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München - Das Spiegel-Interview von Robert Lewandowski schlägt hohe Wellen. Dabei kann daraus viel Positives entstehen. Der SPORT1-Kommentar von Chefredakteur Digital Ivo Hrstic.

Gerade mal einen knappen Monat ist die Saison alt – und schon ist beim FC Bayern ordentlich Druck auf dem Kessel. Weniger wegen der Auswärts-Niederlage bei den starken Hoffenheimern, sondern wegen Aussagen von Robert Lewandowski im Interview mit dem Spiegel. An den hektischen Reaktionen von Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und vielen anderen Experten wird deutlich, welche Brisanz diese Aussagen bergen.

Grundsätzlich freuen wir alle uns doch über mündige Spieler, also muss auch einem Robert Lewandowski zugestanden werden, dass er den Finger in die Wunde legt. Ähnlich hat das auch Philipp Lahm 2009 gemacht. Nach dem Karriere-Ende von Lahm und Xabi Alonso ist Lewandowski in der Mannschafts-Hierarchie zusammen mit Mats Hummels und Manuel Neuer ganz oben angekommen. Da steht es ihm auch zu, laut und deutlich Kritik zu äußern.

Das in der Öffentlichkeit zu tun, ist immer heikel - aber oft auch wirksamer und wuchtiger. Vor allem wenn man intern offenbar zu wenig Gehör findet. Hätte Lewandowski sein Interview wie üblich durch die Medienabteilung des Vereins redigieren lassen, wären die kritischen Passagen zur Bayerns Transferpolitik ("Bayern muss sich etwas einfallen lassen") und die umstrittene Asienreise ("Die vielen Testspiele bringen mich nicht weiter") sicher nicht erschienen.

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Lewandowski jetzt das Interesse zu unterstellen, seinen Abgang vorbereiten zu wollen, finde ich unangebracht. Sein Ehrgeiz treibt ihn, er erkennt, dass unter den aktuellen Umständen ein Erfolg in der Champions League zunehmend schwerer wird.

In der emotionalen Diskussion ist nur wichtig, dass der FC Bayern sich weiter als Einheit präsentiert. Im Moment wird vor allem öffentlich diskutiert, das ist immer ein Zeichen für eine gestörte interne Kommunikation. Wenn sich dann auch noch die Macher in der Causa Lewandowski und Müller in aller Öffentlichkeit widersprechen, dann entsteht schnell der Eindruck einer fehlenden Geschlossenheit beim FC Bayern München.

Dass Uli Hoeneß die Aussagen von Karl-Heinz Rummenigge öffentlich relativiert und herunterspielt, dokumentiert eine sich anbahnende Spaltung zwischen den beiden Alphatieren.

Auch wenn die aufgekommene Unruhe im Vorfeld des Champions-League-Auftakts stört, glaube ich, dass Lewandowskis Kritik dem FC Bayern gut tut. Bereits gegen Anderlecht glaube ich an eine starke, kurzfristige Reaktion von Lewandowski und der Mannschaft. Mittelfristig kann die Strategie-Diskussion zu einem Selbstfindungsprozess führen, an dessen Ende ein noch stärkerer FC Bayern steht.

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