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Hansi Flick gilt als Wunschkandidat des DFB. Anders als Karl-Heinz Rummenigge hält sich Sportvorstand Hasan Salihamidzic mit Aussagen zu seinem Trainer zurück.

Hasan Salihamidzic schweigt!  

Noch immer hat sich Bayerns Sportvorstand öffentlich nicht in die Debatte um Hansi Flick eingeschaltet, um sich möglicherweise klar für eine Zukunft mit ihm auszusprechen und gegenüber dem DFB endgültig den Deckel draufzumachen. So, wie es Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge tat, indem er sein Wechsel-Verbot für Flick erneuert hat.

Der 56 Jahre alte Erfolgstrainer der Münchner gilt weiterhin als Wunschkandidat des DFB für den ab Sommer zur Verfügung stehenden Posten des Bundestrainers. Flick hält sich alle Türen offen und verweist bislang lediglich auf seinen Vertrag bis 2023.

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Flick: Droht ein vorzeitiger Abschied?

Ein Grund, warum Flicks vorzeitiger Abschied möglich ist, sind bestehende Differenzen mit Salihamidzic - vor allem in Personalfragen. Vereinsintern heißt es, dass die beiden kein Traum-Duo mehr werden. Dennoch erwarten die Bayern-Verantwortlichen allerhöchste Professionalität im Sinne des gemeinsamen Erfolgs.

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Doch während Flick vor einigen Tagen versuchte, der Geschichte Wind aus den Segeln zu nehmen, indem er einräumte, dass es zwischen ihm und seinem Sportvorstand wie in einer Ehe zwar "Meinungsverschiedenheiten" gebe, diese aber keinen Einfluss auf den Erfolg hätten, sagt Salihamidzic gar nichts.

Damit befeuert er indirekt die Spekulationen, wonach es bei den beiden nicht nur um eine Ehe-Krise geht, sondern eine Trennung droht.

Der Flick-Salihamidzic-Disput: Was steckt dahinter?

Ihren Ursprung hat diese Fehde im Wintertrainingslager in Doha/Katar Anfang 2020. Flick, der ein paar Wochen zuvor das Traineramt von Niko Kovac interimsweise übernommen hatte, forderte überraschend und öffentlich mindestens zwei Neuzugänge, weil ihm der Kader für die großen Ziele zu klein erschien.

Salihamidzic reagierte und erklärte: "Ich war davon überrascht, was Hansi medial zur Kaderplanung gesagt hat. Ich bin einfach kein Freund von medialer Kaderplanung, weil wir uns eh die ganze Zeit austauschen." Es knisterte erstmals gewaltig!

Flick wünschte sich vor allem einen neuen Rechtsverteidiger, sodass Joshua Kimmich dauerhaft auf der Sechs spielen konnte. Er brachte selbst Ideen ein (u.a. Benjamin Henrichs und Dodô), doch Salihamidzic entschied sich für Álvaro Odriozola. Der Spanier kam, spielte aber nie, weil er in den Augen Flicks keine Verstärkung war. Salihamidzic war brüskiert.

Die Diskussion um Neuer und Nübel

Fast zur gleichen Zeit wurde die Verpflichtung von Alexander Nübel von den Bayern verkündet.

SPORT1 enthüllte ein Einsatz-Versprechen an den Schalke-Neuzugang, das von Salihamidzic ausging, als Flick noch gar kein Bayern-Trainer war. Manuel Neuer reagierte mit einer Kampfansage und Flick stellte sich demonstrativ hinter seine Nummer eins.

Schnell war klar: Nübel wird kaum spielen. Die Folge: Bis heute sorgt die Neuer-Nübel-Posse für Ärger. Stefan Backs, Nübels Berater, sieht das Einsatzversprechen bislang als unerfüllt an und droht mit einer Leihe. Flick und Neuer sind von diesem Thema genervt.

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Ausgerechnet im Rückspiel gegen Lazio Rom am Mittwochabend (Hinspiel 4:1) könnte Nübel nun im Tor stehen. Wenige Tage nachdem Backs für Aufsehen gesorgt hat, indem er öffentlich seinen Unmut über die ausbleibende Spielpraxis äußerte.

Für Nübel dürfte es das letzte Spiel in dieser Saison sein, denn in den kommenden Wochen stehen nur noch Endspiele an, auf die Neuer nicht verzichten wird. 

Neuer, so erklärte es Flick am Dienstag, fehlte im Abschlusstraining, weil er leicht erkältet war. Um direkt hinterher zu schieben, dass er sich in die Aufstellung nicht reinreden lässt und ein Einsatzversprechen nicht der Grund für den möglichen Wechsel sei.

Nun muss man wissen: Backs und Salihamidzic telefonieren mehrmals pro Woche miteinander. Doch Flick beteuerte, dass er keine Einsatz-Ansage von Salihamidzic erhalten habe.

Flick-Forderung: Veto-Recht bei Transfers

Zwischen Flick und Salihamidzic gibt es immer wieder unterschiedliche Meinung zu diversen Spielern - bis heute. Weil sie gar nicht oder unregelmäßig spielen oder nicht gehalten werden.

Im Zentrum ihrer Konflikte: Lucas Hernández, David Alaba, Jérôme Boateng, Tiago Dantas, Marc Roca, Bouna Sarr, Thiago, Michael Cuisance und Sven Ulreich. Hinzukommt: Flick forderte in einem Interview ein Veto-Recht bei Transfers.

Dieses hat ihm der Verein bis heute nicht eingeräumt, wenngleich er bei allen Personalien mit eingebunden ist. Salihamidzic bleibt aber hauptverantwortlich für die Kaderplanung und ist spätestens seit seiner Beförderung in den Vorstand mit noch mehr Macht ausgestattet als zuvor in seiner Sportdirektor-Rolle.

"Weniger Brazzo, mehr Chef!"

Hinter den Kulissen wird ohnehin seit Monaten daran gearbeitet, ihm ein mächtigeres Image zu verpassen. Die Devise lautet: Weniger Brazzo, mehr Chef!

Spürbar ist das auch in Aussagen der Bayern-Bosse, die jeden Personal-Coup mit ihm in Verbindung bringen. Ein Berater, der mit dem Bosnier in Verhandlungen stand, sagt: "Salihamidzic wird immer mächtiger!"

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Seit dem 1. August 2017 ist Salihamidzic bei den Münchnern beschäftigt. Wie Flick besitzt er einen Vertrag bis 2023. Dass er diesen verlängert, davon ist nach aktuellem Stand auszugehen. Ex-Präsident Uli Hoeneß ist einer seiner größten Befürworter. Wie Flick genießt er auch die Rückendeckung von Rummenigge und Präsident Herbert Hainer.

Anders als die beiden mächtigen Bayern-Bosse hüllt sich Salihamidzic aber zumeist in Schweigen. Nur sehr selten stellt er sich vor die Mikros.

Und wenn, verzichtet er meistens auf Klartext und flüchtet sich in Phrasen. Die Folge: Die gleichen Fragen, die zuvor von ihm hätten geklärt werden können, muss Flick beantworten, was dem Bayern-Trainer Kraft und Energie für den Arbeitsalltag raubt.

Flick und Salihamidzic - eine Liebesbeziehung wird es nicht mehr!

Flick weiß, dass der sportliche Erfolg und der Rückhalt der Mannschaft und aller Funktionäre für ihn sprechen. Er hat dem FC Bayern das Mia-san-Mia-Gefühl zurückgegeben.

Salihamidzic weiß indes, dass ihm die Vereins-Oberen den Umbruch und damit die Zukunft des Vereins anvertraut haben.

Ziel des FC Bayern ist, mit beiden Alphatieren erfolgreich weiterzuarbeiten. Dass Flick jedoch vorzeitig um Freigabe bittet, weil ihn der DFB unbedingt will, ist nicht ausgeschlossen.

Und Salihamidzic wird wissen: Geht Flick, wird er selbst noch stärker und kann dessen Nachfolger quasi im Alleingang aussuchen. Nicht auszuschließen, dass er daher bewusst schweigt.

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