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München - Leroy Sané kann die hohen Erwartungen bislang nicht erfüllen. Es stellt sich die Frage, ob der Sommer-Neuzugang des FC Bayern bereits auf Bewährung spielt.

Für Leroy Sané dürfte das diesjährige Weihnachtsfest einen faden Beigeschmack haben - und zwar nicht nur wegen der aktuellen Corona-Situation. 

Der Grund: Der deutsche Nationalspieler erlebte im letzten Spiel des Jahres 2020 gleichzeitig den Tiefpunkt seiner - zugegeben noch nicht langen - Zeit beim FC Bayern. 

Sané wurde beim 2:1-Sieg bei Bayer Leverkusen in der 32. Spielminute für den verletzten Kingsley Coman eingewechselt. In der 68. Spielminute nahm Trainer Hansi Flick den Sommer-Neuzugang dann wieder runter und brachte den erst 17 Jahre alten Jamal Musiala. Einwechslung und Auswechslung in einem Spiel - die Höchststrafe für jeden Fußballer. 

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Sané von Auswechslung überrascht

"Die Auswechslung kam im ersten Moment überraschend für mich - das kannte ich so nicht. Aber auch das passiert einmal", sagte Sané am Sonntag der Bild, um dann schnell auf den Sieg im Spitzenspiel zu kommen: "Das Team war direkt nach Abpfiff an meiner Seite, und wir haben uns alle über die drei Punkte gefreut. Über allem steht die Freude, dass wir dieses so wichtige Spiel am Ende gewinnen konnten. Wir stehen jetzt in allen Wettbewerben sehr gut da."

Nun kommt es natürlich nie schlecht an, den Teamerfolg über die eigene Person zu stellen. Fakt ist aber auch, dass der Anteil, den Sané an der Ausgangslage der Münchner hat, bei Weitem nicht so groß ist, wie es sich alle Beteiligten vorgestellt hatten. Immerhin stellt er den Königstransfer des Sommers dar. 

Es kommt hinzu, dass Sané sich nach dem wichtigen Erfolg wohl doch nicht so freuen konnte, wie er behauptete. "Nein, er war natürlich nicht glücklich", verriet Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge im CHECK24 Doppelpass. "Er ist eingewechselt und wieder ausgewechselt worden. Das ist doch klar, dass der Spieler damit nicht glücklich ist." 

Spätestens seit Leverkusen ist klar: Flick kann und will keine Rücksicht auf Einzelschicksale nehmen - nicht bei den ambitionierten Zielen des deutschen Rekordmeisters. "Letztendlich geht es darum, dass die Mannschaft Erfolg hat. Da muss der Einzelne vielleicht auch mal zurückstehen", sagte der Triple-Coach nach der Partie. Nach dem Motto: Das müsse Sané dann eben auch verkraften können. 

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Der 24-Jährige muss nun selbst dafür sorgen, dass er einen größeren Anteil am Erfolg der Mannschaft hat. In einem so gut aufgestellten Team wie dem der Bayern, führt sein Weg ansonsten zunehmend auf die Ersatzbank.

Und das ist wiederum weder der Anspruch von Sané, noch der Wunsch der Bayern. Daher könnte der Offensivspieler bereits auf Bewährung spielen. 

Rummenigge mit Ansage an Sané

Diesen Eindruck legt auch die Ansage nahe, die Rummenigge im CHECK24 Doppelpass in Richtung Sané schickte.

Der 65-Jährige lobte zwar die unglaublichen Talente, die Sané habe, ließ aber sofort die Kritik folgen: "Er ist schnell, er kann dribbeln, er hat einen super linken Fuß. Er hat auch schon Tore geschossen. Ich glaube aber, er ist noch nicht so richtig in diesem FC-Bayern-Gen angekommen."

Zur Verdeutlichung zog Rummenigge das Beispiel Thomas Müller heran. Der Ur-Bayer sei "vom Talent her" nicht so sehr gesegnet wie Sané. Er verkörpere aber das angesprochene Erfolgs-Gen. Daher müsse Sané nun "einfach an seinen Talenten arbeiten, das ist seine Aufgabe. Wir haben alles in die Waagschale gelegt, damit er zum FC Bayern kommt. Und das muss er jetzt auch rechtfertigen."

45 Millionen Euro hatten sich die Bayern die Dienste des früheren Profis von Manchester City kosten lassen. Sané weiß, dass dafür nun auch etwas erwartet wird.

Lange genoss er einen gewissen Schutz. Seine langwierige Verletzung noch zu City-Zeiten, Anpassung an das Spiel der Bayern. Doch allmählich gelten keine Erklärungen mehr.

"Ich bin selbst mein größter Kritiker und weiß einzuordnen, dass ich zuletzt mein Leistungsvermögen nicht abrufen konnte. Aber das wird sich ändern", sagte er im Interview mit der Bild

Doch was muss Sané ändern?

Zum einen ist da das angesprochene "Bayern-Gen" - das Gefühl des berüchtigten Mia san Mia. Aber es gibt auch deutlich greifbarere Defizite, die Sané beheben muss. 

Das betrifft zum Beispiel das Zweikampfverhalten. Der Offensivspieler lässt oftmals den Biss vermissen und gewinnt weit unter 50 Prozent seiner Duelle. Konkurrent und Mitspieler Kingsley Coman hat ihm da einiges voraus, was auch für andere Dinge gilt - der Franzose zeigt sich effektiver, mannschaftsdienlicher und hat sogar beim Top-Speed die Nase vorn (Coman kommt auf 35,9 km/h - Sané auf 34,8 km/h).

An Sanés Qualitäten zweifelt niemand - vor allem nicht, wenn es um die Offensive geht. Mit seinem Defensivverhalten dürfte Flick aber nicht zufrieden sein, was einer der Hauptgründe dafür sein dürfte, dass Sané weit von einem Stammplatz entfernt ist. 

"Er muss nach hinten mitarbeiten für das Team, auch von der Körpersprache her", hatte SPORT1-Experte Stefan Effenberg bereits vor zwei Wochen im CHECK24 Doppelpass bemängelt. Es habe immer wieder Situationen gegeben, "in denen der Kopf runterging. Das ist nicht gut. In der Rückwärtsbewegung muss er das lernen."

Nach der kurzen Winterpause wird die Zeit, die einem Neuzugang zugestanden wird, langsam knapp und die Mängel werden immer kritischer beäugt. Eines ist daher klar - woran auch Rummenigge keinen Zweifel ließ: Nun ist Sané an der Reihe. 

Der Bayern-Boss meint, dass Sané eine "gute Zukunft beim FC Bayern haben kann. Wir fördern jeden Spieler, aber wir fordern auch. Das muss er verinnerlichen. Er muss jetzt den nächsten Schritt machen."

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