Lesedauer: 6 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Leroy Sané ersetzt gegen den SC Freiburg von der Bank kommend Serge Gnabry. Der Neuzugang taucht lange ab, ist jedoch im entscheidenden Moment zur Stelle.

Hansi Flick hatte keine Lust auf weitere Experimente.

Nach dem bitteren Pokal-Aus gegen Holstein Kiel unter der Woche, als unter anderem Bouna Sarr, Jamal Musiala und Leroy Sané eine Chance von Beginn an bekommen hatten, setzte der Trainer des FC Bayern gegen den SC Freiburg - mit fünf Siegen in Folge zuletzt formstärkste Mannschaft Europas - lieber auf Altbewährtes. (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

Konkret bedeutete das: eine Startformation mit elf Triple-Helden - und damit auch einmal mehr ohne Sané.

Anzeige

Flick sieht "gute Entwicklung" bei Sané 

Die nächste Chance für den pfeilschnellen Flügelflitzer aber sollte sich schneller ergeben als geplant, denn bereits nach 27 Minuten war der Arbeitstag von Serge Gnabry wegen muskulärer Probleme vorzeitig beendet.

"Hey, Leroy, Leroy!", rief Flick seiner Nummer 10 noch zu, bevor Sané den Rasen betrat, und klatschte aufmunternd in die Hände. "Auf geht’s, Leroy!", schrie Kapitän Manuel Neuer aus seinem Tor in Richtung Mittellinie - und der Neue nahm sich das direkt zu Herzen.

Meistgelesene Artikel

Zwei Minuten nach seiner Einwechslung tauchte der Linksfuß nach einem langen Ball halbrechts am Strafraum frei vor SC-Keeper Florian Müller auf, verfehlte mit seinem schwächeren rechten Fuß jedoch knapp das kurze Toreck.

"Wenn man so will, dann war das, was wir und was auch die Mannschaft von Leroy sehen möchte, heute mehrmals zu sehen", lobte Flick nach dem Spiel, er habe "wie bei allen anderen eine gute Entwicklung heute gesehen".

Sané taucht nach gutem Start ab

In der Tat war diese Aktion ein verheißungsvoller Auftakt für den 45-Millionen-Neuzugang, der seit seinem Wechsel von Manchester City zu häufig hinter den hohen Erwartungen zurückgeblieben war.

"Er ist bei einem neuen Verein, es waren keine einfachen Wochen für ihn", sagte Teamkollege Jérôme Boateng nach dem Spiel rückblickend: "Wir wissen alle, was er kann, was er für ein Potenzial hat."

DAZN gratis testen und die Bundesliga auf Abruf erleben | ANZEIGE  

Das Problem war zunächst nur: Nach der ersten guten Chance war von diesem Potenzial auch gegen Freiburg bis zur Pause nicht mehr viel zu sehen - und nach Wiederbeginn wurde es erst einmal nicht besser.

Sané bringt Flick zur Weißglut

Nach knapp einer Stunde bekam der 25-Jährige auf dem linken Flügel freistehend den Ball, mit viel Raum vor sich, ohne direkte Bedrängnis. Eine Situation wie gemalt für den Tempodribbler.

Und was machte Sané? Er flankte aus dem Halbfeld. Hoch und weit. Und hinter das Tor.

"LEROY!", brüllte Flick vor seiner Trainerbank stehend einmal quer über den Platz - und es hätte einen nicht gewundert, wenn auf der an die Allianz Arena grenzenden Autobahn ein vorbeifahrender Wagen vor Schreck die Leitplanke touchiert hätte.

Wenig später brachte Sané sogar das Rumpelstilzchen in Flick zum Vorschein, weil er bei einer weiten Flanke am zweiten Pfosten nicht richtig durchlief, der Ball so ins Toraus trudelte.

Wie schon beim Pokalspiel in Kiel, als Flick keinen anderen Spieler so vehement zu coachen versuchte wie Sané, probierte der Bayern-Trainer auch diesmal wieder alles, um diesen in die Spur zu bringen.

Sané bereitet Siegtor durch Müller vor

Sané aber wirkte eher noch weiter verunsichert. Beispiele gefällig?

68. Minute: Auf dem rechten Flügel will Sané den Ball zwischen zwei Gegenspielern hindurch in die Gasse spielen, schiebt ihn aber aus drei Metern genau in die Füße eines Freiburgers.

74. Minute: In bester Arjen-Robben-Manier zieht Sané vom rechten Flügel kurz vor dem Strafraum nach innen, hat den Ball auf seinem starken linken Fuß. Dass er auf die Art und Weise mindestens genauso sehenswert treffen kann wie sein niederländischer Vorgänger, hat er mehr als einmal bewiesen. Diesmal aber entscheidet er sich für eine halbgare Flanke, die ein Freiburger Abwehrspieler noch vor dem Elfmeterpunkt mühelos aus der Gefahrenzone köpft.

Der Ball aber bleibt in den Reihen der Münchner - und wie es im Fußball oft so ist, sieht die Welt nur Sekunden später ganz anders aus.

Nach einer Flanke von Kingsley Coman vom linken Flügel wirft sich der von rechts eingelaufene Sané acht Meter vor dem Tor ebenso vehement wie artistisch in den Ball, und legt diesen maßgenau für Thomas Müller auf, der eiskalt zum Siegtreffer für die Bayern verwandelt. (FC Bayern - SC Freiburg im TICKER zum Nachlesen)

Goretzka schwärmt von Sanés Mentalität

"Dass er vorne enorme Qualitäten hat und dass er immer für ein Tor oder eine Vorlage gut ist, das hat er beim 2:1 bewiesen", lobte Flick nach dem Spiel.

Noch mehr hob er jedoch hervor, was Sané in die andere Richtung leistete: "Er hat auch gegen den Ball gut gearbeitet, auch nach hinten mal einen Sprint angesetzt und da einen Zweikampf gewonnen. Das war sehr wichtig!"

Genau diese Tugenden, die ihm viele Kritiker bisher abgesprochen hatten, blieben auch seinen Mitspielern nicht verborgen.

"Was er für eine Mentalität an den Tag legt, ist meiner Meinung nach heute top gewesen", schwärmte Leon Goretzka: "Wie er in den letzten zehn, 15 Minuten noch mal nach hinten gesprintet ist - das ist das, was wir von ihm sehen wollen. Der Rest kommt von ganz allein."

Der Rest, das dürfte, wenn es nach Sané geht, neben Toren und Vorlagen zunächst einmal ein regelmäßiger Startelf-Platz bei den Bayern sein.

Damit er bald nur dann nicht mehr von Beginn an auf dem Rasen steht, wenn Flick doch mal wieder Lust auf Experimente verspürt.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image