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Robert Lewandowski krönt eine grandiose Bundesliga-Saison am vorletzten Spieltag. Der Superstar des FC Bayern stellt den Saison-Rekord von Gerd Müller ein.

Es ist vollbracht! 

Robert Lewandowski hat den Torrekord von Gerd Müller eingestellt. Beim 2:2 (1:1)-Remis im vorletzten Saisonspiel beim SC Freiburg markierte der polnische Superstar des FC Bayern per Elfmeter seinen 40. Treffer. Nach leichter Verzögerung schoss er den Ball rechts unten ins Netz (26.). (Der Spielverlauf zum Nachlesen im LIVETICKER)

"Das ist eine große Ehre für mich und auch für die moderne Geschichte der Bundesliga in Deutschland", sagte Lewandowski nach dem Spiel bei Sky. "Es freut mich sehr, bei so einem legendären Rekord dabei zu sein. Was Gerd gemacht hat, war unglaublich. Ich habe nie gedacht, dass ich herankommen kann und mit ihm einen Rekord halten kann. Ich bin sehr, sehr stolz. Was gerade passiert, glaube ich noch nicht, das braucht noch ein bisschen Zeit."

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Lewandowski erzielt per Elfmeter 40. Saisontor

Der Elfmeter war durchaus umstritten. Nach einer Ecke war Thomas Müller nach einem leichten Halten von Lukas Kübler zu Fall gekommen, allerdings hatte Kübler Müller auch mit dem Fuß am rechten Knöchel erwischt.

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Schiedsrichter Florian Badstübner hatte das Spiel zunächst weiterlaufen lassen, nach einem Hinweis des VAR und Sichtung der TV-Bilder aber doch auf Strafstoß entschieden. Lewandowski schnappte sich den Ball und verwandelte sicher. Nach dem Ausgleich durch Manuel Gulde (29.), brachte Leroy Sané (53.) die Bayern erneut in Front, aber Freiburg schlug durch Christian Günter (81.) nochmals zurück.

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Beim Torjubel präsentierte Lewandowski unter seinem Trikot ein Shirt mit Gerd Müllers Konterfei und dem Schriftzug: "4ever Gerd". Anschließend standen alle FCB-Spieler und die Bank der Bayern Spalier.

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Löw gratuliert Lewandowski

"Ich kann es gar nicht in diesen geschichtsträchtigen Kontext setzen, weil Gerd Müller diesen Verein mit seinen Toren überhaupt erst dahin gebracht hat, wo wir jetzt stehen. Ohne Gerd Müller würden wir vielleicht immer noch zu Fuß anreisen", sagte Thomas Müller. "Der Verein ist durch solche Spieler wie Gerd Müller groß geworden. Dass sich Lewy jetzt auf eine Stufe, da kann man den Hut ziehen, aber das versteht sich von selbst. Die Mannschaft hat es ihm nicht nur gegönnt, sondern die würdigt das auch, was er für uns leistet."

Bundestrainer Joachim Löw zeigte sich ebenfalls beeindruckt. "Es ist imponierend, so eine Anzahl an Toren zu erzielen. In der heutigen Zeit ist das noch schwieriger als es früher war", sagte Löw bei SPORT1.

Bayern-Trainer Hansi Flick sagte anschließend: "Robert Lewandowski hat die historische Marke von Gerd Müller geknackt. Aber Tore schießt man nicht allein. Man braucht Spieler, die einen bedienen. Daher muss ich der Mannschaft ein Riesenkompliment machen."

Freiburger Spieler ziehen den Hut

Lob und Anerkennung für Lewandowski gab es nach dem Abpfiff auch von den Freiburgern. "Man denkt selbst, man ist ganz gut, wenn man zweistellig trifft, aber 40! Das ist eine andere Welt, da muss man alle Hüte ziehen. Das ist eine Riesenleistung, die in den nächsten Jahren keiner mehr schaffen wird. Vielleicht er selbst noch mal", sagte Nils Petersen. Er habe es nicht für möglich gehalten, dass diese Marke in der Bundesliga mal jemand erreicht. "Er hat es geschafft, obwohl die Mannschaften mittlerweile sehr gut verteidigen. 40 ist eine abartige Zahl."

SC-Kapitän Christian Günter ergänzte: "Er ist über Jahre hinweg für mich der absolut beste Stürmer auf dem Planeten. Er ist außergewöhnlich. Von ihm kann jeder Stürmer und jeder Spieler etwas lernen. Einfach nur einen herzlichen Glückwunsch an ihn, das ist einfach nur eine herausragende Leistung. Das Schöne ist, dass er auch ein herausragender Typ ist." Und Petersen meinte: "Es gibt sicher auch andere gute in anderen Ligen, aber er ist hier vor Ort und man kann sagen, dass er der Beste ist. Dass er jahrelang der Bundesliga und dem FC Bayern die Treue gehalten hat, spricht auch für ihn."

Leise Kritik an dem Jubel-Spalier unmittelbar nach dem Rekordtor gab es vonseiten der Freiburger. "Dass es ein bisschen an der Kante entlang ist, finde ich auch. Aber wir haben schon andere Dinge erlebt in Halbzeiten mit Anastacia und Co. Damit würde ich es nicht gleichsetzen. Es war von der Mannschaft an ihn ein Tribut und der Glückwunsch", sagte Freiburgs Sport-Vorstand Jochen Saier in der Halbzeitpause bei Sky. Angebliche Buh-Rufe aus der Freiburger Ecke habe es aber nicht gegeben, meinte Saier.

Lewandowski vergibt Riesenchance zum 41. Tor

Zum Erreichen von Müllers Rekords gratulierte Saier Lewandowski: "Das ist in der Tat außergewöhnlich. Ich hätte auch nicht gedacht, dass man den Rekord noch mal knacken oder egalisieren kann." Lewandowski sei "ein absoluter Ausnahmestürmer und aktuell der beste der Welt".

Um ein Haar hätte Lewandowski sich in der zweiten Halbzeit den alleinigen Rekord geschnappt, doch aus wenigen Metern schoss er Freiburgs Torhüter Mark Flekken den Ball direkt in die Arme (78.). "Ich hätte heute mindestens noch ein Tor mehr schießen können, aber vielleicht kann man so einen Rekord nicht direkt brechen. Wir haben noch ein Spiel. Ich versuche, noch mindestens ein Tor zu schießen", sagte Lewandowski.

"Am Schluss hat man gesehen, er ist auch nur ein Mensch. Aber natürlich einer, der sehr, sehr gut vor dem Tor ist", meinte Müller und würdigte generell Lewandowskis Leistung. "Das ist schwer einzuordnen. Das Verrückte bei Lewy ist, dass das irgendwie normal ist wie er Dreierpacks schießt oder traumwandlerisch diese Tore macht. Gut, 40 hat er noch nie geschafft, aber er hat schon extrem viele Tore in den letzten Jahren gemacht. Das ist schon verrückt."

Lewandowski hat damit nun im Laufe einer Spielzeit genauso viele Tore gemacht wie der legendäre "Bomber der Nation" einst in der Saison 1971/72. Jahrzehntelang galt die Bestmarke als in Stein gemeißelt - bis jetzt Lewandowski kam. Der Angreifer hätte den Rekord wohl schon früher erreicht, wäre er nicht zuletzt von einer Bänderverletzung ausgebremst worden. (Service: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

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Meister ist der FCB bereits seit letzter Woche, der Rekord war daher eines der letzten verbliebenen Saisonziele. Dass es so lange dauerte, bis jemand den Torrekord verbesserte, hatte den bisher alleinigen Spitzenreiter stets gewundert. Dies hatte zuletzt auch Müllers Gattin Uschi betont.

"Wer verkauft so einen Spieler?"

Ihr Gerd habe habe sich freilich früher gewundert, dass seinen Rekord "nicht längst schon jemand eingeholt hat", erzählte Uschi Müller. Dass seine Bestmarke erreicht ist, bekommt der 75 Jahre alte Müller, der seit 2015 in einem Pflegeheim für schwer Demenzkranke südlich von München lebt, leider nicht mehr mit. 

Aber, so sagt Uschi Müller: "Von dem Moment an, als die Raumdeckung eingeführt wurde, hat er darauf gewartet." Gerd habe ihr immer gesagt: "Es ist so viel Platz da, die Chancen sind da - und die machen keine Tore." So wie er, der in 427 Bundesligaspielen 365 Treffer markiert hatte.  

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Lewandowski macht diese Tore. Zur Freude der Bayern. Spekulationen, der Pole könne sich noch mal verändern wollen, widersprach Klubchef Karl-Heinz Rummenigge im SPORT1-Podcast "Meine Bayern-Woche" energisch: "Klar bleibt der. Wer verkauft einen Spieler, der 60 Tore pro Jahr macht?" Keiner, denn, lobte auch Ex-Spieler Paul Breitner, Lewandowski habe "eine gigantische Qualität und eine Gier, wie ich sie in fünf Jahrzehnten nur vom Gerd kannte".

Uschi Müller hält von den Vergleichen wenig. "Der Robert ist ein Athlet", sagte sie, "der Gerd war ein Artist."

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