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Julian Nagelsmann war mit der Schiedsrichterleistung beim Spiel gegen Donezk nicht einverstanden © imago
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Sinsheim - Die TSG Hoffenheim verliert gegen Schachtar Donezk und verpasst damit das Achtelfinale der Champions League. Julian Nagelsmann ist nach dem Spiel außer sich.

Die Kraichgauer haben einfach keine Königsklasse: Die TSG 1899 Hoffenheim hat auch im fünften Anlauf den Premierensieg in der Champions League verpasst. Durch das 2:3 (2:2) gegen Schachtar Donezk ist die TSG in der Gruppenphase gescheitert, auch die Chancen auf den "Trostpreis" Europa League stehen äußerst schlecht. (Das Spiel in der Ticker-Nachlese)

Der kroatische Vize-Weltmeister Andrej Kramaric (17.) und der Schweizer WM-Teilnehmer Steven Zuber (40.) trafen für Hoffenheim. Ismaily (14.) und Taison (15./90.+2) waren für Donezk erfolgreich. TSG-Stürmer Adam Szalai sah die Gelb-Rote Karte wegen wiederholten Foulspiels (60.) - die TSG-Trainer Julian Nagelsmann auf die Palme brachte.

"Die Gelb-Rote Karte ist in meinen Augen ein absoluter Skandal. Das war beides keine Gelbe Karte", echauffierte sich der zukünftige Leipzig-Trainer. Referee Ivan Kruzliak sei zwar "ein guter Schiedsrichter, aber das war nicht auf Champions-League-Niveau", legte Nagelsmann bei DAZN nach.

Nagelsmann bemängelt Chancenverwertung

Doch auch mit der Chancenverwertung seiner Truppe war Nagelsmann unzufrieden. "Es ist am Ende des Tage dann auch eine Qualität, die Chancen, die du herausspielst, zu nutzen." Dennoch könne der seiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, erklärte Nagelsmann.

"Die Jungs haben alles gegeben, es hat nicht gereicht. Das ist bitter", so der Hoffenheim-Trainer.

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In zwei Wochen müssen die Hoffenheimer bei Manchester City antreten - und hoffen, zumindest noch Schachtar im Fernduell vom dritten Platz der Gruppe F zu verdrängen. "Das wird schwer, Manchester City ist eine gute Mannschaft", erklärte Schulz. (SERVICE: Die Tabelle der Gruppe F)

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Nagelsmann: "Diese Unentschieden gehen mir voll auf den Sack"

Mit einem Unentschieden hätte Hoffenheim den Einzug in die Europa League noch in der eigenen Hand gehabt, nun ist die TSG auf Schützenhilfe angewiesen. Donezk muss gegen Olympique Lyon verlieren, Hoffenheim gleichzeitig bei Manchester City gewinnen.

Kritik an seinem "Hurra-Stil" blockte Nagelsmann aber mit deutliche Worten ab

"Weil ich halt gewinnen will. Diese Unentschieden gehen mir voll auf den Sack", antwortete der 31-Jährige emotional aufgewühlt auf die Frage, warum er gegen Donezk nicht das Remis kurz vor Schluss verwalten wollte: "Ich will immer gewinnen! Jedes Scheiß-Spiel will ich gewinnen, sogar Darts gegen meinen Analysten. Ich will alles gewinnen!"

Dass der erfolgsbesessene Nagelsmann angesichts dieser niederschmetternden Bilanz die Nerven verlor, bemerkte auch der TSG-Pressechef. Obwohl noch Fragen offen waren, beendete er die Pressekonferenz abrupt nach nicht einmal 13 Minuten.

Weitere Kritik an der fragwürdigen Strategie des Trainers, der ab der kommenden Saison RB Leipzig betreut, wurde so für den Moment verhindert.

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TSG stürmt trotz Unterzahl nach vorne

Dennoch war vielen Beobachtern klar, dass sich Nagelsmann verzockt hatte. Anstatt in Unterzahl das Spiel zu beruhigen und das Remis über die Zeit zu bringen, trieb der Coach seine Mannschaft weiter nach vorne.

Am Ende kassierten die Kraichgauer in der zweiten Minute der Nachspielzeit das entscheidende Gegentor durch Taison. Mit einem Unentschieden hätte Hoffenheim den Einzug in die Europa League noch in der eigenen Hand gehabt, nun ist der Klub am letzten Gruppenspieltag auf Schützenhilfe angewiesen.

Donezk muss gegen Olympique Lyon verlieren, Hoffenheim gleichzeitig bei Manchester City gewinnen. "Natürlich hätte ich lieber 2:2 gespielt als 2:3. Es wäre Bullshit, wenn ich sagen würde, ich habe lieber verloren. Es ist aber ein völliger Trugschluss zu sagen, ich sichere das 2:2 und stelle mich mit zehn Mann hinten rein", rechtfertigte sich Nagelsmann trotzig: "Ich werde auch gegen Manchester City gewinnen wollen - das verspreche ich Ihnen."

Eine andere Sichtweise als sein Trainer legte Steven Zuber an den Tag. "Am Ende sollte man vielleicht mal überlegen, ob man nicht das 2:2 nehmen soll", sagte der Schweizer, der nach den Gäste-Toren von Ismaily (14.) und Taison (15.) sowie dem TSG-Treffer von Andrej Kramaric (17.) das zwischenzeitliche 2:2 (40.) erzielte hatte: "Aber uns zu bremsen wäre der falsche Ratschlag gewesen."

Der Kommentar von Verteidiger Ermin Bicakcic fiel deutlich kürzer aus: "Was soll ich erzählen? F***ing-Spiel!"

Hoffenheim startet unkonzentriert

Vor der Partie ging es für Nagelsmann in erster Linie darum, die Defensiv-Schwäche seiner Mannschaft in den Griff zu bekommen. "Im Grunde müssen wir nur besser verteidigen, das ist der Schlüssel", sagte der 31-Jährige, dessen Team in den vier Partien zuvor bereits neun Gegentore kassiert hatte.

Die Profis hatten ihrem Coach aber offensichtlich nicht zugehört. Die Gastgeber, bei denen Dennis Geiger, Benjamin Hübner, Nadiem Amiri, Lukas Rupp, Joelinton und der gesperrte Kasim Adams fehlten, waren zu Beginn vollkommen unkonzentriert. Die schwache Anfangsphase der Hoffenheimer wurde von Donezk sofort bestraft. (SERVICE: Ergebnisse und Spielplan)

Bei den beiden schnellen Gegentoren war das Abwehrverhalten erneut mangelhaft. Vor allem Kapitän Kevin Vogt, Harvard Nordtveit und Nationalspieler Nico Schulz machten keine gute Figur. Dennoch waren die Kraichgauer unter den Augen der 22.920 Zuschauer in der Rhein-Neckar-Arena nur kurz geschockt. Kramaric brachte die TSG nach Vorarbeit von Ishak Belfodil mit einem sehenswerten Heber zurück ins Spiel.

Hoffenheim stärker nach der Pause

Rund zehn Minuten später hatten die Hoffenheimer Glück, dass Junior Moraes seinen Kopfball knapp neben das TSG-Tor setzte (28.). Nach dieser Szene passierte nicht mehr viel. Die Nagelsmann-Elf brachte in der Offensive so gut wie nichts zustande. Von Spielwitz und Kreativität war kaum etwas zu sehen. Der Ausgleich durch den Kopfball Zubers war eher ein Zufallsprodukt.

Zu Beginn der zweiten Hälfte erhöhten die Hoffenheimer die Schlagzahl und setzten die Ukrainer unter Druck. Die Führung für den Klub von Mehrheitseigner Dietmar Hopp lag in der Luft. Die Drangperiode ging allerdings ohne TSG-Treffer zu Ende.

Trotz der Unterzahl hätte Zuber die Hoffenheimer fast in Führung geschossen, der Schweizer traf aber nur die Latte (69.). Im Anschluss drängten die Kraichgauer weiter auf das dritte Tor, mit der Zeit schwanden aber die Kräfte. Kurz vor dem Abpfiff trafen die Gäste den Pfosten. Wenig später zerstörte Taison alle Träume der Kraichgauer.

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