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München - In seiner SPORT1-Kolumne sieht Marcel Reif Borussia Dortmund in einer schwierigen Situation. Auch zu Marco Rose und den Problemfeldern des FC Bayern spricht er.

Hallo Fußball-Freunde,

es ist schwer zu sagen, was Borussia Dortmund machen kann, um nach dem nächsten Tiefschlag durch die Niederlage gegen den SC Freiburg die Kurve zu kriegen. Mir fehlt da allmählich die Fantasie. Wieder an der Trainerschraube drehen, sagen jetzt vielleicht einige.

Ich erinnere aber gern: Die Entscheidung für Edin Terzic als Coach ist ja nicht vom Himmel gefallen. Die Verantwortlichen beim BVB wie Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc und auch Matthias Sammer hatten schließlich lange genug Zeit zum Abwägen und sind dann zu dem Entschluss gekommen, dass man es nicht hinkriegt mit Lucien Favre.

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Die Bilanz jetzt ist aber bemerkenswert schlimm: Nur vier Siege - das hätte Favre auch noch hinbekommen. Die Handelnden müssten einräumen: Wir haben uns wieder mal geirrt. (SERVICE: Bundesligatabelle)

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Dabei hättest man auch zu Favre vorher bei jedem fragen können: Ein Anruf bei Max Eberl (Sportdirektor Borussia Gladbach, Anm. d. Red.) und du hättest gewusst: Wie ist Favre? Macht der euch auch den Jürgen Klopp vor der Süd?

BVB: Jetzt Feuerwehrmann für den Feuerwehrmann?

Holst du jetzt also den Feuerwehrmann, für den Feuerwehrmann für den Feuerwehrmann und stellst dann fest, dass der Kader nicht funktioniert? Das ist mal eine kernige Aufgabe. Wenn der BVB jetzt Platz vier nicht schafft, dann ist jedenfalls richtig Feuer unterm Dach. (SERVICE: Alle Spiele und Ergebnisse)

Ohnehin: Es ist ja schick zu sagen, wir lassen uns nicht treiben als Bayern-Jäger. Aber dann hast du Spieler wie Jadon Sancho und einen Erling Haaland, der vor Ehrgeiz explodiert. Und dann erklärst du dem: Aber das Thema Meisterschaft, das liegt dann erst bei deiner nächsten Station drin. Und dann sollen die Spieler laufen wie die Karnickel und jede Woche Topleistung bringen?!

Geht nicht. Und sowieso: Wenn der BVB Haaland jetzt vorzeitig abgibt, kann er den Laden am Ende eh dichtmachen.

Was denkt Marco Rose bei Borussia Gladbach?

Was die Sache aktuell nicht leichter macht: Der vielumworbenen Coach Marco Rose hat bei Borussia Gladbach bis zum Sommer eine klare Vereinbarung getroffen.

In Gladbach lässt sich in Ruhe arbeiten und Rose weiß, es gibt Entwicklungspotenzial. Klar: Davon hast du in Dortmund noch mehr, im Regal eine Stufe höher quasi, junge Leute holen und ausbilden. Aber es ist ja nicht so, dass du dadurch Meister wirst.

Ist das in Dortmund also wirklich der nächste Schritt für Rose? Nur weiterzuentwickeln? Da mag er sich möglicherweise eben doch mal kurz denken: Vielleicht mache ich das lieber noch ein bisschen in Gladbach weiter, anstatt in Dortmund Klopp Nummer 2 abgeben zu sollen.

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Bayern und Katar: Braucht es die ganz große Verbalkeule?

Kommen wir zum FC Bayern und den Wirbel um den verspäteten Abflug zur Klub-WM nach Katar: Das ist von beiden Seiten nicht optimal gelaufen. Wir reden über 30 Sekunden Verspätung, da würde ich sagen: Lasst doch gut sein! Aber gleich die ganz große Verbalkeule?

Was die Sinnhaftigkeit dieser Klub-WM angeht: Welche Instanz entscheidet darüber? Die Spieler wollten, der Trainer wollte. Ob man in Corona-Zeiten einen solchen Wettbewerb macht und dorthin fliegt, müssen die Bayern am Ende selbst entscheiden.

Aber: Es fliegen viele Menschen dorthin, und es gibt Quarantäne-Bedingungen. Die Bayern haben sich entschieden, in Katar zu spielen, sie wollen den sechsten Titel holen. Wenn die Bayern als Champions-League-Sieger gesagt hätten, nicht spielen zu wollen, dann wäre das ein wichtiger Faktor gewesen, diese Klub-WM möglicherweise abzusagen.

So ist das beim FC Bayern eben

Dass es obendrein noch ein bisschen Zündstoff gibt hinsichtlich der Aussagen von DFB-Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff, der bei SPORT1 Bayerns Trainer Hansi Flick als denkbaren Kandidaten als Nachfolger für Bundestrainer Joachim Löw angedeutet hat: Bei so etwas reagieren die Bayern und Boss Karl-Heinz Rummenigge eben nun mal.

Ich möchte es mal so sagen: Die Bayern mögen das einfach nicht, dass man an der Person Flick bohrt. Bei den Bayern ist das inzwischen ein Muster: Wir wissen, dass es so ist - aber wir wollen es nicht von dir hören.

Bis demnächst, 

Euer Marcel Reif 

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1. 

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