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München - Royston Drenthe gelingt einst ein Traumdebüt für Real Madrid, es folgt ein rasanter Absturz voller Eskapaden. Heute zeigt sich das einstige Juwel geläutert.

Royston Drenthe ist ein dankbarer Gesprächspartner, wenn es um das Champions-League-Duell zwischen Ajax Amsterdam und Real Madrid geht.

Auch wenn sich vielleicht nicht jeder an ihn erinnert: Der heute 31-Jährige ist Niederländer und hat für Real gespielt. Das sind schon mal zwei gute Voraussetzungen.

Zwar ist er nie für Amsterdam aufgelaufen, sondern für den Ajax-Dauerrivalen Feyenoord Rotterdam - aber sei's drum. Immerhin ist Drenthe nicht ganz so beschäftigt wie beispielsweise Arjen Robben, der von seiner Vita her ähnlich geeignet wäre.

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Und vor allem kann er bei der Gelegenheit noch einmal seine an kuriosen Anekdoten reiche und sehr bewegte Lebensgeschichte erzählen.

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Royston Drenthe: Vom Real-Juwel ins Nirgendwo

Kurz zusammengefasst: Drenthe ist der Neffe des legendären Edgar Davids. Als er gerade drei Jahre alt ist, wird sein Vater ermordet. 2007 wird er U21-Europameister und zum besten Spieler des Turniers gewählt.

Royston Drenthe (r., gegen Portugals Nani) führte die Niederlande 2007 zum Titel bei der U21-EM
Royston Drenthe (r., gegen Portugals Nani) führte die Niederlande 2007 zum Titel bei der U21-EM © Getty Images

Im Anschluss drückt er erfolgreich seinen Transfer von Feyenoord zu Real Madrid durch - für damals stattliche 14 Millionen Euro. In seinem ersten Spiel für die Königlichen donnert er den Ball aus rund 30 Metern an die Unterkante der Latte und von dort hinter die Torlinie.

Gut fünf Jahre später spielt er bei Alanija Wladikawkas irgendwo im russischen Nirgendwo, anschließend in der zweiten englischen Liga, in der Türkei und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Mit gerade einmal 28 Jahren beendet er seine Karriere.

In die Zeit zwischen seiner einzigen Sternstunde für Real und der Tingelei durch die Niederungen des Profifußballs fallen Eskapaden und Fehltritte, die sprachlos machen.

Drenthe gibt Comeback bei Sparta Rotterdam

Inzwischen aber scheint Drenthe erwachsen geworden zu sein, er hat Abstand gewonnen - und er hat den Weg zurück in den Profifußball gefunden. Seit Sommer spielt er beim niederländischen Zweitligisten Sparta Rotterdam.

"Mein Kopf ist dort, wo er sein soll, bei meiner Arbeit", betont Drenthe im Interview mit der as und sagt über sich selbst: "Ich bin viel erwachsener und weiß, was ich zu tun habe. Ich bin glücklich."

Er besitze eine Bar, eine Parfümerie und ein Fitnessstudio - und überhaupt: "Die Leute sollen wissen, dass ich nicht mehr so bin wie damals, als ich bei Real war."

Damals, als er nachts um halb fünf ein Polizeiauto rammte. Als er als Leihspieler bei Hercules Alicante das Training boykottierte. Als er während seiner Leihe zum FC Everton des Nachts in weiblicher Begleitung ins Trainingsgelände einbrach. Als er kurz nach dem Ende seines Vertrags bei den Königlichen mit Bier in der Hand in seinem Ferrari durch ein Madrider Nobelviertel raste.

Zoff mit Jose Mourinho bei Real Madrid

Einiges bereut Drenthe rückblickend, in seiner Zeit in Everton habe er sich beispielsweise nicht verhalten wie ein Profi-Fußballer. Den Trainingsboykott in Alicante aber verteidigt er weiterhin mit ausgebliebenen Gehaltszahlungen - auch wenn das letztlich dazu führte, dass der damalige Real-Coach Jose Mourinho zu ihm sagte: "Du bist Spieler von Real Madrid und kannst dich nicht so verhalten."

Er habe Mourinho geantwortet, dass dieser wohl genauso gehandelt hätte, wenn sein Verein ihn nicht bezahlt hätte. Mourinho erklärte Drenthes Zeit in Madrid dennoch für beendet.

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"Ich habe in der Welt des Fußballs Dinge gesehen, die andere niemals zu Gesicht bekommen werden", bilanziert Drenthe heute, irgendwann habe er sich selbst belügen müssen, um weiterzumachen - bis er sich gefragt habe: "Ich mag den Fußball, aber wenn er mich unglücklich macht, warum sollte ich dann spielen?"

Das war der Punkt, als er seine Karriere 2016 vorzeitig beendete.

Bernd Schuster einst von Drenthe begeistert

Von dem 22-Jährigen, der mit seinem Geniestreich in der Supercopa gegen Sevilla Fans, Medien und den damaligen Real-Trainer Bernd Schuster gleichermaßen begeistert hatte, war nichts mehr übrig geblieben.

Royston Drenthe feiert sein traumhaftes Debüt-Tor für Real Madrid mit dem damaligen Trainer Bernd Schuster
Royston Drenthe feiert sein traumhaftes Debüt-Tor für Real Madrid mit dem damaligen Trainer Bernd Schuster © dpa Picture-Alliance

Nur noch Royston Drenthe, der Real-Stern, der in Rekordzeit verglüht war.

Er nimmt sich damals vor, sich fortan vor allem um seine sechs Kinder zu kümmern, fünf Töchter und ein Sohn. Der inzwischen Achtjährige sei jetzt aber doch froh, "dass er seinen Vater als Profifußballer spielen sehen kann".

Der Weg zurück war hart. 96 Kilogramm brachte der einst so explosive Mittelfeldspieler zwischenzeitlich auf die Waage, Freunde aus seinem Fitnessstudio unterzogen ihn einer radikalen Diät.

Real Madrid noch immer dankbar

"Ich bin runter auf 74 Kilogramm, ich habe 22 Kilo in acht Monaten verloren", berichtet Drenthe nicht ganz ohne Stolz: "Das würden nicht viele schaffen."

Royston Drenthe spielt heute für Sparta Rotterdam in der zweiten niederländischen Liga
Royston Drenthe spielt heute für Sparta Rotterdam in der zweiten niederländischen Liga © Imago

Vier Tore und vier Assists hat er in 20 Einsätzen für Sparta in der aktuellen Saison beigesteuert. Bis auf eine zweiwöchige Verletzungspause im November und eine Gelbsperre stand der Comebacker immer in der Startelf.

Auf der großen Fußballbühne schlägt sein Herz derweil immer noch für die Königlichen - nicht nur, weil es im Achtelfinale der Königsklasse gegen den alten Feyenoord-Rivalen Ajax geht.

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"Es ist etwas, das dir in Fleisch und Blut übergeht. Ich schaue immer nach den Ergebnissen von Real, Madrid hat mir viel gegeben", betont Drenthe trotz allem.

Drenthe schwärmt von Frenkie de Jong

Gegen die jungen Wilden aus Amsterdam hatte sein Ex-Klub beim 2:1-Erfolg aber heftige Gegenwehr zu überwinden. Besonders Frenkie de Jong, der im Sommer zum FC Barcelona wechseln wird, hat es Drenthe angetan.

"Frenkie kann wie Xavi zu der Zeit werden, als ich in Spanien war", adelt er den 21-Jährigen und schwärmt davon, "wie er sich bewegt, wie er schon weiß, was er mit dem Ball machen wird, bevor er ihn überhaupt bekommt".

Dass de Jong in Spanien dasselbe Schicksal drohen könnte wie einst ihm selbst, darüber macht sich Drenthe keine Sorgen: "Er ist jetzt schon sehr gut. Aber wenn er erst mal nach Barcelona kommt, wird er einer der Besten überhaupt werden."

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