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Mit der Verpflichtung von Julian Nagelsmann lässt sich der FC Bayern auf eine kleine Revolution ein. Der neue Coach wird dem Team spätestens 2022 ein neues Gesicht geben.

Mit der Unterschrift von Julian Nagelsmann unter den Fünf-Jahres-Vertrag hat der FC Bayern am Dienstag sehenden Auges eine kleine Revolution eingeläutet.

Der Rekordmeister holt mit dem 33-Jährigen zwar einen gebürtigen Oberbayern ins Haus, doch allzu heimelig dürfte es an der Säbener Straße nicht werden. Ganz im Gegenteil: Aus dem RB-Kosmos wird Nagelsmann eine große Portion seiner Fußballidee umsetzen und dabei versuchen, sie mit den vorhandenen Strukturen gewinnbringend zu verquicken. (Diese beiden Trainer bringt Nagelsmann mit)

Nagelsmanns Vorgänger wie Carlo Ancelotti, Jupp Heynckes, Niko Kovac oder Hansi Flick brachten zwar jeweils eine eigene Note mit, doch von der Grundidee wich man kaum ab. Das typische Ballbesitzspiel samt Viererkette war jahrelang ein Mantra, das sich quer durch alle Cheftrainer zog.

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Bei Nagelsmann wird sich das ändern - auch wenn sein erstes Jahr beim Rekordmeister noch zur Übergangsaison werden könnte. Der Noch-Leipziger gilt als klarer Verfechter der Dreierkette, das blitzschnelle Umschaltspiel ist eines seiner Markenzeichen. (So viel Lattek steckt in Nagelsmann)

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Pavard zu langsam als Flügelflitzer

Nagelmann benötigt für die Umsetzung seiner Philosophie zwei schnelle Außenspieler, die auf den Seiten ordentlich Dampf machen - wie bei Leipzig Angelino und Nordi Mukiele.

Mit "Roadrunner" Alphonso Davies hat der kommende Bayern-Coach auf der linken Seite einen Spieler, der wie die Faust aufs Auge passt.

Spannend wird es aber auf der rechten Außenposition. Benjamin Pavard könnte zwar die Rolle übernehmen, dürfte allerdings einige Stundenkilometer zu langsam sein für Nagelsmanns Ansprüche.

Muss Pavard unter Nagelsmann gar um seinen Platz in der Bayern-Elf bangen?

Nicht unbedingt. Der französische Weltmeister, der ohnehin lieber in der Innenverteidigung spielen würde, könnte auch den rechten Part in der Dreierkette übernehmen.

Für die drei Positionen stünden - Stand jetzt - Lucas Hernández, RB-Neuzugang Dayout Upamecano (kommt für 42,5 Millionen Euro Ablöse), der ambitionierte Tanguy Nianzhou und Niklas Süle zur Verfügung. Wobei sich um Süle weiterhin Transfergerüchte ranken und er ebenso wie David Alaba und Jerome Boateng die Bayern verlassen könnte.

Klar ist: Auf der rechten Seite würde sich Nagelsmann über frischen Wind freuen.

Möglicher Kandidat ist Lucas Vazquez, der schon seit geraumer Zeit mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht wird. Der Vertrag des pfeilschnellen Rechtsaußen läuft am Saisonende bei Real Madrid aus, eine Ablöse würden sich die Münchner damit sparen. (Kommentar: Davon hängt Nagelsmanns Erfolg ab)

Leroy Sané muss mehr zeigen

In der Offensive muss Leroy Sané künftig mehr zeigen, insbesondere im Defensivverhalten.

Nagelsmann ist bekannt, Disziplin und bissige Zweikämpfe zu verlangen - auch schon in vorderster Reihe.

Sich bei RB bedienen, wird sich der Noch-Leipziger verkneifen - das sagte er bereits am Dienstag. "Ich werde jetzt nicht einen T6 mieten, um nach München zu fahren und im Schlepptau noch den ein oder anderen guten Spieler von Leipzig dabei zu haben", erklärte der Coach. "Jetzt, wo mir RB die Chance ermöglicht, fange ich nicht an, an Spielern herumzugraben."

Kommt Haaland für Lewandowski?

Für die Zukunft heißt dies aber keineswegs, dass doch noch der ein oder andere RB-Spieler an der Säbener Straße auftauchen könnte - wenn im Sommer 2022 ein größerer Umbruch beim FC Bayern vonstatten gehen sollte.

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Hinter vorgehaltener Hand heißt es, dass sich dann auch zwei absolute Leistungsträger verabschieden könnten, die in den vergangenen Jahren häufig die Kohlen aus dem Feuer holten: Manuel Neuer und Robert Lewandowski.

Der polnische Superstürmer lobte den designierten Bayern-Coach in der Sport Bild zwar ("Er schafft es immer, Mannschaften auf ein Niveau zu heben, das man ihnen nicht zutraut"), doch ob "Lewy" tatsächlich über die kommende Saison hinaus in München bleiben wird, erscheint zumindest zweifelhaft.

Dies liegt vor allem an Lewandowskis umtriebige Manager Pini Zahavi, mit dem die Bayern schon bei David Alaba unliebsame Erfahrungen machten - und der seinen Mandanten womöglich einen letzten spektakulären Vertrag sichern möchte. Es ist nicht abwegig, dass sich der Angreifer, der im August 2022 34 Jahre alt wird, und der Rekordmeister nach der kommenden Spielzeit trennen werden.

Gleichzeitig würde auf der Hand liegen, was für viele BVB-Fans wohl der Worst Case wäre: Der Wechsel von Erling Haaland nach München. 

Nübel könnte Neuer 2022 verdrängen

Die 20 Jahre alte Tormaschine im Dienste des BVB kann im Sommer 2022 dank einer Ausstiegsklausel in Höhe von 75 Millionen Euro aus seinem Vertrag herausgekauft werden. Mit dem Norweger, den Nagelsmann auch schon nach Leipzig holen wollte (bevor sich dieser für Dortmund entschied), hätte der Coach das ideale Puzzleteil im Angriff. 

Haaland mag fußballerisch (noch) nicht so weit sein wie Lewandowski, doch mit seiner Wucht wäre er der ideale Stoßstürmer im Nagelsmann-Sytem. Zudem kennt Haaland den RB-Fußball bereits aus seiner Zeit in Salzburg.

Doch nicht nur an vorderster Front - auch im Kasten der Münchner könnte ein Schnitt bevorstehen, der derzeit noch undenkbar erscheint.

Alexander Nübel, der vor einem Jahr aus Schalke geholt wurde, um eines Tages Manuel Neuer zu beerben, wird auch in der kommenden Saison nicht an Bayerns Kapitän vorbeikommen. 

Im Sommer 2022 könnten die Dinge dann aber anders laufen - schließlich ist Neuer dann 36 Jahre alt und sein Vertrag hätte nur noch ein Jahr Laufzeit. Unter Hansi Flick schien es unmöglich, an Neuers Stellung zu rütteln, schließlich weigerte sich der (Noch-)Bayern-Trainer, Nübel bislang mehr als drei Einsätze in Pflichtspielen zuzugestehen.

Nagelsmann soll Talente weiterentwickeln

Das könnte sich unter Nagelsmann ändern. Während sich Flick auch mal öffentlich über die mangelnde Qualität im Kader beschwerte, gilt Nagelsmann als pragmatisch und arbeitet ohne Widerworte mit den Vorgaben seiner Vorgesetzten.   

Nübel, für den sich Sport-Vorstand Hasan Salihamidzic wiederholt stark machte, könnte ein Jahr lang verliehen werden und seinen prominenten Kollegen im Bayern-Tor nach der kommenden Saison ablösen. 

Schließlich ist Nagelsmann auch dafür geholt worden, die Mannschaft weiter zu verjüngen. Neben Titeln sei auch die Integration von Talenten aus dem Bayern-Campus ein Ziel, sagte er am Dienstag.  

Und so wird "Revoluzzer" Nagelsmann im Sommer anfangen, die ersten Steine an der Säbener Straße umzudrehen. Buddhas wie einst Jürgen Klinsmann wird er nicht mitbringen, mit einigen Personalentscheidungen ist dennoch zu rechnen.

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