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Dortmund - Die Bayern-Granden Oliver Kahn und Uli Hoeneß sprechen im großen SPORT1-Interview über Erwartungen an Julian Nagelsmann, Kritik an Hasan Salihamidzic und den Poker um Kingsley Coman.

Gipfeltreffen im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund: SPORT1 traf die Bayern-Granden Uli Hoeneß und Oliver Kahn zum Doppel-Interview, als am Dienstag die neuen Mitglieder der Hall of Fame feierlich aufgenommen wurden. Auch Kahn ist jetzt ein Hall-of-Famer. (BERICHT: Fünf Neuzugänge in der Hall of Fame)

"Wobei man mir immer gesagt hat: Wenn man dich ins Museum stellt, musst du aufpassen", scherzte der künftige Vorstandsvorsitzende des FC Bayern. "Aber ich bin überwältigt, was hier im Fußballmuseum auf die Beine gestellt wurde."

Sein ehemaliger Vereinspräsident und aktueller Aufsichtsrat Hoeneß hatte ihn nach Dortmund begleitet, um für eine RTL-Produktion in gemeinsamen Erinnerungen zu schwelgen.

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Beim SPORT1-Interview gab es zum Saisonabschluss einiges zu besprechen: die Erwartungen an den neuen Trainer Julian Nagelsmann, die ständige Kritik an Sportvorstand Hasan Salihamidzic, das erwartete Pokerspiel um Kingsley Coman, die Furcht vor der neuen Saison.

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Hoeneß: "Aus diesem Holz sind Bayern-Spieler geschnitzt"

SPORT1: Bayern München feiert die neunte Meisterschaft in Folge, andere Topklubs in Europa wurden gestoppt. Bedeutet Ihnen das was?

Oliver Kahn: Das bedeutet uns sogar sehr viel. Wenn man sieht, wie die Mannschaft sich freut, wie die Mannschaft feiert und den Erfolg genießt, kann ich keine Abnutzungserscheinungen erkennen. Jetzt setzt sich die Mannschaft das nächste große Ziel. Sie kann etwas erreichen, was noch kein Klub in einer der europäischen Top-Ligen geschafft hat: die zehnte Meisterschaft in Folge.

Uli Hoeneß: Wir haben eine charakterstarke Mannschaft, die beseelt davon ist, Titel zu gewinnen. Joshua Kimmich sprach noch in der Meisternacht davon, dass er jetzt Europameister werden will - er will vorher gar nicht in Urlaub fahren. Oliver Kahn war früher genauso. Aus diesem Holz sind Spieler von Bayern München geschnitzt.

Kahn (lacht): In Urlaub fahren fand ich jetzt nicht so schlecht.

Uli Hoeneß (r.) und Oliver Kahn nahmen Stellung zu den großen Themen beim FC Bayern
Uli Hoeneß (r.) und Oliver Kahn nahmen Stellung zu den großen Themen beim FC Bayern © Carsten Kobow

Wie werden Abgänge von Alaba, Boateng und Martínez kompensiert?

SPORT1: Ist eine Durststrecke tolerierbar, dass man ohne Titel bleibt - wie andere Top-Klubs in Europa auch?

Hoeneß: Grundsätzlich ist das immer möglich - aber das wird's beim FC Bayern nie geben, dass man sagt: Kein Titel ist auch nicht so schlimm. Das kann zwar mal passieren unter gewissen Voraussetzungen. Aber wir verlieren zur neuen Saison ja kaum Qualität. Was wir verlieren, haben wir durch Dayot Upamecano ersetzt.

SPORT1: Schon Trainer Hansi Flick hat bemängelt, dass die Qualität der Mannschaft zum Vorjahr schlechter geworden ist. Das war einer seiner Kritikpunkte. Jetzt gehen noch Alaba, Boateng, Martínez. Da muss doch mehr passieren als Upamecano.

Hoeneß: Man muss sich endlich mal vor Augen führen, was die Corona-Krise auch für den FC Bayern bedeutet. Uns fehlen mal locker 80 bis 100 Millionen Euro Zuschauereinnahmen. Und die kriegen wir auch nicht zurück. Das heißt: Alle Vereine, die seriös arbeiten, können keine großen Investitionen machen. Und die Ansicht, dass die Mannschaft schlechter geworden ist, habe ich nie geteilt. In der Champions League hätten wir dieses Jahr noch mehr erreicht, wenn Robert Lewandowski gegen Paris nicht verletzt gewesen wäre.

Kahn: Zudem haben auch noch Leon Goretzka und Serge Gnabry gefehlt.

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Coman holt Zahavi - droht Abgang wie bei Alaba?

SPORT1: Kingsley Coman wird eine Schlüsselposition in der Planung sein. Können Sie ihn halten?

Hoeneß: Warum fragen Sie das? Er hat doch zwei Jahre Vertrag ...

SPORT1: ... und jetzt Pini Zahavi als Berater genommen, den Sie beim Poker mit David Alaba als Piranha bezeichnet haben. Den holt Coman ja nicht, wenn er nichts vorhätte.

Hoeneß: Ich kann nur darauf hinweisen, dass der Spieler noch zwei Jahre Vertrag hat. Alles andere werden wir sehen. Das werden Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic schon richten. Die Unterstützung vom Aufsichtsrat mit Herbert Hainer haben sie. Wir haben auch die Sache Alaba gemeinsam gut über die Bühne gebracht.

Alaba? "Nicht bereit, den geforderten Preis zu bezahlen"

SPORT1: Sie haben David Alaba am Ende verloren.

Hoeneß: Wir waren einfach nicht bereit, den geforderten Preis für ihn zu bezahlen. Das wird auch in Zukunft so sein: Wenn Preise aufgerufen werden, die nicht darstellbar sind, dann wird's keine Vertragsverlängerung beim FC Bayern geben. Ich habe das Gefühl, dass die betriebswirtschaftlichen Aspekte von einigen Journalisten nicht ausreichend berücksichtigt werden.

SPORT1: Vor Ihnen sitzt ein Betriebswirtschaftler.

Hoeneß: Ihr fragt immer nur nach neuen Spielern. Aber wo das Geld herkommen soll? Diese Frage stellen sich die Wenigsten. Schauen Sie mal, was aus einigen großen Vereinen in der Welt geworden ist. Barcelona, Real Madrid, Juventus Turin ...

Kahn: ... die haben immer diese Gehälter weiterbezahlt. Jetzt stehen sie vor erheblichen Problemen. Das möchte ich mit Bayern München nicht erleben. Wir haben hier im Klub mit Blick auf wirtschaftliche Aspekte unsere klaren Vorstellungen. Deshalb bin ich, auch was Verhandlungen mit Zahavi betrifft, äußerst entspannt.

Hoeneß: "Die nächsten zwei Jahre werden katastrophal"

SPORT1: In letzter Konsequenz muss man sich vom Anspruch auf internationale Titel dann lösen.

Hoeneß: Warten wir das doch mal ab. Schauen Sie: Die Probleme, die wir haben, haben die anderen Vereine doch auch. Wenn ich immer höre: Der Spieler hat ein Angebot zum Beispiel von Barcelona, dann frage ich mich: Wie wollen die das finanzieren? Die nächsten zwei Jahre im Fußballgeschäft werden katastrophal. Das sage ich Ihnen jetzt schon.

SPORT1: Bei den Spitzenklubs?

Hoeneß: Im gesamten Fußball! Weil die wirtschaftlichen Defizite, die aufgelaufen sind und mindestens noch ein Jahr andauern, enorm sind.

Kahn: Wer immer in der Lage sein wird, hinzulangen, sind die Engländer. Aber die hatten 2,7 Milliarden Fernseheinnahmen. Wir in der Bundesliga 1,3 Milliarden. Diese Schere bleibt jetzt erst mal gleich. Wir sind aber dennoch absolut konkurrenzfähig, weil wir eine gute Kultur haben. Diese Winning Culture, wie ich immer sage, ist bei uns sehr stark ausgeprägt. Und das wird noch sehr wichtig werden.

Hoeneß: "Es wird keine großen Transfers geben"

SPORT1: Trotzdem müssen Sie, wenn Sie zum Beispiel Wijnaldum von Liverpool holen wollen, viel Geld zahlen.

Hoeneß: Ich habe gehört, dass an diesem Spieler bei uns gar kein Interesse besteht. (BERICHT: FC Bayern gibt Wijnaldum Korb)

SPORT1: Nicht?

Hoeneß: Es wird keine großen Transfers geben. Können Sie vergessen. Das wurde so zwischen dem Vorstand und dem Aufsichtsrat auf der letzten Sitzung besprochen.

SPORT1: Weiß Ihr neuer Trainer Julian Nagelsmann das?

Hoeneß: Auch er kennt die Situation im Weltfußball.

SPORT1: Herr Kahn, war die Personalie Nagelsmann Ihre wichtigste beim FC Bayern bisher?

Kahn: Natürlich war es eine wichtige Personalie. Aber ich war schon vorher in alle wichtigen Entscheidungen involviert. Ob das die Vertragsverlängerungen bei Manuel Neuer oder Thomas Müller waren oder der Transfer von Leroy Sané. Das bekommt jetzt alles mehr Bedeutung, klar, weil der Zeitpunkt meiner Verantwortung immer näher rückt.

Kahn: Haben Nagelsmann schon sehr lange beobachtet

SPORT1: Warum Julian Nagelsmann? Ein Trainer, der noch nichts gewonnen hat. Warum macht den FC Bayern zuversichtlich, dass die Personalie funktioniert?

Kahn: Julian ist kein Schnellschuss gewesen. Als Verein ist man immer verpflichtet, sich Gedanken zu machen, was passiert, wenn das mit dem aktuellen Trainer nicht funktioniert. Oder sowas passiert wie jetzt mit Hansi Flick, der zur Nationalmannschaft gegangen ist. Wir haben Julian und seine Entwicklung schon sehr lange beobachtet.

SPORT1: Er hat sein zweites DFB-Pokalfinale verloren.

Kahn: Ich finde es gar nicht schlecht, dass wir einen Trainer verpflichten, der nicht so hochdekoriert ist, sondern hochehrgeizig. Wir holen ihn, weil wir von seiner Qualität überzeugt sind und er sich sehr stark mit dem Verein identifiziert, das war ein wichtiger Aspekt. Es war schon immer ein Traum von ihm, einmal Trainer bei Bayern München zu sein. Wir setzen in den nächsten Jahren ein Hauptaugenmerk auf jüngere Spieler. So wie es Hansi Flick gelungen ist, Jamal Musiala auf ein höheres Niveau zu bringen. Julian hat in Hoffenheim und Leipzig gezeigt, dass er Mannschaften besser machen und junge Spieler weiterentwickeln kann.

Hoeneß: Als Hansi Flick bei uns vor anderthalb Jahren übernommen hat, hatte er zu diesem Zeitpunkt auch nichts gewonnen. Er hat bewiesen, dass man in kürzester Zeit sieben Titel holen kann. Da mache ich mir keine Sorgen.

SPORT1: Immerhin war Hansi Flick schon Weltmeister.

Hoeneß: Aber nicht als Cheftrainer.

SPORT1: Angesichts der Ablöse von 15 Millionen Euro plus X, die man RB Leipzig zahlen muss: Ist das Risiko noch überschaubar, das man bei ihm mit einem Fünfjahresvertrag eingeht?

Kahn: Wir sind beim FC Bayern nicht ganz auf den Kopf gefallen. In München sind fünf Jahre eine lange Vertragslaufzeit. Damit wollten wir demonstrieren, dass wir in Zukunft etwas vorhaben und dass wir die nächste Ära aufbauen wollen. Eines war uns wichtig: Kontinuität auf der Trainerposition.

Hoeneß: Man ist selten so unter Druck, wie wir das jetzt waren. Durch die Entscheidung von Hansi, die Aufgabe beim DFB zu übernehmen, musste der Verein zügig handeln. Wenn man Wochen oder Monate herumgeeiert hätte, hätte man Hansi Flick nicht aus dem Vertrag lassen können. Deshalb war es absolut richtig, dass man schnell Nägel mit Köpfen gemacht hat. Wenn man zwei Monate gewartet hätte, hätte man vielleicht etwas mehr Spielraum gehabt. Aber auch zwei Monate länger Ärger. Seitdem ist Ruhe. (Spielplan und Ergebnisse der Fußball-EM 2021)

Hat sich der FC Bayern zu wenig um Flick bemüht?

SPORT1: Aber tut es nicht gleichzeitig weh, dass man Identifikationsfiguren wie Hermann Gerland als Co-Trainer vorzeitig gehen lässt?

Kahn: Absolut. Wir alle im Klub wissen, was wir Hermann Gerland zu verdanken haben. Ich zum Beispiel habe ja zu meiner aktiven Zeit noch selbst mit ihm gearbeitet. Wir kennen seine enormen Qualitäten und sein Auge für junge Spieler.

SPORT1: Hätten Sie mehr tun können, um Hansi Flick zum Bleiben zu bewegen?

Kahn: Ich hatte viele Gespräche mit Hansi. Zwischendurch hatte ich das Gefühl, wir kriegen das hin. Aber dass das Thema Nationalmannschaft in ihm gearbeitet hat, als Jogi Löw seinen Rücktritt nach der EM angekündigt hat, ist nicht wegzudiskutieren. Letztendlich hat er seine Entscheidung getroffen und uns mitgeteilt. Es wäre aus unserer Management-Sicht fahrlässig gewesen, danach nicht sofort zu handeln.

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Flick vs. Salihamidzic? "Haben sicherlich nicht alles richtig gemacht"

SPORT1: Ist es nicht eher fahrlässig, dass man Zwistigkeiten des Trainers mit dem Sportvorstand Hasan Salihamidzic nicht in den Griff bekommt?

Kahn: Es liegt in der Natur der Sache, dass es da auch mal unterschiedliche Auffassungen geben kann. Der Trainer schaut immer auf den aktuellen Kader. Der Sportvorstand muss vor allem in der Coronazeit auf die wirtschaftlichen Aspekte achten. Trotz der Reibereien haben wir meiner Meinung nach alles versucht, um Hansi in München zu halten. Aber irgendwann muss man seine Entscheidung respektieren.

SPORT1: Aber ist es nicht ungewöhnlich, dass die Reibereien öffentlich geworden sind?

Kahn: Es ist nicht so, dass wir uns im Rückblick alle auf die Schulter klopfen. Wir haben sicherlich nicht alles richtig gemacht. Auch wir werden uns in den nächsten Wochen hinsetzen und zurückschauen, was wir hätten besser machen können. Wo wir uns anders hätten verhalten müssen. Nur: Jetzt ist die Situation, wie sie ist. Aber in der Vergangenheit sind schon häufiger große Spieler und große Trainer weggegangen, und fast immer ging es beim FC Bayern noch erfolgreicher weiter. Das sollten wir im Hinterkopf behalten.

SPORT1: Warum sind Hasan Salihamidzic und seine Arbeit immer so umstritten?

Kahn: Hasan hat die schwierige Aufgabe, Transfers in Zeiten von Corona abzuwickeln. Aber ein Klub wie Bayern München muss das verkraften können. Es gibt eine ausgeprägte Streitkultur bei uns. Das ist auch Teil unseres Erfolgs: dass es so viele starke Persönlichkeiten gibt. Trotzdem findet man zum Schluss immer zu einem Konsens.

Hoeneß: Ich kann die Kritik an Salihamidzic nicht nachvollziehen. Ich war 40 Jahre beim FC Bayern in leitender Funktion und bin weiterhin im Aufsichtsrat. Immer, wenn wir einen Spieler gekauft haben, waren alle im Verein dafür verantwortlich. Und nicht der Trainer oder der Manager alleine. Das ist jetzt nicht anders. Tatsache ist: Hasan kann gar nicht alleine Spieler kaufen. Das lässt die Satzung der FC Bayern München AG gar nicht zu. Bei jedem Transfer muss auch die Unterschrift von Karl-Heinz Rummenigge oder einem anderen Vorstandsmitglied drauf sein.

SPORT1: Trotzdem ging Hansi Flick auf Distanz zu ihm.

Hoeneß: Wir schauen jetzt alle nach vorne und wünschen Hansi Flick für seine Aufgabe beim DFB alles Gute. (Alles Wichtige zum DFB-Team)

SPORT1: Am Ende wurde der FC Bayern trotzdem Meister - mit vier Saisonniederlagen. Beunruhigt Sie das?

Hoeneß: Kein bisschen. Wir hatten im Sommer ein Riesenprogramm an Spielen. Da gibt es hundert Gründe, warum wir mal nicht mit 20 Punkten Vorsprung Meister werden.

SPORT1: Absolut. Aber wundert es Sie nicht, dass die Konkurrenten Ihre Schwächephasen nicht ausnutzen?

Hoeneß: Das müssen Sie die anderen fragen. Nicht uns.

SPORT1: Aber sind Sie nicht überrascht?

Hoeneß: Das ist nicht unser Problem. Wir haben versucht, aus der Situation das Beste zu machen - und eine einzigartige Titelsammlung geholt.

SPORT1: Ohne Frage. Aber irgendetwas müssen RB und BVB falsch machen.

Hoeneß: Wieso? Vielleicht sind wir so gut, dass es schwer ist, da heranzukommen.

SPORT1: Oder die anderen nicht gut genug.

Hoeneß: Natürlich haben wir einen riesigen Schatz an Know-How und einen wirtschaftlichen Vorsprung, den wir uns hart erarbeitet haben. Jetzt gilt es, diesen Vorsprung zu halten. Bei uns zeigen die Zahlen auch, dass die Geisterspiele ein riesiges Loch in die Kasse gerissen haben.

SPORT1-Chefredakteur Pit Gottschalk (M.) traf die Bayern Bosse Uli Hoeneß (r.) und Oliver Kahn (l.) zum Interview
SPORT1-Chefredakteur Pit Gottschalk (M.) traf die Bayern Bosse Uli Hoeneß (r.) und Oliver Kahn (l.) zum Interview © Carsten Kobow

Haaland? "Wie sollen wir das finanzieren?"

SPORT1: Von RB Leipzig haben Sie zwei Verstärkungen geholt, den Trainer und einen Innenverteidiger. Bei Erling Haaland vom BVB stellt sich nicht die Frage, ob sie sich leisten können, ihn zu holen. Sondern: Ob Sie es sich leisten können, ihn nicht zu holen. Er ist der Superstürmer der nächsten Generation nach Lewandowski.

Hoeneß: Wie sollen wir das finanzieren?

SPORT1: Vielleicht haben Sie keine andere Wahl.

Hoeneß: Sie meinen: Lieber in den Abgrund und Meister werden um jeden Preis? Das wird es bei uns nie geben.

Salary Cap: Sorgt Corona für eine Revolution?

SPORT1: Ich bin überrascht, wie vorsichtig Sie plötzlich argumentieren. Sie waren mal anders.

Hoeneß: Nein, nein. Wir haben eine Ausgangsposition, die wir in 50 Jahren nicht hatten.

Oliver Kahn: Ich glaube, das ist bei den Leuten noch nicht angekommen.

Hoeneß: Ich denke, viele haben das immer noch nicht wirklich begriffen: Corona ist eine Situation, die unsere Gesellschaft noch nie hatte. So ein Virus ist ein unsichtbarer Gegner. Und keiner weiß, ob er nicht zurückkommt. Wir dürfen keine Risiken eingehen und müssen alle miteinander kleinere Brötchen backen.

Kahn: Wir müssen uns unsere finanzielle Kraft zurückholen. Und vielleicht haben wir jetzt in der Krise die Chance, über einen Salary Cap, eine Gehaltsobergrenze, ernsthaft nachzudenken. Wenn eine Deckelung der Gehälter käme und eine Verschärfung von Financial Fairplay, dann sind die Voraussetzungen wieder andere. Aber im Moment müssen wir den Ball flachhalten.

So plant Bayern die Zukunft mit Nagelsmann

SPORT1: Dann müssten mehr Talente aus dem Bayern-Campus kommen.

Hoeneß: Über Jahre waren wir in diesem Bereich schwach, das ist richtig. Aber Alphonso Davies und Jamal Musiala haben wir als ganz junge Spieler geholt und hochgebracht.

Kahn: Und Chris Richards. In den letzten ein, zwei Jahren hat sich da etwas entwickelt. Weil Sie Julian Nagelsmann eben ansprachen: Wir gehen bei ihm davon aus, dass er viele junge Spieler entwickelt. Das wird eine Variante sein, mit der der FC Bayern in Zukunft verstärkt arbeiten muss.

SPORT1: Aber vom deutschen Nachwuchs hören wir ja nichts Gutes.

Hoeneß: Ja, vom DFB kommt mir zu wenig. Bisher ist der Verband jedenfalls mit keinen Konzepten an die Öffentlichkeit getreten. DFB, DFL und die Vereine müssen sich gemeinsam auf die neue Situation vorbereiten. Die Jugendlichen hocken alle vor dem Computer. Die zurückzuholen zum Fußball, das wird eine Herkules-Aufgabe.

SPORT1: Oder Bayern München schickt endlich einen Vertreter, der mitentscheidet.

Hoeneß: Das ist schwierig. Ich denke eher, die DFB-Verantwortlichen sollen mal vernünftige Vorschläge machen, wie es bei ihnen weitergehen soll.

SPORT1: Angeblich ist Oliver Mintzlaff ein Kandidat, um Christian Seifert als DFL-Geschäftsführer nachzufolgen.

Hoeneß: Ich habe das gehört. Aber ich weiß nicht, ob das konkret wird.

Kahn: Ich kann dazu nur sagen, dass die DFL einen hochprofessionellen Prozess aufgesetzt hat.

SPORT1: Danke für das Gespräch.

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