-Ticker!

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert befindet sich daher im Austausch mit den Rechteinhabern der Liga. Laut kicker soll die letzte Rate in Höhe von 304 Millionen Euro am 2. Mai an die DFL überwiesen werden.

- Geschlossenheit demonstrieren

DFL-Boss Seifert rief zu Geschlossenheit auf - und verpasste den 36 Profiklubs einen Maulkorb bezüglich Gedankenspielen zur Fortsetzung der Saison, um die öffentliche Meinung nicht gegen sich aufzubringen.

"Wir werden bereit sein", versprach Seifert zuletzt und stellte klar: "Es darf nicht der Eindruck entstehen, der Fußball ignoriere in seiner Selbstbezogenheit die Realität."

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