Lesedauer: 12 Minuten
teilenE-MailKommentare

Wie stellt sich Schalke nach der Ära Tönnies auf? Eine erste Antwort gab die PK mit Trainer David Wagner und den Vorständen Jochen Schneider und Alexander Jobst.

Wie geht es nach dem Aus von Clemens Tönnies auf Schalke weiter? Auf einer Pressekonferenz stellten sich Cheftrainer David Wagner, Sport-Vorstand Jochen Schneider und Alexander Jobst, der als Vorstand Marketing & Kommunikation firmiert, den Fragen über die Zukunft der Königsblauen. Daneben wurde auch auf die abgelaufene Saison zurückgeblickt. 

Die PK im LIVETICKER nachlesen.

+++ Das war's von der PK +++

Nach knapp eineinhalb Stunden ist die Pressekonferenz beendet.  

Anzeige

+++ Wann geht es weiter? +++

Wagner: Der 31. Juli ist der erste Tag, an dem wir uns treffen. Dann stehen erst einmal zwei Coronatests an. Es wird schwer werden, Testspiele zu vereinbaren. 

+++ Was passiert mit Stambouli, Miranda und Kenny?

Schneider: Wir würden ihn gerne hier behalten. Schauen wir mal, was passiert. Miranda wird uns verlassen, das können wir bestätigen. Er hat darum gebeten, die Leihe mit dem gestrigen Tag zu beenden.  Bei Kenny sind wir sehr zufrieden, wir haben unser Interesse hinterlegt, dass er noch einmal ein Jahr ausgeliehen wird. Everton hat das anders gesehen, das ist dann so.

+++ Was passiert mit Bentaleb, Rudy und den Keepern? 

Schneider: Erstmal planen wir mit allen Spielern, das ist Fakt. Alle anderen Dinge werden wir sehen. Die Diskussionen bringen jetzt nichts.

Wagner. Mit den beiden Torhütern Fährmann und Schubert bin ich absolut einverstanden 

+++ Frage nach Sprints und Laufleistung +++

Schneider: Wir waren in der ersten Saisonhälfte in vielen Statistiken vorne dabei. Wir haben eine gute Truppe, wir kriegen sie wieder dahin, wo sie mal waren.

+++ Frage nach Kabak und McKennie +++

Bleiben Kabak und McKennie auf Schalke? Schneider: Ich kann die Frage aus dem Stand nicht zu 100 Prozent beantworten.

+++ "Ich will das korrigieren" +++

Wagner: "Auch ich persönlich will diese zweite Saisonhälfte korrigieren, wir wollen zeigen, dass wir es können. Die ersten sieben Monate waren kein Zufall. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit den Personalenstcheidungen (Athletiktrainer) schnell einen Ertrag sehen. 

+++ Wagner über die Saison +++

Wir haben mit zwei verschiedenen Mannschaften gespielt. Nach den beiden Spielen gegen Berlin (Meisterschaft und Pokal) kam der Bruch. ich bin der Verantwortliche, der letzte Eindruck war sehr schlecht. Wie konnte es dazu kommen? Vieles passiert zeitversetzt. Wir hatten am Ende fünf entscheidende Szenarien, die dazu geführt haben, dass wir eine andere Mannschaft auf dem Platz hatten. Das waren zum Beispiel die Verletzten, auch in der Reha hatten wir viele Schwierigkeiten, wie bei Stambouli und Sane. Dann hatten wir Probleme auf der Torwartposition. Das Transferfenster im Januar hat uns nicht geholfen, das war nicht gut - vor allem auf der Stürmerposition. In der Coronapause, in der wir viele Hoffnungen hatte, wurde die Problematik noch größer - entsprechend war unsere Performance. 

Positiv ist, dass wir weiterhin viele spannende Jungs haben, die wir weiter supporten werden. Die Art des Fußballs, die wir bis Februar gespielt haben - da wollen wir wieder hinkommen. 

Wir sind nicht mehr das FC Schalke 04 wie vor zehn Jahren. Wir müssen mit einem kleinen Geldbeutel gute Transferentscheidungen treffen, damit wir wieder den Fußball spielen wie wir uns das vorstellen.

+++ Nun geht es ums Sportliche +++ 

Schneider: Wagner ist seit einem Jahr hier - schon damals unter schwierigen Voraussetzungen. Wir mussten den Kader nachjustieren. Wir haben eine schwierige wirtschaftliche Situation vorgefunden, deswegen haben wir nicht Gas gegeben und nur zwei Spieler  geholt, die nicht ablösefrei waren.

Die Saison kann man zweiteilen. Aus den ersten 25 Spiele haben wir nur vier verloren. Dann hatten wir das Problem mit vielen Verletzungen, die komplette Defensivachse ist uns weggebrochen. Wir haben aber auch zu wenig Stürmertore gemacht. Hintenraus hatte die Mannschaft nicht mehr das Gesicht wie zu Beginn der Saison. 

Alexander Nübels Wechsel hat uns auch nicht geholfen, wobei er vorher ein unglaublicher Rückhalt war. Ich drücke ihm von Herzen die Daumen. Aber auf der Position hatten wir nicht mehr die Stabilität, das kam noch hinzu. 

Es waren leider zu viele Verletzte. Solange Wagner das Gros des Kaders zur Verfügung hatte, lief es gut. Deswegen hat Wagner unser Vertrauen. Wenn wir aus dieser Situation herauskommen, dann haben wir ein stabiles Fundament - wohl wissend, das es auch in der kommenden Saison schwer wird.

Das komplette Athletik-Team haben wir ausgetauscht, das Team haben wir komplett neu aufgestellt. Auch die Knappenschmiede gehen wir den Weg mit Norbert Elgert weiter. Wir haben drei hochkarätige Talente neu gewonnen. Diesen Weg werden wir weitergehen und nachhaltig in die Knappenschmiede investieren.  

+++ Frage nach Tönnies +++

Jobst: Die Entwicklung ist über die letzten Tage erfolgt. Der Entschluss hat uns überrascht. Es gab aber keine Überredungsabsichten von unserer Seite, dass er es sich noch einmal überlegt."

+++ Frage nach dem Leitbild +++

Jobst: Die Besinnung unserer Werte ist in letzter Zeit oft vernachlässigt worden. Das Leitbild wird in Zukunft sehr wichtig sein. Die soziale Verantwortung steht über allem, aber das wesentliche ist unser Fußballgeschäft.

+++ Frage nach den gekündigten Fahrern auf Schalke +++

Schneider: Die Entscheidung ist getroffen. Die Ansprache war nicht gut, dafür entschuldigen wir uns. Ein Großteil der Fahrer wird in anderer Funktion eine Übernahmemöglichkeit bekommen.

Jobst: Clemens Tönnies hat für mich als sehr starker Partner agiert, mit ihm habe ich viele Sponsoringmaßnahmen angeleiert. Die Sponsoren stehen fest an unserer Seite, unabhängig von Tönnies. Auch Gazprom hat uns signalisiert, dass sie voll umfänglich an unserer Seite stehen.

+++ "Sind kein zerstrittener Haufen"

Schneider: Es ist eine neue Zeitrechnung ab heute, wir gehen die Dinge bewusst und mit Sinn für die Realität an. Wir sind aber intern kein zerstrittener Haufen. 

Jobst: Mitarbeiter sind verunsichert, wie es weitergeht. Wir haben ein klasse Team hinter dem Team, da gilt unser Dank. Wir gehen mit diesem Team in die Zukunft.

+++ Thema Saisonziel +++ 

Jobst:  Es ist nicht realistisch, einen Europa-Anspruch auszurufen - sonst begeben wir uns in eine Position, die nicht der Realität entspricht. 

Schneider: Es gibt Vereine, die einen tollen Job gemacht haben - Eberl in Gladbach und Bobic in Frankfurt. Wir sind keine Träumer, wir haben natürlich Fehler gemacht. Dieser Wettbewerbssituation können wir uns nicht verschließen. Wir müssen einen Schritt zurückgehen, um danach wieder zu wachsen.

Der letzte Eindruck war richtig schlecht, das können wir nicht wegdiskutieren. Wir dürfen nicht mehr träumen.

+++ Thema Ausgliederung +++

Jobst: Wir haben die große Aufgabe, den Verein zu stabilisieren, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Danach ist es unsere Verantwortung, die Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen. Wenn wir das Thema Ausgliederung für sinnhaftig sehen, dann werden wir mit Transparenz auch kund tun und dann diskutieren. Aber das ist keine Thematik von heute oder den nächsten Monaten. Wir haben jetzt alles dafür zu tun, den verein in stabile Fahrwasser zu führen.

+++ Weiter Gehaltsverzicht? +++

Schneider: Wir hatten damals gute Gespräche mit den Spieler, da habe sie Größe gezeigt. Wir sind so verblieben, dass wir uns zum Saisonende noch einmal zusammen setzen. Das haben wir getan. Wir kommen nicht umhin, den Kompromiss eines weiteren Gehaltsverzicht zu erzielen. Da werden wir geschlossen eine Lösung erzielen.

+++ Frage nach den Einsparungen +++

Schneider: Ich kann keine konkreten Zahlen nennen. Es ist der entscheidende Hebel bei einem Verein, aber Zahlen diskutiere ich eh nie. Es ist nichts in Stein gemeißelt, es gibt unglaublich viele Faktoren, denen wir Rechnung tragen müssen. 

+++ Frage nach der kolportierten Bürgschaft +++

Jobst: Vereine haben sich da in der Vergangenheit bedient, zu allem weiteren unterliegen der Geheimhaltungspflicht. Wir werden dann kommentieren, wenn wir es etwas dazu sagen gibt.

+++ Frage nach Existenzbedrohung +++

Jobst: Wir haben eine Situation, dass wir zuversichtlich sind dass wir Schalke durch die Coronakrise bringen. Auf den wichtigen Einnahemeposition (TV-Gelder) haben wir eine gute Zukunft - dennoch ist es eine schwierige Zeit für uns. Wir sind zuversichtlich, dass wir Schalke stabilisieren können.

+++ Fragerunde ist eröffnet +++

Thema Gehaltsobergrenze. Schneider: Ein Kaufmann muss darauf achten, Einkauf und Ertrag in Einklang zu bringen. Das haben wir zuletzt nicht geschafft. Schalke ist auf Europa ausgerichtet, aber zuletzt hat es nicht mehr geklappt. das spiegelt sich irgendwann in den Zahlen wider. Wir müssen das Verhältnis in Einklang bringen. Kostensenkungsprogramme, Lizenspielerbudgets, welche Investitionen wir tätigen können, Stopp aller Vetragsgespräche... 

+++ "Wir haben ein Imageproblem" +++

Jobst: Schalke ist in einer sehr angespannten Situation. Diese ist durch Corona noch mal glasklar aufgezeigt worden. Schalke hat sehr stark in die Zukunft investiert - mit der Prämisse, dass sich der sportliche Erfolg einstellt. Aber wir haben drei Mal in den letzten vier Jahren Europa verpasst. Deswegen können wir jetzt nicht mehr so investieren wie früher, Bei der Wette in die Zukunft haben wir oft die Wette verloren.

Uns brechen durch Corona große Einnahmen-Zuströme weg. Unsere Partner stehen zu uns, aber wir führen Gespräche, weil wir ein Imageproblem haben. Auf der Ausgabenseite werden wir massive Einsparungen  vornehmen werden. Wir müssen die Stopp-TAste drücken, um Schalke durch Corona zu steuern. Wir müssen den Klub, mit wirtschaftliche Vernunft durch die Krise steuern. Das hat zur Konsequenz, das wir unsere sportliche Ziele realistisch anpassen werden.

Wir werden Budgets reduzieren - aber immer mit dem Blick, dass wir schnell ummünzen können. Wir möchten mit wirtschaftlicher Vernunft und Transparenz Vertrauen zurückgewinnen bei unseren Mitgliedern, die viel vertrauen verloren haben. Wir werden viel mit den Fanklubs sprechen. Wir wollen Schalke mittel- und langfristig wieder dahin zu führen, wo der Klub hingehört.

+++ Jobst spricht +++

Auch Jobst bedankt sich zunächst bei Tönnies.

"Der heutige Tag ist eine Zäsur für Schalke. Ein  "Weiter so" wird es und kann es nicht geben. In den vergangenen Monaten hat Schalke ein miserables Bild in der Öffentlichkeit abgegeben, Wir haben Fehler gemacht, für die wir uns entschuldigen möchten. Die Ticket-Rückerstattung, die Härtefall-Regelung, die Mini-Jobber. Das hätte nicht passieren dürfen. Dafür entschuldigen wir uns. Es ist müßig, Schuldige bei ehemalige Mitarbeiter zu suchen. Die Verantwortung tragen wir, der hier sitzende Vorstand. Diese Fehler dürfen nicht mehr passieren. Wir haben viel Vertrauen verspielt."

+++ Es geht los +++

Jochen Schneider, Alexander Jobst und David Wagner haben Platz genommen. 

Schneider: "Bewegende Tage auf Schalke. Gestern erreichte uns die überraschende Meldung über den Rücktritt von Tönnies." Danach bedankt sich Schneider bei Tönnies und würdigt den früheren Chef.

"Jetzt müssen die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Wir sollten miteinander arbeiten, nicht gegeneinander."  

+++ PK startet um 11.30 Uhr +++

Die Pressekonferenz zur Zukunft des FC Schalke 04 sollte um 11 Uhr starten, wurde aber wegen eines Staus auf der A2, in der viele akkreditierte Journalisten steckten, um eine halbe Stunde verlegt. Bei der PK dabei: Cheftrainer David Wagner, Sport-Vorstand Jochen Schneider und Alexander Jobst (Vorstand Marketing & Kommunikation).

+++ Buchta übernimmt für Tönnies +++

Tönnies' Rolle nimmt vorerst dessen bisheriger Vize Buchta ein, der noch am Dienstag einstimmig vom Aufsichtsrat gewählt wurde. Der 57-Jährige ist seit 2006 im Gremium und stand als Tönnies' Interimes-Vertreter während der Pause im Rassismus-Skandal bereits vor einigen Monaten in erster Reihe.

Der Rechtsanwalt war zuletzt auch bei der Schalker Boss-Runde mit Tönnies, Schneider und Jobst in der Fleisch-Firmenzentrale in Rheda mit dabei, als es um die Neuausrichtung des Klubs ging. Dieses Konzept soll auf der Pressekonferenz vorgestellt werden.

+++ Tönnies-Aus am Dienstag +++

26 Jahren lang war Tönnies im Verein, seit 2001 Aufsichtsratschef. Nun macht der 64-Jährige auch wegen des immer größeren werdenden Drucks auf seine Person den Weg frei. Während die Fans weitestgehend der Meinung sind, dass Schalke dadurch in eine bessere Zukunft blickt und mit Plakaten schon lange einen Neuanfang forderten, bedauern die Schalker Verantwortlichen zumindest nach außen Tönnies' Entscheidung sehr.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image