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Frankfurt am Main - Cristiano Ronaldo hat seinen Nachfolger in Portugal vor Jahren schon ernannt: André Silva. Der Eintracht-Stürmer liefert. Doch reicht das, um das Erbe von CR7 anzutreten?

Ganz Fußball-Europa schwärmt von den Bundesliga-Stürmern Robert Lewandowski (35 Saisontore) oder Erling Haaland (21).

Beinahe schon still und heimlich hat sich mit 22 Treffern aber ein Angreifer von Eintracht Frankfurt auf Platz zwei der Torjägerliste geschoben: André Silva. Der 25-Jährige entschied mit seinem Kopfball auch das Duell bei Borussia Dortmund - und somit auch den Zweikampf mit Haaland. (André Silva auf den Spuren von Lewandowski?)

Insgesamt trennt die beiden Toptorjäger hinter Lewandowski statistisch gesehen nicht viel. Silva trifft alle 97, Haaland alle 89 Minuten. Beide Stürmer sind sehr beweglich und lauffreudig, sie halten sich nicht nur im Strafraum auf und sind Schlüsselspieler ihrer Teams.

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Ihr Spielstil ist allerdings sehr unterschiedlich: Haaland kommt gerne mit viel Wucht aus der Tiefe zum Abschluss. 

Silva hingegen ist oftmals Flankenabnehmer mit geborenem Tor-Instinkt. Er bringt neben Präzision und einer guten Technik auch Vielseitigkeit beim Abschluss mit.

Ob mit dem rechten (13 Tore), linken (3 Tore) Fuß oder per Kopf (5 Tore) - er ist stets gefährlich, äußerst variabel und beim Elfmeter (alle 6 verwandelt) nervenstark. Haaland hingegen ist vollständig auf seinen linken Fuß (19 Tore) fokussiert, vor allem das Kopfballspiel (kein Tor in dieser Saison) zählt bislang nicht zu dessen Stärken.

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Bobic fädelte im Sommer 2019 einen heißen Deal ein

Silva hat in 50 Bundesligapartien 34 Tore erzielt, seit dem Re-Start nach der Coronapause im vergangenen Mai jubelte er in 35 Begegnungen 30 Mal. Sportdirektor Bruno Hübner lobte den Angreifer im vereinseigenen TV: "Das ist eine außergewöhnliche Bilanz. André ist ein außergewöhnlicher Stürmer, der eine tolle Entwicklung genommen hat. Obwohl er schon viele Vereine hatte, war der Schritt zur Eintracht der richtige für ihn."

In der Tat haben die Hessen den wohl stärksten Stürmer ihrer langen Historie im Sommer 2019 gefunden (Der beste Stürmer, den Eintracht je hatte).

Dabei musste Sportvorstand Fredi Bobic den Deal mit heißer Nadel stricken. Am letzten Tag der Sommertransferperiode tauschten André Silva und Ante Rebic länderübergreifend die Vereine. AC Mailand und Eintracht Frankfurt verhandelten mit Hochdruck, es war ein wahrer Krimi, der mit dem geglückten Medizincheck erst spät am Abend endete.  

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Ein Jahr später gelang Bobic das Husarenstück, die feste Verpflichtung zu Topkonditionen. Rebic ging fest zu Milan, Silva kam zur Eintracht. Die größte Schwierigkeit, dass der frühere Rebic-Klub Florenz 50 Prozent der Ablösesumme bei einem Weiterkauf erhalten sollte, umschiffte der Frankfurter Sportvorstand geschickt. Dass Frankfurt bei einem Weiterverkauf von Silva einen Teil der Summe abdrücken muss, ist angesichts der Zahlen verschmerzbar.

Cristiano Ronaldo adelte Silva schon in jungen Jahren

Doch wer ist dieser Stürmer überhaupt, von dem Cristiano Ronaldo bereits im Jahr 2017 der Gazzetta dello Sport sagte: "Wenn ich zurücktrete, wird Portugal in guten Händen sein, denn das Team hat bereits einen tollen Stürmer gefunden: Andre Silva." Bis zu seinem Wechsel nach Frankfurt konnte Silva Ronaldos Worte allerdings noch nicht mit Taten unterfüttern. In Mailand und beim FC Sevilla erzielte er in 81 Pflichtspielen zwar 21 Treffer, verpasste aber den Durchbruch.

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Dabei war der Start im ersten Profijahr beim FC Porto so verheißungsvoll, in acht Champions-League-Spielen traf er viermal und assistierte zweimal. Den 2017 von Milan überwiesenen 38 Millionen Euro wurde Silva allerdings nicht gerecht. Erst in der Bundesliga folgte unter Eintracht-Trainer Adi Hütter der nächste Karriereschritt. Oder besser: Karrieresprung. In Frankfurt erhält der Vollblutstürmer das nötige Vertrauen und zahlt mit konstant guter Leistung zurück.

Eintracht kann Silva nur bei einer Champions-League-Qualifikation halten

Silva ist ein kompletter Stürmer, einzig in Sachen Tempo kann er nicht mit der Elite mithalten. Doch dieses Defizit macht er mit seinen technischen Fähigkeiten, dem Torinstinkt und der Konsequenz vor dem gegnerischen Gehäuse mehr als wett. Ob die Frankfurter ihn über den Sommer hinaus halten können? Das ist trotz Platz vier und seines Vertrags bis 2023 nicht gesichert. Mit seiner Trefferquote steht Silva automatisch im Blickfeld größerer Klubs, wobei sich die Eintracht in diesem Rennen nicht chancenlos sieht. 

Die spanischen Vereine haben mit großen finanziellen Problemen zu kämpfen, der FC Barcelona und Real Madrid fahnden eher nach Schwergewichten wie dem ablösefreien Memphis Depay, Haaland oder dem PSG-Duo Kylian Mbappe und Neymar. Auch englische Teams werden überlegen müssen, ob sie wie in früheren Zeiten 40 Millionen Euro oder mehr für einzelne Akteure investieren.

Zudem fühlt sich der Stürmer bei der Eintracht äußerst wohl, möglicherweise kann bei solchen Topleistungen auch in Sachen Gehalt noch einmal nachgeschraubt werden.

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In der portugiesischen Nationalmannschaft nicht gesetzt

Silva befindet sich außerhalb der Heimat auf seiner ersten erfolgreichen Station, in Frankfurt könnte er bei geglückter Qualifikation im gewohnten Umfeld Champions-League-Erfahrung sammeln und weiter reifen. Ob sich der smarte Stürmer damit automatisch ein Ticket für die Europameisterschaft sichert, ist dennoch nicht gesichert.

Es mutet schon bizarr an. Während Silva in der deutschen Nationalmannschaft mit einer solchen Quote eine große Lücke in der Spitze schließen könnte, ist er in der Heimat nicht gesetzt. Daran ändern auch 16 Treffer in 36 Länderspielen nichts. Kann er also schon Ronaldo beerben?

Die Konkurrenz in Portugals Offensive ist mit Cristiano Ronaldo, Diogo Jota, Joao Felix, Bernardo Silva oder Bruno Fernandes gewaltig. Für Silva ist da aktuell wenig Platz, Nationaltrainer Fernando Santos lässt ihn entweder auf der Bank sitzen oder nimmt ihn gar nicht erst mit. 

Silva schwärmt von Ronaldo

Dabei würde Silva seine Qualität auch gerne an der Seite von CR7 zeigen. "Es stimmt, Cristiano Ronaldo hat mich öffentlich gelobt. Als ich zum ersten Mal in der Nationalmannschaft dabei war, standen wir gemeinsam auf dem Feld und haben viele Tore erzielt", erinnerte er sich im vergangenen Herbst im großen SPORT1-Interview zurück. "Neben seiner generellen Klasse sind es die kleinen Details, die mich faszinieren: Wie präzise er einen Pass spielt und wie fokussiert er jeden Tag an sich arbeitet." (Zum kompletten Interview)

Silva jedenfalls hat genau diesen Kampf – auch gegen den inneren Schweinehund - angenommen und sich peu á peu verbessert. Hütter sieht in ihm einen "bescheidenen Jungen", der "große Ziele hat und an etwas glaubt". Woran? Auch dies sagte Silva schon frühzeitig bei SPORT1: "Ich glaube, dass wir das Level für die Qualifikation zur Champions League haben. Das ist meine ganz persönliche Meinung. Ich träume davon, dieses große Ziel mit der Eintracht zu erreichen."

Champions League mit Eintracht im Blick

Angesichts von sieben Punkten Vorsprung auf die Konkurrenz aus Dortmund und Leverkusen kann sich der Star-Stürmer inzwischen bestätigt fühlen.

Und das Ende der Fahnenstange muss längst nicht erreicht sein. In der Bundesliga will der Eintracht-Trumpf in der Torjägerliste vor Haaland bleiben und bei der Europameisterschaft auf dem Feld neben Ronaldo stehen.

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