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SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp ist begeistert vom SC Freiburg und erklärt, warum ein Platz im vorderen Drittel für den Sport-Club wie eine Meisterschaft ist.

Was auch immer der Nikolaus den Freiburgern da in die Schuhe geschoben hat - es war beste Ware.

Seit dem 11. Spieltag, mitten in der Weihnachtszeit, ist die Mannschaft von Christian Streich nicht nur ungeschlagen, sondern ohne jeden Punktverlust. Fünf Siege in Serie - und in der Formtabelle damit vor allen anderen. Auch vor Bayern und Leipzig, die im gleichen Zeitraum nicht nur mal Unentschieden gespielt, sondern auch verloren haben. (Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Freiburg ist der Maßstab. Die Mannschaft der Stunde.

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Freiburg ist der wahre Meister

Stop. Die Mannschaft der Stunde? Nee, tatsächlich mehr als das. Viel mehr. In Freiburg, so deutlich kann man's ruhig mal sagen, spielt Deutschlands wahrer Meister. Und, ja, das meine ich ehrlich so.

Meisterlich zu arbeiten hat nichts mit großem Geld zu tun. Auch wer wenig hat, kann viel erreichen. Oder sogar sauviel, wie die Freiburger Helden gerade mal wieder - aber doch faktisch schon seit Jahren.

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Die Bundesliga sollte dem SCF ein Denkmal bauen. Damit nie mehr jemand vergisst - zum Beispiel, wenn mal wieder kräftig über fehlende Chancengleichheit geklagt wird - welche großartigen Leistungen im deutschen Vereinsfußball möglich sind. (Die Tabelle der Bundesliga)

Eben mit: ruhiger, konstanter, einfallsreicher Arbeit - und der Überzeugung, das, was so viele mit Top-Budgets versuchen, auch mit Top-Ideen und Beharrlichkeit möglich sind.

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Freiburg macht keiner was vor

Dass Freiburg in den letzten fünf Jahren, seit Aufstieg im Sommer 2016, mehr Bundesliga-Punkte als zum Beispiel Hertha oder Schalke holte, von einem Ex-Riesen wie dem HSV mal ganz zu schweigen, das ist zum einen Armutszeugnis für die Großstadtklubs - zum anderen aber das Beste, was dem Fußball - gerade in Zeiten des immer größeren wirtschaftlichen Wahnsinns - passieren kann.

Weil es die Hoffnung am Leben hält, dass Leistung im großen Geschäft eben doch noch etwas zählt. Oder, dass Geld halt auch ein Gift ist, für die zum Beispiel, die sich daran verschlucken.

Freiburg im vorderen Tabellendrittel, das ist auf der Besondere-Leistungen-Skala für mich vor einem Deutschen Meister FC Bayern einzusortieren. Es stimmt, den Druck der Großen kennen sie nicht in Freiburg. Und dennoch: Geht's darum, die bestehenden Möglichkeiten ins maximal Machbare umzuwandeln, macht dem SC doch keiner etwas vor.

Mönchengladbach, ok, die könnten ein großer Bruder sein. Aber Mönchengladbach war auch schon fünfmal Deutscher Meister und Europalpokalsieger. Freiburgs größter Triumph? Meister der 2. Liga.

Freiburg verdient Anerkennung

Vor der Saison, daran kann noch erinnert werden, also im Fußball-Corona-Sommer 2020, verkauften die Freiburger Top-Personal für über 35 Millionen Euro. Ob sie das aus der Bahn wirft? Niemals.

Stattdessen hat man ja fast das Gefühl, Sportvorstand Jochen Saier und Trainer Streich freuen sich über die daraus resultierenden Aufgaben, eben immer und immer wieder eine neue Mannschaft zu bauen. Sie zu formen und mit ihr zu spielen.

Die Freiburger Arbeit verdient jedes Lob, eigentlich jede Saison. Was sie da leisten, mitten im Schwarzwald, das ist kurzum ausgezeichnet.

Und wenn auch nicht mit der Schale, dann mit der Anerkennung unzähliger Fußballfans - egal, von welchem Verein.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".

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