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München - Nach einem positiven Signal der Politik hoffen die deutschen Fußballfans auf den 9. Mai. Doch die Wiederaufnahme es Spielbetriebs ist keinesfalls gesichert.

Seit Montagnachmittag haben die Fußballfans in Deutschland mehr, als sie in Zeiten der allgemeinen Unsicherheit durch die Coronakrise bislang hatten: ein Datum.

Der 9. Mai ist nun der Tag, auf dem die Hoffnungen vieler Fußballfans, Spieler und Vereine ruhen. Zwar müssen die Stadien bis Saisonende definitiv leer bleiben, aber immerhin besteht die realistische Möglichkeit, dass wieder ein Ball über einen grünen Rasen rollt.

Das positive Signal, dass es am Wochenende um diesen Samstag wieder losgehen könnte, kam aus der Politik.

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, verkündeten die Botschaft gemeinsam in einer Liveschalte mit der Bild. Schließlich sei "ein Wochenende mit Fußball deutlich erträglicher als ein Wochenende ohne Fußball", wie es Söder ausdrückte.

DFL-Präsidium widerspricht Lauterbach

Durch die Geisterspiele soll für Millionen Fußballfans in schweren Zeiten "ein Stück Normalität" zurückkehren, stellte Gesundheitsminister Jens Spahn klar. Das deutlich erkennbare Motto: Brot und Spiele.

Um bloß nicht den Eindruck zu vermitteln, man nehme eine Sonderrolle ein oder - noch schlimmer - agiere auf Kosten der Gesellschaft, ließ das DFL-Präsidium am Dienstagnachmittag eine Stellungnahme folgen.

"Es geht an den Fakten vorbei, wenn unterstellt wird, dass eine mögliche engmaschige Testung eine Unterversorgung der Bevölkerung verursache", heißt es in dem Schreiben.

Genau dies hatte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bereits am 12. April im CHECK24 Doppelpass angemahnt - um acht Tage später noch einmal nachzulegen. "Es ist falsch, zehntausende Tests für Geisterspiele zu verbrauchen, während in den Pflegeheimen und bei Lehrern noch nicht ausreichend getestet werden kann", twitterte der Bundestagsabgeordnete am Montag.

Dem entgegnet die DFL vehement: "Die Test-Kapazitäten sind in den vergangenen Wochen massiv gesteigert worden", heißt es. Das derzeit diskutierte Konzept erfordere "weniger als 0,5 Prozent der aktuellen Testkapazität".

Ob die Testkapazität wirklich so unproblematisch ist, wie die DFL es vermittelt? "Ich denke, man sollte die Tests dort anwenden, wo es medizinisch sinnvoll ist", mahnte der Vizepräsident des Instituts Lars Schaade kürzlich.

Eine brisante Meinung, auch weil Söder klar gestellt hatte, dass Spahn und auch das Robert-Koch-Institut noch einmal final über die Pläne der DFL "drüber schauen" sollten. 

Maximal 300 Menschen gleichzeitig im Stadion?

Voraussetzung für die ermunternde Bewertung von Söder und Laschet war ein aus ihrer Sicht gut durchdachtes Konzept, das der DFB und die DFL vorgelegt hatten. "Das sind positive Signale, die ausgesendet wurden. Das gibt beiden Ligen eine wichtige Perspektive", freute sich DFL-Geschäftsführer Christian Seifert bei der Bild.

Höchstens 300 Menschen auf dem Stadiongelände, strikte Einteilung in Zonen, Fragebögen zur Risikominimierung - so sieht offenbar das Konzept der Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb der DFL zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der 1. und 2. Bundesliga aus.

Der Spiegel veröffentlichte auf seiner Webseite einen entsprechenden Entwurf mit Stand 15. April, die endgültige Fassung werde erst später erstellt, ergänzte das Nachrichtenmagazin.

In dem 41-seitigen Dokument mit dem Titel "Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb im Profifußball" sind höchst detaillierte Pläne vorzufinden, wie in Zeiten der Coronavirus-Pandemie ein Geisterspiel mit möglichst niedrigem Infektionsrisiko ablaufen soll.

Die Task Force um Tim Meyer, den Vorsitzenden der Medizinischen Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), legt in dem Entwurf etwa fest, dass maximal 300 Menschen gleichzeitig im Stadion sein dürfen.

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Was passiert bei einem positiven Test?

Dennoch bleibt die Frage: Was passiert, wenn ein Beteiligter positiv auf Covid-19 getestet wird?

"Sollten Spieler positiv getestet werden, kommt der der Spielbetrieb wieder zum Erliegen", beschrieb Söder das Szenario aus seiner Sicht. Tatsächlich erscheint es schwer vermittelbar, einen positiv getesteten Profi in Quarantäne zu schicken und das betroffene Team trotzdem weiter Spiele austragen zu lassen.

In dem Spiegel-Dokument wird auch aufgelistet, wie sich die Vereine verhalten sollen, wenn positive Fälle auftreten. Etwa: "Keine automatische Meldung eines positiven Falles an die Presse, da Krankheitsverifizierung sowie die klare Dokumentation der vermutlichen Übertragungswege im Vordergrund stehen."

Bei einem Ansteckungsfall müssten wohl auch die Spieler anderer Teams in Quarantäne, gegen die der Klub in den zwei Wochen zuvor gespielt hat. Ein geregelter Spielbetrieb wäre dann nicht mehr möglich. Die DFL muss daher zu jeder Zeit glaubhaft vermitteln können, dass keine Gefahren für eine Ansteckung bestehen. 

Falls der Ligabetrieb nach dem Neustart wieder unterbrochen werden müsste, würde das die Bundesliga und auch die Klubs hart treffen. Die Beendigung der Saison stünde dann auf der Kippe. Das hätte existenzbedrohende Folgen für mehrere Profiklubs.

Genau aus diesem Grund forderte Seifert von Spielern und Fans Disziplin. Mögliche Ansammlungen von Anhängern bei privaten Übertragungen der Spiele und – deutlich schwerwiegender – vor den Stadien gelten als Risiko. "Das werden wir zu verhindern wissen", äußerte sich Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern, zu Letzterem.

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Wie könnte der Spielplan aussehen?

Die DFL plant nach wie vor, die Saison bis zum 30. Juni zu einem sportlichen Ende zu bringen. Dies scheint bei einem Start am 9. Mai bei noch neun ausstehenden Spieltagen auch möglich zu sein. Ungeklärt ist allerdings, mit welchem Spieltag die Bundesliga ihr Comeback geben will.

Nachdem die Liga nach dem 25. Spieltag unterbrochen werden musste, liegt es nahe, dass der Spielbetrieb mit dem 26. Spieltag fortgesetzt wird. Eine andere Möglichkeit ist jedoch, die Liga mit dem 33. Spieltag fortzusetzen, da dieser auch ursprünglich für das Wochenende um den 9. Mai geplant war.

Die Bild will erfahren haben, dass die DFL letzteres Szenario präferiert und erst nach dem 33. und 34. Spieltag die Spieltage 26 bis 32 nachholen will. Dafür spricht auch die Ansetzungen der Partien.

Am 33. Spieltag würde es nämlich zum Topspiel zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig kommen. Sportlich brisant, allerdings mit Blick auf die Sicherheit wohl deutlich wenig riskant als das Derby, das am 26. Spieltag anstehen würde: Borussia Dortmund gegen Schalke 04. Die DFL könnte es vorziehen, nicht gleich zum Wiederauftakt dem Ernstfall Revierderby ausgesetzt zu sein.

Mit welchem Spieltag es auch losgehen könnte, viele Menschen in Deutschland fiebern nun dem 9. Mai entgegen. Damit an diesem Samstag allerdings auch tatsächlich wieder der Ball rollt, ist zunächst ein anderes Datum wichtig: der 30. April.

Dann findet die nächste Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Länderchefs statt. Dort soll eine Entscheidung über eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs im deutschen Fußball fallen.

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