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Mönchengladbach ist offenbar kurz davor, Xabi Alonso als künftigen Trainer zu verpflichten - es wäre ein Husarenstreich, findet SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp.

Keiner weiß, ob der Trainer Xabi Alonso in der Bundesliga funktioniert. Er hat bisher kaum etwas vorzuweisen in seiner Karriere als Fußball-Lehrer.

Und noch hat ja auch weder Borussia Mönchengladbach, noch der spanische Weltmeister von 2010 den Deal offiziell bestätigt. Auch wenn nach Bild-Informationen alles klar ist.

Doch mal ganz davon ab, ob Alonso Mönchengladbach als Trainer wieder nach oben führt - die Idee, ihn zu holen und die sportliche Verantwortung in seine Hände zu legen, gehört zumindest wertgeschätzt und eigentlich echt gefeiert.

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Denn es sagt so viel über Mönchengladbachs Manager Max Eberl, seine Denkweise und Haltung, dass schon das reine Angebot an Alonso genügt hätte, um Eberls Ruf als einen der stärksten Verantwortlichen im deutschen Fußballgeschäft noch einmal zu untermauern.

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Während so viele oft vor allem reden, was sie in Zukunft alles verändern und welche besonderen Wege sie gehen wollen (um dann aber doch die Lösung des vermeintlich geringsten Risikos zu wählen), geht Eberl mit Alonso ein Wagnis ein.

Es kann funktionieren, die Chancen stehen sogar gut, denn sowohl zu Alonsos Charakter als auch seinem fachlichen Ansatz und Anspruch sind aus München, wo er ja schon einmal für drei Jahre in der Bundesliga aktiv war, nur herausragende Eindrücke überliefert. Alonso sei ein absoluter Teamplayer und Begeisterer, dazu spielintelligent, detailverliebt und voll auf eigenen Ballbesitz ausgerichtet.

Rummenigge hofft auf Alonso beim FC Bayern

Für Pep Guardioala war er der verlängerte Arm auf dem Spielfeld, beide prägt eine solche gegenseitige Wertschätzung, dass auch Guardiola-Superfan Karl-Heinz Rummenigge längst die Idee hatte, den Ex-Spieler bald beim FC Bayern aufzunehmen

Eberls Einfall mit Alonso zeigt und ist aber noch viel mehr. Eine Motivation zum Beispiel an die anderen Top-Vereine der Liga, mutig und selbstbewusst zu bleiben. Auch mal einen Pfad zu wählen, der eben noch nicht ausgetreten ist - aber vielleicht ja auch zu einem großen Ziel führt. Und damit zum richtig guten Weg wird. Die Chance ist voll da, erst recht, wenn der Pfadfinder schon ziemlich erfahren ist.

Und es zeigt auch, welchen Anspruch sie haben in Mönchengladbach. Wenn ein Konkurrent schon ihren aktuellen Trainer wegschnappt, dann muss man sich mit der Rolle des Kleinen oder Unterlegen nicht abfinden. Dann kann man auch kurz die Kräfte bündeln und aus der neuen Situation eine wunderbare Motivation ziehen.

Gladbach unter Alonso womöglich besser als unter Rose

Vielleicht auch die, es denen zu zeigen, die schon daran dachten, dass Mönchengladbach ohne Marco Rose nicht so erfolgreich weiterlaufen wird. So ein Unsinn! Wer weiß, ob sie in ihrer Entwicklung mit Alonso nicht sogar weitere Schritte nach vorne machen können?

Die Chance ist da. Und Chancen zu sehen, statt zuallererst Gefahren, das ist - nicht nur im Sport - die deutliche bessere Einstellung. Gut gemacht, Borussia Mönchengladbach!

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".

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