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München - SPORT1-Experte Stefan Effenberg kritisiert das Auftreten von Borussia Dortmund und vermisst die Führungsspieler. Zu Hertha BSC hat er eine eindeutige Meinung.

Liebe Fußball-Freunde,

Borussia Dortmund verliert gegen Borussia Mönchengladbach und hat sich damit endgültig aus dem Titelrennen verabschiedet. Vielmehr müssen sie beim BVB aufpassen, dass nicht auch noch das Minimalziel Champions League verpasst wird. (Tabelle der Bundesliga)

Allerdings muss man sich schon fragen, wie eine Mannschaft mit so viel Qualität im Kader in so eine Lage kommen kann. Nach dem Wechsel von Lucien Favre zu Edin Terzic herrschte in der Mannschaft der einhellige Tenor vor, dass der neue Trainer die richtige Ansprache findet und die Spieler heiß macht.

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Aber was hat sich geändert? Nichts! Da fühlt man sich als Fan schon verarscht, wenn man sieht, was das Team auf dem Platz abliefert.

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Effenberg: Wo sind die Führungsspieler beim BVB?"

Man kann das auch nicht mehr nur am Trainer festmachen. Natürlich gibt der das Verhalten bei Standards vor. Aber die Spieler stehen doch auf dem Platz und müssen gewisse Dinge selbst organisieren. Aber wenn ich gesehen habe, wie sich der BVB gegen Gladbach ein Standardtor nach dem anderen gefangen hat, frage ich mich schon, wo die Führungsspieler sind. (Bundesliga: Alle Spiele und Ergebnisse)

Da muss auch mal ein Mats Hummels Verantwortung übernehmen. Und wo ist eigentlich Kapitän Marco Reus? Die sind hauptverantwortlich - nicht Terzic - um den Laden wieder in den Griff zu bekommen.

Aber nicht nur bei Standardsituationen, auch zum Wohle des Mannschaftsgefüges müssen die erfahrenen Spieler vorangehen. Es ist ehrenwert, dass Dortmund auf Toptalente wie Jude Bellingham oder Erling Haaland setzt. Aber es kann nicht sein, dass diese den BVB nur als Durchgangsstation in ihrer Karriere sehen. Sollte dies der Fall sein, müssen Hummels und Co. dazwischenfunken. Das erwarte ich von diesen Spielern.

Balance zwischen Angriff und Verteidigung fehlt

Allerdings kann ich den Trainer auch nicht völlig von jeder Schuld freisprechen. Es ist ganz klar, dass die Balance zwischen Offensive und Defensive im Team fehlt. Wie soll das funktionieren gegen Topteams? Vielleicht ist da auch eine falsche taktische Ausrichtung verantwortlich.

Dazu braucht es auch etwas mehr Cleverness. In Spielen wie gegen Gladbach muss man auch mal einen Punkt mitnehmen, weil der einen auf lange Sicht weiterbringt. Dazu braucht es taktische Wechsel von draußen. Aber das passiert beim BVB nicht. Echte Spitzenteams agieren da anders.

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Wie es geht, zeigen die Bayern. Die spielen seit Wochen nicht mehr so spektakulär in der Offensive, aber sie gewinnen die Spiele dreckig. Das ist Fußballintelligenz. In der Defensive gewinnst du Meisterschaften.

Hertha BSC: Anspruch und Wirklichkeit gehen auseinander

Aber genug von Borussia Dortmund, wenden wir uns einem anderen Krisenklub der Bundesliga zu - Hertha BSC. Wenn man die Möglichkeit hat, 120 Millionen zu investieren und dann stellt man den Kader so zusammen, dass man gegen den Abstieg spielt, dann stimmt da was nicht.

Da braucht es Konsequenzen und im Fußball bedeutet das, dass das verantwortliche Personal ausgetauscht wird.

Allerdings muss man sich in Berlin auch mal grundsätzlich hinterfragen, ob Anspruch und Wirklichkeit zusammenpassen. Mit Jürgen Klinsmann haben sie eine Entwicklung angestoßen, die den Verein zu einem regelmäßigen Europapokalteilnehmer machen sollte. Aber das hat nicht geklappt.

Pal Dardai - die richtige Entscheidung

Berlin ist eine tolle Stadt, aber auch mit viel Geld kann man die Ansprüche, die in der Hauptstadt vorherrschen, nicht erfüllen.

Nun soll es also wieder Pal Dardai richten. Die Entscheidung finde ich in der aktuellen Situation richtig. Er kennt den Verein in und auswendig - das gilt auch für Arne Friedrich.

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Da haben sie zwei ganz wichtige Säulen abgedeckt. Aber jetzt müssen sie sich orientieren, wie es im Sommer weitergeht. Es spricht ja nichts dagegen, dass Dardai über den Sommer hinaus weitermacht.

Breel Embolo: Man darf ihn nicht an den Pranger stellen

Zum Abschluss möchte ich noch kurz etwas zu Breel Embolo sagen. Der Junge hat gesagt, dass er nicht feiern war. Wenn das stimmt, hat er seine gerechte Strafe für den Verstoß gegen die Corona-Maßnahmen bekommen und alles ist okay. Wenn er aber gelogen hat, muss die Strafe komplett anders ausfallen. Er hat eine Vorbildfunktion.

Aber man muss auch sagen, das sind noch junge Menschen. Die darf man nicht so an den Pranger stellen.

Und zur Diskussion, ob Gladbach Embolo im Spiel gegen Dortmund hätte einsetzen dürfen, erinnere ich mich an ein Erlebnis mit Ottmar Hitzfeld. Bixente Lizarazu hatte Lothar Matthäus mal eine Ohrfeige gegeben. Hitzfeld meinte dazu, dass er keine Lust habe, Lizarazu zu suspendieren, weil er damit die Mannschaft sportlich enorm schwächen würde.

So muss man das auch bei Embolo und Gladbach sehen. Das eine ist sein Verhalten, für das Embolo bestraft gehört. Das andere ist das Sportliche.

Euer
Stefan Effenberg

Stefan Effenberg hat 2001 mit dem FC Bayern die Champions League gewonnen. Mit den Bayern und Borussia Mönchengladbach wurde er zudem mehrmals Deutscher Meister und Pokalsieger. Seit Sommer 2018 bildet der 52-Jährige mit Marcel Reif und Mario Basler das feste Experten-Team des CHECK24 Doppelpass.

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