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Lothar Matthäus (r.) war schon zu aktiven Zeiten nicht immer unumstritten
Lothar Matthäus (r.) war schon zu aktiven Zeiten nicht immer unumstritten © SPORT1-Grafik: Imago/SPORT1
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Best of Bundesliga! Unser Kolumnist Ben Redelings blickt wöchentlich auf die kuriosesten, lustigsten und unterhaltsamsten Highlights der Ligageschichte zurück.

Money, money, money! Das ganz große Geld regiert langsam aber sicher die Bundesliga. Am Ende der Spielzeit 1991/92 züchtet sich auch die UEFA mit der Champions League eine immer fetter werdende eierlegende Wollmilchsau heran. Wenn man so will, ist diese Saison ein Abschluss einer langen Ära. Die Bundesliga wird bald 30 Jahre alt. Wie im Leben, so auch im Fußball heißt es da: Jetzt wird tüchtig Geld verdient!

Doch zu Beginn der Spielzeit weht erst einmal noch ein Hauch von Nostalgie durch die Stadien. Der letzte Meister der DDR, Hansa Rostock, mischt die Bundesliga munter auf. Bis zum 7. Spieltag steht Hansa fünfmal auf dem ersten Tabellenplatz. Auch ein Verdienst von Trainer Uwe Reinders, der zu Beginn seiner Zeit im Osten der Republik erst einmal Entwicklungsarbeit verrichten musste: "Wenn früher einer den Ball abgewehrt hatte, war für den der Fall erledigt. Der hat dann nur noch in der Nase gebohrt." Zum Schluss jedoch gerät Rostock immer mehr ins Trudeln und steigt ab.

Österreichische Journalisten wirbeln Liga auf

Doch zurück zum alles entscheidenden Thema der Saison: der Kohle. Die neuen Verlockungen des Geldes inspirieren auch ein Magazin aus Österreich. Mit einem Scheinangebot führen sie die Liga vor - und entlocken den Beteiligten brisante und frivole Details aus dem prall gefüllten Nähkästchen.

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Die Journalisten des "Wiener" nehmen, getarnt als Vertreter einer Sportagentur, Kontakt zu verschiedenen Trainern auf. KSC-Coach Winfried Schäfer zeigt sich sehr interessiert und gibt zu verstehen, dass es überhaupt keine Probleme mit Karlsruhe gebe, da sein Verein eh vertragsbrüchig sei: "Ich habe einen Vertrag, in dem sind sechs Punkte fixiert. Mindestens vier davon sind nicht erfüllt."

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Ebenso freizügig soll Schäfer über das gängige Vergnügungsangebot für die Männer in Schwarz geredet haben: "Wenn etwa Schiedsrichter D. auf dem Lauterer Betzenberg pfeift, dann sitzen eben am Abend an der Hotelbar zwei Mädels neben ihm. Gut geführte Vereine wissen genau, wer auf welchen Typ steht, ob blond oder brünett. Und ob auf dem Bett ein oder zwei Kissen liegen müssen."

Auch Gladbachs Gerd vom Bruch soll auf die Journalisten reingefallen sein. Er wird mit den Worten über den Weltmeister Lothar Matthäus zitiert: "Lothar ist kein Profi. Der trinkt zu viel und isst zu viel. Er hat keine Ausdauer, ist über den Zenit." Lothar reagiert sauer, aber auch gelassen: "Ich hätte nie so viel erreichen können, wenn ich nur gesoffen und gefressen hätte."

Lothar Matthäus und seine damalige Freundin Marianna Kostic gönnen sich auf dem Münchner Oktoberfest 2003 eine Maß Bier
Lothar Matthäus und seine damalige Freundin Marianna Kostic gönnen sich auf dem Münchner Oktoberfest 2003 eine Maß Bier © Imago

Geld braucht, wie eigentlich immer, auch der FC Schalke 04. Und sie glauben tatsächlich eine Idee zu haben, wie sie endlich an die Moneten rankommen: Schalke möchte im Parkstadion vor den Spielen zusammen mit der Nordwest-Lotto ein eigenes Wettbüro einrichten. Deren Sprecher ist regelrecht begeistert und offenbart Skurriles: "Wenn man sieht, was in Schalke auf der Tribüne allein unter der Hand verzockt wird, kann man als Lottogesellschaft neidisch werden." Doch obwohl der Gewinn pro Partie auf stolze 75.000 Mark geschätzt wird, wandern die Pläne in irgendeine fest verschlossene Schublade. Gut so!

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Thomas Gottschalk löst Wettschulden ein

Bei den Bayern läuft es übrigens auf dem Platz überhaupt nicht rund. Der zehnte Tabellenplatz am Ende der Saison ist die schlechteste Platzierung in der Bundesliga-Geschichte. Doch rund herum verstehen die Münchner das (Show-)Geschäft immer besser.

So löst TV-Showmaster Thomas Gottschalk im November im Olympiastadion beim Bundesligaspiel eine verlorene Wette ein und sitzt vor der Partie zwischen Lerby und Hoeneß auf der Bayern-Bank. In Trachtenjacke und mit einer rot-weißen Pudelmütze auf dem Kopf begeistert er nicht nur die Münchner Offiziellen. Im VIP-Bereich unterschreibt der "Wetten, dass ...?"-Moderator anschließend sogar noch einen Mitgliedsantrag - allerdings ohne zu bezahlen. Präsident Fritz Scherer ist jedoch gnädig: "Wir werden dem Herrn Kredit einräumen!"

Doch zurück auf den grünen Rasen. Die Saison endet in einem grandiosen Finale schließlich mit dem neuen deutschen Meister VfB Stuttgart. Guido "Diego" Buchwald, der Schütze des entscheidenden Tores im letzten Saisonspiel bei Bayer Leverkusen, sagt hinterher ungewohnt enthemmt-emotional: "Vielleicht bin ich heute ein Stück unsterblich geworden."

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Während die VfB-Fans jubeln, herrscht in Dortmund Katzenjammer. Nur die Tordifferenz trennt den BVB vom VfB Stuttgart - der in der folgenden Saison dann allerdings auf spektakuläre Weise seine Chance auf das ganz, ganz große Geld in der Champions League verbaselt. Doch dazu in einer weiteren Ausgabe von "Best of Bundeliga" mehr.

Ben Redelings wurde 1975 im Flutlichtschatten des Bochumer Ruhrstadions geboren und ist Experte für die unterhaltsamen Momente des Fußballs. Sein aktuelles Werk "Das neue Buch der Fußballsprüche" verkauft sich sprichwörtlich wie das gut gekühlte Stadionbier. Als SPORT1-Kolumnist schreibt Ben regelmäßig über die "Legenden des Fußballs" und "Best of Bundesliga".

Best of Bundesliga - alle Kolumnen:

- Saison 1963/1964: Als der FC Bayern dem Erzrivalen einen Weltstar klaute
- Saison 1992/1993: Peter Neururer und die kurioseste Truppe der Liga
- Saison 2004/2005: Die dunkelste Stunde der Bundesliga

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