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Die von den Namen her bestens besetzten Berliner können schon zeitnah tatsächlich in konkrete Abstiegsnot geraten, sagt SPORT1-Kolumnist Tobis Holtkamp.

Dass Hertha BSC so richtig in den Abstiegskampf rutscht, damit rechnet in der Fußball-Branche, wenn man sich so umhört, irgendwie kaum einer. "Dafür sind sie zu stark", heißt es meist, oder "mit dem Kader nicht".

Alles klar, dann versuche ich mich mal als Augenöffner. Denn ich sehe das mit Hertha ein bisschen anders.

Die Situation für den Neureichen-Klub ist brandgefährlich, Hertha droht das Big City Desaster.

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Die Arminia hat aber noch ein Spiel weniger, da die Bremen-Partie verlegt wurde. 17 Punkte nach 20 Spieltagen bedeuten die schwächste Ausbeute seit der Saison 2009/2010 - als Hertha am Ende abstieg.

Verpufft der Dárdai-Effekt, wird es hart für Hertha

Den Joker mit dem Trainerwechsel, der ja oft wie ein Reboot wirkt und Kräfte freisetzt, haben die Berliner schon gespielt. Und nach zwei Niederlagen zum Start von Pál Dárdai ist das Spiel gegen Aufsteiger VfB Stuttgart (Samstag, 15.30 Uhr) jetzt schon die allerletzte Chance für den Trainer-Wechsel-Effekt. Verpufft der, wird es hart für Hertha.

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Auch, was den Druck betrifft. Die teuerste Hertha-Mannschaft aller Zeiten, gespickt mit Neuzugängen für über 140 Millionen Euro allein an Ablösezahlungen, sollte sich für den Europapokal qualifizieren. Für Investor Tennor, dem mittlerweile 66,6 Prozent am Hauptstadt-Klub gehören, wäre ein Abstieg mit maximalen Werteverlusten verbunden. Er hätte sich im großen Stile verspekuliert.

Berliner Kader nicht für Abstiegskampf gemacht

Die größte Gefahr liegt im zusammengestellten Mannschaftskader. Er ist nicht für den harten Abstiegskampf gemacht - sondern darauf ausgerichtet, schnellen und attraktiven Fußball zu spielen. Gerade zu Beginn der Saison blitzte das spielerische Potenzial auch immer wieder auf.

Doch im letzten Saisondrittel, wenn du unten drin stehst, dann zählen andere Tugenden. Klingt abgedroschen, ist aber so. Dann geht es darum, den harten Wettbewerb zunächst mal zu akzeptieren und dann bedingungslos anzunehmen.

Ob der kampferprobte Trainer Dárdai seinen Stars das wirkungsvoll vermittelt bekommt? Davon wird es abhängen. Bielefeld oder Mainz, das ist ein Vorteil gegenüber der Hertha, die können nur gewinnen. Die haben ein positives Ziel vor Augen, den Ansporn, die Klasse zu halten. Wie ein kleine Meisterschaft.

Nach dem Stuttgart-Spiel kommen für die Berliner nacheinander Leipzig und Wolfsburg. Vielleicht liegen ihnen die sogar besser. Doch realistischer erscheint, dass sie danach so richtig drin sind, im Abstiegskampf. Es wäre das nächste Stress-Level für eines der größten und immer noch fragilsten Fußball-Großprojekte Europas. Ein Kapitel mit hohem Drama-Potenzial. Ausgang völlig offen.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".

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